Kolkhorst - Wir Bleiben Alle - Cover
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Kolkhorst Wir Bleiben Alle


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 32 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Liedermacher ist er wohl, der Kai-Uwe Kolkhorst. Allerdings einer, der die klassische Klampfe durch elektronische Klangerzeuger ersetzt und so Stimmungen erzeugt, die von viel Wut und Kampfeslust angetrieben manches Mal düstere, fast apokalyptische Bilder zeichnen. So, wie „DAF“ einst den Mussolini tanzten, lässt Kolkhorst mit klaren Aussagen und auf Minimalismus programmiertem Drumcomputer die Gesellschaft lächelnd vor die Wand laufen. „Der Start ist nicht das Ziel/ Das Ziel ist nicht der Start“ heißt es im brachial stampfenden Opener, und im Kontext wahrgenommen ist „der Start“ unbedingt durch „den Staat“ zu ersetzen, denn an eben diesen scheint sich die Anklage des Mannes aus dem beschaulichen Lüneburg zu richten.

Überhaupt zeichnet sich „Wir Bleiben Alle“ durch Texte aus, die kompromisslos aufbegehren. Gegen die Globalisierung („Osterei“), die zunehmende Gleichgültigkeit unserer Gesellschaft („Jeder Rennt Umher“) oder die Selbstaufgabe („Eine Ganze Welt“). Das erinnert manches Mal angenehm an alte Helden wie die „Goldenen Zitronen“ oder den Tiradenpunk der Fehlfarben (man höre nach bei „Nichts Aus Mir Gemacht“) und klingt - im durchaus positiven Sinne - gewöhnungsbedürftig.

Kolkhorst passt sich nämlich keinen Erwartungen an, macht es mit seinen rohen, schroffen Sounds dem Hörer nicht leicht, sich einzulassen auf die unter Schutt und Asche verborgenen Schönheiten seiner Alltagsbeobachtungen. Dass er durchaus anders könnte wenn er wollte, beweist er mit dem eingängigen, sehr poppigen „Solang’ Die Sonne“, welches jedoch ein Ausreißer auf diesem sperrigen Werk bleibt, auf dem allenfalls noch „Laura“ und „Dieser Traum“ als leichtere Kost durchgehen. Doch Kolkhorst möchte halt nicht gefallen, wie er im autobiographischen „Intercity-Boy“ auch deutlich formuliert („Dieses Lied ist nicht sehr schön/ Denn es ist so wie es ist/ Du kannst es nur verstehen/Wenn Du auch so ehrlich bist/ Dieses Lied ist nicht dran Schuld/ Dafür gibt es andere/ Die erklär’n den ganzen Scheiss noch mal von vorn).

Er hat einiges mitzuteilen, was sich eben nicht in gefällige Melodien pressen lässt und verzichtet deshalb konsequent auf entsprechende Anbiederung. Zweifellos dürfte ein Konzertbesuch bei diesem Liedermacher der etwas anderen Art, der nach eigenen Angaben „immer auf Tour“ ist, angesichts seines energiegeladenen Sounds zu einem interessanten Spektakel werden! Mit weit aufgerissen Fenstern funktioniert die Musik des Intercity-Boys aber auch im heimischen Wohnzimmer gut, und nebenbei lässt sich hier Kolkhorst’s im Song „Jeder Rennt Umher“ aufgestellte Behauptung „Jeder rennt umher/ Keiner merkt den anderen mehr“ mal direkt und ungefiltert am Nachbarn überprüfen!

Anspieltipps:

  • Osterei
  • Intercity-Boy
  • Victoria
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