Monotekktoni - Different Steps To Stumble - Cover
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Monotekktoni Different Steps To Stumble


  • Label: Sinnbus/ALIVE
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Different Steps To Stumble“ lässt die Berliner Sound- und Klangkünstlerin Tonia Reeh alias Monotekktoni ihr nunmehr drittes Album von der Leine. Und da die neuen Songs gänzlich ohne fest zugeschnürten Maulkorb daherkommen, muss man hier und da auch mal damit rechnen von dieser zum Teil keifenden, herumrasenden und aggressiven Plattenbestie in den Allerwertesten gebissen zu werden.

Für die hiesige Indie-Szene war Reeh bis dato auch als Frontfrau der Band Masonne ein gängiger Begriff. Und mit dem Beginn ihrer Solokarriere konnte sie auch den Namen Monotekktoni in den Gehirnwindungen eines Elektromusik bevorzugenden Klientel manifestieren. Ihre Musik könnte man als die kleine fiese Schwester der ansonsten mit Berlin in Zusammenhang zu bringenden, elektronischen und auch harmonischen Popmusik beschreiben. Denn im Gegensatz zu Klee, Mia, Paula und Konsorten versucht Tonia erst gar nicht mit einlullenden und trendnormierten Melodien, als das nette Mädchen von nebenan zu erscheinen. Kraftvolle Beats, interessante, zum Teil auch wirre und verstörende Texte treffen auf melodiöse Unberechenbarkeit und ihr manchmal auch schwer zu ertragendes Sounduniversum. Einmal Hören langt hier nicht aus. Hier bedarf es einiger Überwindung bevor sich die wahre Schönheit der meisten Lieder erschließen kann. Der Beginn des Albums ist im Vergleich zu dem was folgt geradezu zögerlich.

„Where’s The Hole“ zappelt vor sich her und die Mixtur aus Elektro-Beats, Rockelementen und Popallüren wirkt noch recht unauffällig. Das ändert sich jedoch schlagartig mit dem in fernöstliches Flair getunkten „Your Colour Was Not Strong Enough“, auf dem sich die von Elektronoise und wummernden Beats überdeckte Melodie erst am Ende des Stücks, mit Hilfe von Pianoklängen, aus seiner Ummantelung befreien kann und somit ein wiederholtes Hören der Nummer in eine ganz neue Perspektive rückt. „Fuck The Engine“ ist Rockbeladen und stürmt mit einer ordentlichen Portion Krach und Speed aus den Boxen. Genau wie „Stupid Girl“ und „Nicht Stolpern Bitte“, dem wie im Drogenrausch durch die nächtlichen Strassen Berlins stolpernden Glanzstück der Scheibe. An manchen Stellen der Platte überreizt Monotekktoni das Ganze dann jedoch ein wenig. So wird das wilde „Chinese Afterburner“ nur für die hart gesottenen Clubgänger erträglich sein und auch „Häßlichent“ und „Dirty Paradise“ bewegen sich nah am Rande der akustischen Neurapraxie (Nervenschädigung). Dies sind jedoch die einzigen abstürzenden Grenzläufer der Platte. Mit „I’m A Wheelchair“ beendet Rhee ihren wilden Trip mit einer geradezu harmonischen und überschaubaren Melodienstruktur und hinterlässt eine durchweg positiven Eindruck.

„Different Steps To Stumble“ hat durchaus interessante und spannende Momente zu bieten. Auch wenn die Schwelle zur audialen Überanstrengung manchmal überschritten wird. So muss spannender und widerhörbarer Elektropop klingen. Monotekktoni zeigt hiermit, dass nicht nur die netten Jungs und Mädels die Berliner Musikszene beleben können, sondern man auch auf solch keifende und unangepasste Klänge ein aufmerksames Ohr werfen sollte.

Anspieltipps:

  • Your Colour Was Not Strong Enough
  • Fuck The Engine
  • Nicht Stolpern Bitte

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