Keith Emerson Band - Keith Emerson Band - Cover
Große Ansicht

Keith Emerson Band Keith Emerson Band


  • Label: earMusisc/EDEL
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei Keith Emerson hat man es mit einem Großmeister des progressiven Rock zu tun, der in den letzten drei Dekaden im Genre (allein oder in einer Band) nicht nur mit seinem Keyboard- und Orgelspiel Maßstäbe setzte, sondern auch als Arrangeur eine Inspiration für unzählige Bands der nachfolgenden Jahrzehnte darstellte. Gemeinsam mit Gitarrist Marc Bonilla, der unter anderem mit Glenn Hughes und David Coverdale zusammengearbeitet hat oder als Solokünstler unterwegs ist, hat er nun sein neuestes Werk eingespielt, das schlicht auf den Namen „Keith Emerson Band“ getauft wurde.

Auf den ersten Blick am auffälligsten ist natürlich die Trackliste. 19 Songs in nicht einmal einer Stunde? „Dabei kann es sich nicht um ein Progressive Rock-Album handeln“ schießt einem natürlich sofort in den Kopf. Doch Herr Emerson wäre nicht eine stilbildende Ikone der 70er und somit ein Idol für viele ProgRock-Bands, wenn er jetzt plötzlich schnöden Pop abliefern würde. Begonnen vom Opener „Ignition“ bis zum Stück „2nd presence“ spult der 63jährige lediglich eine Variation an unterschiedlichsten Stimmungen ab, die sich zwischen einer halben und 2 ½ Minuten erstrecken – sozusagen ein Vorgeschmack auf das, was den Hörer in der zweiten Hälfte erwarten wird. Leider bleibt das Material aber vor allem angesichts der kurzen Laufzeit meist etwas blass und bruchstückhaft, obwohl eine durchgehende Komposition angestrebt wurde, wodurch die einzelnen Motive zwar ineinander übergreifen, aber durch ihre komplett unterschiedliche Melodieführung sich zu stark vom vorangegangenen Track abgrenzen.

Erst „Marche train“ schlägt mit sechs Minuten zu Buche und wird der erste in sich geschlossene Song, der neben einem (wie nicht anders zu erwarten) grandiosen Orgelpart Emersons zu den Höhepunkten des Albums zählt. Danach lässt sich der Brite wieder zu zwei kurzen Intermezzi („Blue inferno“, „3rd presence“) hinreißen, die von der melancholischen Pianonummer „Prelude to a hope“ abgelöst werden und in den zwar makellos gespielten und hübsch ausstaffierten Song „A place to hide“ münden, der unterm Strich aber nicht mehr als Genrestandard abliefert. Mit „Miles away pt. 3” wird dann der rote Teppich für den bislang lautesten Track ausgerollt, der logischerweise mit „Finale“ betitelt wurde und durch den verstärkten Einsatz von Hammond Orgel, einem knackigen Drum-Solo und virtuoser Gitarrenarbeit ein Fest für alle ProgRock-Veteranen sein dürfte.

Damit ist die Platte aber noch keineswegs beendet. „The art of falling down“ beschreitet mit seinen 3 ½ Minuten wieder einen konventionelleren Weg und könnte schon fast als Singleauskoppelung durchgehen, während „Malambo“ als feuriger Instrumentaltrack im Stechschritt aus den Boxen stapft, auf Perkussion und etwas angestaubte Keyboard-Synthies setzt, bis „Gametime“ komplett aus dem vorangegangenen Klangbild herausfällt und eine Blues-Nummer der Marke „Everybody needs somebody to love“ der Blues Brothers vom Stapel lässt, die erst etwas vom kitschigen Beginn des Abschlussstücks „The parting“ besänftigt wird. Was bleibt sind viele kleine Mosaiksteine, die sich nicht zu einem großen Ganzen fügen wollen und nur bedingt unterhalten. Die musikalische Qualität und Klasse von Keith Emerson und Marc Bonilla bügeln diesen Makel aber mühelos aus. Trotzdem wären zwei durchkomponierte Longtracks besser gewesen als etwa zehn halbgare Fragmente vorzulegen, die den Fluss des Albums erheblich beeinträchtigen. Vielleicht beim nächsten Mal!

Anspieltipps:

  • Finale
  • Marche Train
  • Prelude To A Hope

Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
6.5/10

The Mission
  • 2017    
Diskutiere über „Keith Emerson Band“
comments powered by Disqus