Okkervil River - The Stand Ins - Cover
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Okkervil River The Stand Ins


  • Label: Jagjaguwar/CARGO
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Gut, dass die Musik dieser Band nicht tagtäglich irgendwo zwischen einem Radio-Werbeblock und dem „lustigen“ Morgen-Hans verheizt wird.

Wäre der heutige und auch von Teilen der breiten Masse wahrgenommene Indie-Rock „Batman“, Will Sheff und seine Okkervil River würden zweifelsohne „Robin“, den Sidekick der berühmten und geflügelten Ratte geben. Denn ähnlich wie in den Geschichten der beiden um ihren Kampf für Gerechtigkeit, steht bloß der eine im Rampenlicht, während derjenige der den vermeintlichen Helden häufig aus den gefährlichsten Situationen retten muss, ein vergleichsweise unauffälliges Schattendasein fristet.

Und so hat die Band aus Austin, Texas dem großen Indie-Rock in den letzten zehn Jahren schon häufig aus der Patsche geholfen- auch wenn es viele nicht bemerkt haben. Denn Okkervil River schaffen es ihre Veröffentlichungen und Live-Auftritte auf einem konstant hohen Niveau zu halten und somit anderen Künstlern auch den Weg in die Öffentlichkeit zu ebnen. Zwar sind einige dieser nutzniessenden Musikgruppen jetzt schon bekannter als unser Robin, aber die von Sheff & Co angelegte Meßlatte zu überspringen schaffen nur die wenigsten. „The Stand Ins“ ist das Sequel zum grandiosen 2007er Album „The Stage Names“ und die mittlerweile fünfte Studioplatte der Band. Und auch dieses Werk ist wieder voll gepackt mit einer Mixtur aus verrückten Wortspielereien, tollen Melodien und tanzbaren Gitarrenklängen einer wilden Scheunentanznacht, die bereits schon seinem Vorgänger diese mysteriös-fesselnde Note verliehen hat.

„Stand Ins, One“ ist neben Stand Ins, Two & Three“ der erste kurze instrumentale Prolog der Platte, welcher in den Opener „Lost Coastlines“ überleitet. Ein Song mit Motown ähnlichem Groove, der sich nach der akustischen Einleitung in eine von der Band energievoll vorgetragenen Nummer wandelt. Auch auf „Singer, Songwriter“ stimmt die Okkervil’sche Harmonie, wenn nach dem Bob Dylan „hear-a-like“-Intro das Tempo angezogen wird. „Starry Stairs“ frischt die großen Augenblicke der Smiths auf (und ins Ohr) und mit „Blue Tulpin“ gibt es sogar einen am ehesten als Rockballade zu umschreibenden Song zu hören. Den Höhepunkt stellt dann das an den guten alten 80er Jahre Power-Pop/Rock erinnernde und mit druckvoll fliessendem Rhythmus ausgestattete „Pop Lies“ dar- Händeklatscher inklusive. Den Abschluss machen das von Sheff auf so wunderbar melodramatische Art und Weise vorgetragene „On Tour With Zykos“, die Uptemponummer „Calling And Not Calling My Ex“ und der von Bläsern geleitete, hymnisch-angehauchte und mit Tempowechseln brillierende Closer „Bruce Wayne Campbell Interviewed On The Roof Of The Chelsea Hotel“. Bruce Wayne? Da war doch was. Und so wird hier auch der Bogen geschlagen zu unserem ungleichen Helden-Duo am Anfang dieses Textes.

Okkervil River sind gut. Eigentlich zu gut um immer nur im Schatten der Gefeierten zu stehen. Aber wahrscheinlich ist es ihnen auch egal. Sie wissen was sie können und belegen dies erneut und eindringlich (dieses mal leider nur mit acht vollwertigen Songs) auf „The Stand Ins“. Sollen sich die anderen ruhig als wahre Heroen bejubeln lassen. Denn wir wissen es schliesslich besser. Und ehrlich gesagt ist man sehr froh darüber, dass die Musik dieser Band nicht tagtäglich irgendwo zwischen einem Radio-Werbeblock und dem „lustigen“ Morgen-Hans verheizt wird. Lang lebe Robin!

Anspieltipps:

  • Lost Coastlines
  • Singer Songwriter
  • Pop Lie
  • Bruce Wayne Campbell Interviewed On The Roof Of The Chelsea Hotel
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