Serum 114 - Serum 114 - Cover
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Serum 114 Serum 114


  • Label: Bodog Music/SOULFOOD
  • Laufzeit: 39 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Debüt auf Platte ist kraftvoll und die Hoffnung, dass da ungenutztes Potential ist, bleibt.

Texte, die jeder Jugendliche versteht, und Riffs, die eingängig an eine härtere Spur der alten Hosen erinnert. An dieser Parallele ist aber auch der Sänger Esche schuld, der sich doch in mancher Hinsicht mit einem jungen Campino vergleichen lassen muss. Aber (bisher) haben Serum 114, bestehend aus eben diesem Esche (Gesang), Thorsten (Gitarre), Markus (Bassist) und Nils (Schlagzeug), nicht vor, in die Fußstapfen dieser Band zu treten. Viel eher soll sich an dem Namen der Band Serum 114 orientiert werden. Kenner des Filmklassikers „A Clockwork Orange“ („Uhrwerk Orange“) wissen vielleicht, dass das Experiment, welchem sich der Hauptdarsteller unterzieht, Serum 114 heißt. Unter diesem Namen mit tiefem Hintergrund spielen die Jungs seit der Schulzeit über Alltagsprobleme, Revier- und Freundschaftsverteidigung.

Jeder kennt den typischen Rausschmeißer eines Albums, aber immer mehr Alben haben ja so ein Gegenstück zu Beginn des Albums. Ein richtig guter Einstieg fällt halt schwer. Das ist bei Liedern, bei Büchern und Filmen so. Der Anfang ist das Schwierigste. Während viele Bands sich clever mit einem meist instrumentalen Intro in eine furiose Single retten, bringen Serum 114 mit „114“ eine Selbsthymne, die sich bei Live-Auftritten ohne Frage gut machen wird, künstlerisch aber etwas auf der Strecke bleibt, trotzdem Kraft (und den Geist der Toten Hosen) ausstrahlt. Der individuelle Anstrich wird hier aber wie auch noch beim zweiten Track „Alphatier“ vermisst. Mit der Revierhymne „Wo Wir Zu Hause Sind“ sind wir dann endlich auf dem Longplayer angekommen. Zusammenhalt, gerade bei Schlägereien, wird gepredigt, wie man es immer seltener in dieser Form von Punkbands hört. „ Du Bist Zu Fett“ versucht den Selbsthasswahn anzuprangern, aber wirkliche Antworten liefert der Song nicht. Irgendwie mag man bei dieser Thematik weder Abrocken noch Stillsitzen. Musik und Text klaffen hier zu weit auseinander.

Dieser eher durchwachsene Beginn wird aber noch ausgebügelt., denn mit „Auge Um Auge“ und „Adrenalin“ kommen zwei kultverdächtige Stücke, die mit Tempo und aggressiven Texten überzeugen. „Seid Ihr Bereit?“ gehört dann wieder in dieselbe Sparte wie schon „114“ und gerade in solchen Liedern denkt man doch wieder eine DNS-Probe von Esche mit Campinos vergleichen zu lassen. Das ganz persönliche Liebeslied der Band an „Las Vegas“ entwickelt sich nach russischem Geplapper zum Einklang zu einer Ode an Bands wie Blink. Ein Bund-Rock-Lied, das auf Partys nicht fehlen wird, aber öfter als einmal muss es dann auch nicht gehört werden. „Schönen Gruss / Deine Frau“ ist instrumental wieder erfreulicher, aber der Text darüber, dass man die Frau eines anderen jeden Tag wieder und wieder… ist nicht wirklich interessant. Da tun sich dann halt offensichtlich die Lücken zwischen leicht verständlichem Punk (wie eben bei Serum 114) und der (abstrakten) Punkband des letzten Jahres Turbostaat. Entweder ist es halt beinahe unverständlich oder die Grenze zur Plattitüde ist immer in Reichweite.

Dass es nicht immer so sein muss, zeigen dann Stücke wie „Stadt Ohne Licht“ und „Sorgenkind“, womit sich gerade die jungen Hörer wieder identifizieren können, sei es nun positiv oder negativ. Der Einfluss der Band soll hier nicht überbewertet werden. Der Seitenhieb gegen die katholische Kirche in „Spiel Mit Mir“ ist typisch Punk, aber leider auch unglaublich platt. Die Melodie ist wirklich wieder ansprechend, aber der Text schafft es nur phasenweise lustig zu wirken. Aber wenn letztendlich Leute auf die Barrikaden gehen sollten (wobei das Thema dafür zu ausgelutscht ist), hat die Band wenigstens Etwas erreicht. Es wird aber deutlich, dass die Texte doch schon ein wenig älter sein müssen. Das wäre zumindest eine Entschuldigung für die öfters Klischeebetuchten Texte. Ach ja, hatten wir vorhin nicht Rausschmeißern gesprochen? Der fehlt natürlich nicht und erscheint in Form von „Durch Diese Augen“. Live wird das super zünden und Spaß bringen, doch insgesamt macht es wohl mehr Spaß sich eine solche Band so zu Gemüte zu führen. Das Debüt auf Platte ist zwar kraftvoll und die Hoffnung, dass da ungenutztes Potential ist, bleibt. Klischee und der schiere Fakt, dass bloßer, „richtiger“ Punk nicht mehr lebt, lassen das Album aber eher durchs Mittelmaß schwimmen.

Anspieltipps:

  • Wo Wir Zu Hause Sind
  • Auge Um Auge
  • Seid Ihr Bereit?

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