The Precious Mings - Every Time I Sell A Record A Kitten Dies - Cover
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The Precious Mings Every Time I Sell A Record A Kitten Dies


  • Label: Weekender Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wodurch zeichnet sich eigentlich der so genannte Brit-Pop aus? Die Lieder sind alle englisch, das ist klar und die Melodien schmusen sich nur allzu gerne allzu schnell in die Ohren der Hörer, aber außerdem sind da eine menge „Oohs“, „Aahs“ und Einsätze von elektronischen Spielereien. Wo sonst sollen sich die Skandinavier diese Ideen „beigebracht“ haben? Eine der Neuentdeckungen der britischen Pop-Musik-Szene sind nun also „The Precious Mings“. Eine Band, gegründet aus dem Bedürfnis „mehr als nur ein Herumtreiber zu sein“, soll nun also die Hörer verzaubern. Eine Band, die so viele Mitglieder und Einflüsse auf ihrer Myspace-Seite aufzählt, dass man sie hier nicht aufzählen möchte. Allerdings sollte man wenigstens den Hauptschuldigen dieses Unternehmens, Boris Ming, erwähnen, um nicht ganz im Regen zu stehen.

Viele werden sich wahrscheinlich weigern, das Album zu kaufen und nur Leute, die Nachbars Katze schon länger 1,80 Meter tiefen sehen wollten, greifen ohne Bedenken zu. Denn wer sonst kann ohne Widerwillen zu einem Album greifen, dass den mehr als bloß irritierenden Namen „Every Time I Sell A Record A Kitten Dies“ trägt? Vielleicht rechnet Boris Ming auch nicht mit hohen Absatzzahlen und versucht die Lebensspannen der kleinen Lieblinge zu verlängern, aber eine klare Aussage zu dem verstörenden Albumtitel findet sich in keinem Interview und in keinem der Lieder wieder.

Direkt aus dem Keller in die Charts soll „Quack Horse“ stampfen. Der mit vielen Keyboardsounds unterlegte Track weist auch gleich damit seine einzige Besonderheit auf. Das Lied hat keine großen Haken, sondern ist feine Leichtkost aus dem UK-Music-Supermarket. Die „Oohs“ und „Aahs“ sind selbstverständlich im Preis enthalten. Wir bleiben gleich in derselben Regalreihe und begutachten „Plankton“. Der künstlich wirkende Rhythmus der Eröffnung wird nun von einem richtigen Bass übernommen und auch die Gitarren dürfen hie und da etwas kräftiger in die Seiten gehauen werden und auch hier sind der abgeklärte Gesang auf einer Höhe von Ming und die Backvocals im Vorteilspack. Zum Ausprobieren ist das schon okay. Mal weiterschauen und da stoßen wir doch auf den verkaufsträchtigen Titel „Why Fish R Gr8“. Allerdings stellt sich die so schöne Verpackung als Mogelpackung raus. Hier passiert gar nichts und wenn man in der falschen Gemütslage ist, geht es einem nur noch auf die Nerven. Auch „Man Monkey“ will nicht richtig munden. Das ist nicht Mid-Tempo oder Ballade, es ist Slow-Motion. Beruhigend, aber nicht wirklich interessant. Einmal gehört, für immer vergessen.

Schauen wir mal, ob wir wo anders etwas Besseres finden. Tatsächlich! „Something Is A Foot“ hört sich nichts sagend an, macht aber schon mal etwas her und weist ja beinahe eine komplexere und verspieltere Struktur auf, als die etwas lieblosen, vorangegangenen Songs. Auch „Hey Old Man“ klingt interessant und erreicht wieder solides Niveau, wie es zu Beginn bei „Quack Horse“ wirkte. Diesmal elektronisch, aber in einem Maße interessant, dass es nicht Langweilig erscheint. „Play With Me“ ist dann schon Tanzflächenreif, mit Uptempo-Rhythmen, aber im Gesamtbild will sich das Lied nicht wirklich vom etwas faden Gesamtbild abheben. Besonders Boris auf die Dauer sehr eintönige Stimme tut ein gutes Stück dazu. „The Barometer Shop“ hat dann wirklich überzeugende Ansätze, die leider verpuffen, da das Stück in derselben Eintönigkeit wie schon „Man Monkey“ vor sich hin dümpeln muss. „Dagenham Flats“ ist ein ganz nettes Instrumentalstück, welches sich dann aber auch wieder unnötig in die Länge zieht. Irgendwie fehlt den Mings da ein wenig das Gespür für die Würze in der Kürze.

Um endgültig die Chance auf einen guten Eindruck zu vergeben, folgt „Man Monkey Part II“, pardon, „Grennsleves“. Eine Ode an die Langeweile. Die Platte bekommt jetzt auch noch Schlafliedcharakter und das nicht zum Ersten mal in dieser Dreiviertelstunde! „1 Track Mind“ ist eine interessantere Version von „Why Fish R Gr8“ und das ausdruckslose (Instrumental-)Stück „Can I Go To Widnes?“ beendet das Album, genau so, wie es der Eindruck über die Laufzeit erahnen ließ: Wo es nur geht, wird Potential liegengelassen, um sich an ein paar Akkorden festzuklammern. Danke „Precious Mings“, dass ihr mit aller Macht versucht den Tod von armen Kätzchen zu verhindern, denn wenn nicht ein PR-Wunder geschieht dürften die Verkaufszahlen irgendwo bei den ach so tollen Fischen herumschwimmen.

Anspieltipps:

  • Quack Horse
  • Plankton
  • 1 Track Mind

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