Buckcherry - Black Butterfly - Cover
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Buckcherry Black Butterfly


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Black Butterfly“ ist professionell und unkreativ produziert, das Songwriting unkreativ und professionell im Sinne von Radiotauglichkeit arrangiert.

An Buckcherry exemplifiziert sich in drastischer Weise was die kulturelle Globalisierung negatives in der populären Musikwelt angerichtet hat. Subkulturen erfahren seit den 80ern Schritt für Schritt Akzeptanz, Metallica, Green Day und Westbam sind Millionäre; Metaller, Punker und Technoten keine Ausgestoßenen mehr, mehr als jeder zweite unter 30-Jährige tätowiert. Subkulturen sind ihrer Abschottungsfunktion entledigt, sie dienen heute, in unseren Industriestaaten, als Persönlichkeit definierendes Unterscheidungsmerkmal Individualität zu erlangen.

Dem Hardrock geht es da nicht anders als anderen, ursprünglich subkulturellen, Musikstilen, die frühere Elterngenerationen einst für gefährlich und ablehnenswert hielten. Wie tief diese originär rebellische Ausdrucksform inzwischen im Mainstream verflochten ist beweist die – freilich – amerikanische Hardrockband Buckcherry. 1995 in Jamestown gegründet, 2002 aufgelöst und 2005 reaktiviert, zelebrieren sie das Ein-mal-Eins der Massentauglichkeit bei scheinbarer Außenseiterpositionierung, hier: harte, rebellische Rocker.

Ihr viertes Album „Black Butterfly“ ist professionell und unkreativ produziert, das Songwriting unkreativ und professionell im Sinne von Radiotauglichkeit arrangiert. Die Verflechtung dessen, was diese Subkulturen einst so ablehnten und heute durch solche Bands verkörpert finden, geht sogar so weit, dass man ohne Hilfestellung Gut und Böse nicht voneinander zu unterscheiden weiß oder noch schlimmer sich beides beginnt zu vermischen (Punkrockbeispiel: die Bandfreundschaft zwischen Rancid und Good Charlotte): Zwei Buckcherries waren mal eine Weile im Blätterwaldgespräch Slash’s neuer Band assistieren zu helfen, als Velvet Revolver aber konkret wurde, fand man gewichtigere Szenenamen.

Auch ihre erste Single darf als verwirrendes Vermischungsbeispiel gelten. „Too Drunk…“ ist harter Funk-Rock, stark angelehnt an die authentischen Szenemucker Mother Tongue. Für 14-Jährige definitiv ununterscheidbar. Was ist an Buckcherry eigentlich soviel schlechter als an Guns N’ Roses? De facto nichts, die einen waren lediglich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das Unterscheidungskriterium darf also nicht die zeitliche Verortung sein, für die kann niemand etwas, insofern auch eine Ausgangserkenntnis um mit falschen Szenehelden zu brechen. Was Buckcherry zu einer lausigen Hardrockband macht, ist ihr kreativer Input gegenüber ihrer eigenen Welt. Jack White kann künstlerisch wertvoller hardrocken und der kommt aus dem Blues.

Liebe Kinder: Buckcherry sind nicht Queens Of The Stone Age und Queens Of The Stone Age sind nicht Buckcherry. Wem das nicht auf dem ersten Hören plausibel erscheint, glaube es einfach. Irgendwann, das ist ja die Kunst von Kunst, wird es plausibel erscheinen. Aber bis dahin sind „Talk To Me“, „Fallout“ und „Imminent Bail Out“ derbe geile Rockkracher mit eingängigen Melodien, rebellischen Texten und tollen Riffs, während die Balladen „Dreams“, „Don’t Go Away“ und „Rose“ die sensible und liebenswerte Seite dieser harten, nicht in diese Gesellschaft passenden, Ungeheuer aufzeigt.

Anspieltipps:

  • Too Drunk…
  • Fallout
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