Everlast - Love, War And The Ghost Of Whitey Ford - Cover
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Everlast Love, War And The Ghost Of Whitey Ford


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Irgendwie beklemmend und trotzdem fühlt man sich wohl.

Mehr als vier Jahre hat sich Erik Schrody Zeit gelassen für den Nachfolger von „White Trash Beautiful”. So ganz egal schien ihm die Kritik an dem Album – besonders in den USA wurde es nicht eben freundlich rezensiert –, dann doch nicht gewesen zu sein. „Love, War And The Ghost of Whitey Ford” heißt er der neue Output des guten weißen Mannes mit der Reibeisenstimme und es ist vor allem wieder ein Album des „guten“ Everlast, nicht des „berechnenden“, denn der Geist von „Whitey Ford Sings the Blues” und „Eat At Whitey's” ist wieder zu hören und die „House Of Pain“-Wurzeln treten wieder offen zutage.

Experimentierfreudig wie zu besten Zeiten eröffnet „Kill the Emperor” mit Bläsern das Album, in dem sich Schrody als Anwalt der Armen und der Mittelschicht gibt und scharf schießt gegen Medien, Politik und alles was ihm eben so in den Sinn kommt. Dass er sich dabei meist mit plakativen Lyrics a là „I think I would, if I could, kill the emperor” oder „Fuck CNN, fuck the New York Times” begnügt, sind wir ja gewohnt von ihm, doch angesichts des stimmigen Arrangements verzeiht man das gerne.

Ganz groß ist dann das Johnny-Cash-Cover „Folsom Prison Blues”, das hintergründig Soul-Assassins-Zeiten aufleben lässt und eine sehr gelungene Verbeugung vor Cash ist. Das treibende „Stone In My Hand” hätte auch „Eat At Whitey's” gut zu Gesicht gestanden. Angesichts des homogenen Arrangements und des erdigen Gitarreneinsatzes scheint er bei der Arbeit mit Santana ganz genau aufgepasst zu haben. Im balladesken „Anyone” lamentiert Schrody mal wieder über sein Dasein, aber das gehörte bisher noch zu jedem Everlast-Album. Lächerlich ist es trotzdem, wenn er seine liebeskummergetränkten, pubertären Gedanken ins Mikrophon haucht („I'll kill anyone for you // Anyone, anywhere, anytime”). Hach, wie romantisch er doch ist!

Mit „Die In Yer Arms Tonight” rockt Everlast den Fauxpas jedoch ganz schnell wieder weg, jedenfalls, wenn man die Lyrics nicht so genau nimmt. Am verzweifelt melancholischen Grundton hält er auch in „Friend” und „Everyone” fest, bevor er mit „Naked” dem Album wieder eine neue Richtung gibt. Ein Song, der stellvertretend für die gesamte Platte stehen könnte. Etwas unbeholfen, dafür umso überzeugter kritisiert Schrody gesellschaftliche Missstände, doch dabei erzeugt er eine ungemein intensive Atmosphäre. Von Streichern getragen, gesellen sich ein bedrückendes Drumming und der asynchrone Sprechgesang Everlasts hinzu und geben den perfekten Soundtrack für eine Autobahnfahrt durch eine verregnete Nacht. Irgendwie beklemmend und trotzdem fühlt man sich wohl.

Anspieltipps:

  • Kill The Emperor
  • Folsom Prison Blues
  • Stone In My Hand
  • Naked
  • Dirty

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