Ben Folds - Way To Normal - Cover
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Ben Folds Way To Normal


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Keine orgiastischen Kleinode und keine perfekt arrangierten Songs.

„Way To Normal“ heißt das siebte Studioalbum von Ben Folds, sein drittes als Solist. Wie der Titel bereits ankündigt, sucht er auf seinem aktuellen Album angeblich seinen Weg zur Normalität. Bereits auf der Sommertour gab er einige der Songs des Albums zum Besten, in den USA gab es gar zu Benefizzwecken eine kurze Reunion der Ben Folds Five. Doch ein Ben-Folds-Five-Album ist es einmal mehr nicht geworden.

Es ist nicht mehr der wütende Ben Folds von damals, es ist ein erwachsenwerdender Mann, der verzweifelt versucht seine ehemals einzigartige Ironie und den messerscharfen Humor vergangener Tage nicht zu verlieren. Thematisch serviert Ben Folds dem Hörer dabei wenig Überraschendes: zerbrochene Lieben, das Eingestehen des Endes der Beziehung oder mangelnde Konversation in ebensolchen („You Don't Know Me“, „Cologne“). Diese Geschichten erzählt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Aber irgendwie will man nicht mehr so recht mitlachen. Dann regt er sich natürlich weiterhin über das Kleinbürgertum und die lieben Spießer auf, das Ettikett, das er der Normalität aufdrückt und karikiert das Leben in der typischen amerikanischen Vorstadt („Effington“): Haus, Kinder und Frau, ein geordnetes Leben, spießig eben. Immerhin, Sorgen machen, so zu enden muss sich der in vierter Ehe lebende 43-Jährige wohl nicht, aber unterhaltsam ist auch dieser Song nicht wirklich.

Doch natürlich gilt Ben Folds nicht zu Unrecht als begnadeter Pianist und Musiker. Songs ohne eine Melodie, die sofort ins Ohr geht, gibt es auf dem gesamten Album keine. Fesselnde Hooklines am Fließband weiß der Mann weiterhin zu schreiben. Auf „Way To Normal“ flirtet Ben Folds dabei noch heftiger mit dem Synthesizer, kaum ein Song kommt ohne flächige Synthie-Grundierung aus. Dass er Klavier spielen kann wie kaum ein zweiter, was ihm nicht zu Unrecht schon etliche Vergleiche mit Elton John eingebracht hat, beweist er mit nahezu jedem Song. Und auch sein Gespür für das richtige Maß hat er, anders als bei Live-Auftritten übrigens, nicht verloren. Grollende Bassläufe, durchdrehende Drums oder eben die erwähnten Synthies sorgen für Abwechslung.

Ebenso wie das Duett mit Regina Spektor: In dem erwähnten „You Don't Know Me“ ergänzen sich die beiden Protagonisten optimal. Was das ganze noch besser macht, auch auf Albumlänge geht das Konzept musikalisch auf. Die richtige Mischung aus melancholischen Balladen, Rockern und tatsächlich 80's Anklängen machen das Album auf die gesamte Dauer unterhaltsam. Ein Etikett, gegen das sich Ben Folds wohl genauso wehren würde, wie gegen „normal“. Doch mehr als unterhaltsam ist es leider nicht geworden. Keine orgiastischen Kleinode und keine perfekt arrangierten Songs, die in drei Minuten Uninteressantes interessant oder Situationen in denen wir weinen möchten lustig machen, sondern gute Easy-Listening-Songs mit niedlichen Melodien. Vielleicht sollte er ja doch noch mal über die Reunion-Idee nachdenken...

Anspieltipps:

  • You Don’t Know Me
  • Cologne

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