Queen - The Cosmos Rocks - Cover
Große Ansicht

Queen The Cosmos Rocks


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 60 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Unterm Strich geht das Ergebnis des ersten Queen-Albums ohne Freddie Mercury (und John Deacon) gerade noch so in Ordnung.

Bis zum tragischen Tod von Sänger Freddie Mercury, am 24.11.1991, spielte die Band Queen immer in derselben Besetzung. Über 20 Jahre lang. Etwas anderes schien undenkbar. Dass die verbliebenen Mitglieder Brian May (Gitarre), Roger Taylor (Drums) und John Deacon (Bass) mit „Made In Heaven“ (1995) ein posthumes Album veröffentlichten, auf dem Freddies Stimme zu hören ist, war dabei absolut okay, aber ein Fortbestand von Queen mit einem anderen Sänger als Freddie Mercury? Ausgeschlossen! Und jetzt ist es doch passiert...

Nachdem Brian May und Roger Taylor im Jahr 2004 anlässlich eines Konzertes zum 50-jährigen Jubiläum der Fender Stratocaster gemeinsam mit dem Bluesrocksänger Paul Rodgers (Free, Bad Company) am Mikrophon auftraten (John Deacon war zu der Zeit schon längst im wohlverdienten Ruhestand), entwickelte sich daraus eine Kooperation, die Queen wieder zum Leben erweckte. Als „Queen + Paul Rodgers“ ging das Trio auf große Welttournee und veröffentlichte die Live-CD/DVD „Return Of The Champions“ (09/2005). Schon da konnte man ahnen, dass über kurz oder lang auch ein Studioalbum von Queen + Paul Rodgers anstehen könnte. Denn Paul Rodgers machte seine Sache gut, auch wenn er nicht an den Genius eines Freddie Mercury heranreichte. Er sorgte aber dafür, dass der theatralische Rocksound von Queen eine leichte Bluesfärbung bekam, die nun auf dem ersten gemeinsamen Studiowerk „The Cosmos Rocks“ eine mehr als eindeutige Fortsetzung findet.

Auch wenn Queen + Paul Rodgers live sehr gut funktionieren, hatten nicht wenige Fans Angst vor einem Queen-Album ohne Freddie Mercury. Sein Talent als gewitzter Texter, genialer Komponist und nicht zuletzt als großartiger Sänger ist unersetzlich. Nicht selten rettete er ganz allein den einen oder anderen mittelmäßigen Songs auf den Queen-Alben, von denen mindestens sechs Klassikerstatus haben. Deshalb ist es ganz normal, dass jeder, der auch nur ein einziges Queen-Album sein Eigen nennt, an ein neues Werk eine ganz besondere Erwartungshaltung hegt. Der Druck könnte also gar nicht höher sein, dem sich May/Taylor/Rodgers auf „The Cosmos Rocks“ aussetzen.

Schon nach wenigen Hördurchgängen wird klar, dass auch der gute Freddie seine liebe Mühe gehabt hätte, so manchen mittelprächtigen Songs zu retten. Denn davon gibt es af diesem Album leider zu viele – und das ist nicht Queen-like! Der typische Queen-Sound wird doch recht arg in ein Bluesrockkorsett gezwängt, das natürlich nicht schlecht sein muss, aber mit simplen Stücken wie „Cosmos rockin’“, „Time to shine“, „Still burnin’“ und überflüssigen Reminiszenzen wie „Surf’s up... schools out!“ einfach nicht die Ansprüche erfüllt. Dadurch klingen Queen + Paul Rodgers total beliebig und setzten ihren Wiedererkennungswert fahrlässig aufs Spiel. So dauert es tatsächlich bis zum fünften Song („Warboys“), bis Brian May seinen markanten „Red Special“-Sound mal so richtig die Sporen geben darf. Bis dahin muss man schon sehr gute Ohren haben, um Mays Markenzeichen aus dem bluesigen Einerlei herauszuhören.

Dass Queen + Paul Rodgers es wesentlich besser können, beweisen sie ungefähr ab der Albummitte. Zwar gesellen sich mit „Small“ (eine schöne, wenn auch Queen-untypische Ballade) sowie dem rockigen „Warboys“ schon vorher zwei echte Perlen in die Setlist, doch erst nach dem schwachen Opener-Trio kommt bei den Briten Normalform auf. Dann blitzen hier und dann alte Stärken auf („We believe“, „Some things that glitter), wobei Ausnahmen die Regel bestätigen, denn ein „Call me“ ist z.B. nicht mehr als ein schwacher Abklatsch von „Crazy little thing called love“. Man lasse nur die geniale Gitarre von Brian May weg und der Song wandert sofort in die Tonne. Ähnlich verhält es sich bei der ersten Singleauskopplung „C-lebrity“, die bis auf den bissigen Text nur durchschnittliche (Hard-)Rockkunst darstellt. Und der nochmals eingespielte Benefiz-Track „Say it’s not true“ (2003) aus der Feder von Roger Taylor hätte es früher auch nur schwer auf ein Queen-Album geschafft. Konsequenter – und dadurch wesentlich besser und authentischer – sind (Blues-)Songs wie „Voodoo“ und „Through the night“, die nicht wie die Not-Heirat zweier Stilarten klingen.

Unterm Strich geht das Ergebnis des ersten Queen-Albums ohne Freddie Mercury (und John Deacon) gerade noch so in Ordnung. Einen Klassiker werden die 13 Songs zwar nicht abwerfen, aber das Denkmal eine der größten Rockbands aller Zeiten wird auch nicht vollends beschädigt. Das war sicher die größte Angst im Vorfeld dieses Albums. Dass dies am Schluss als Fazit herhalten muss, sagt dennoch einiges über „The Cosmos Rocks“ aus. Denn sind wir einmal ehrlich, wir alle haben mehr erwartet als eine durchschnittliche Rockplatte mit zwei, drei ganz guten Songs.

Anspieltipps:

  • Small
  • Voodoo
  • Warboys
  • We believe
  • Some things that glitter

Neue Kritiken im Genre „Rock“
9.5/10

Our Love To Admire (10th Anniversary Edition)
  • 2017    
6.5/10

Mental Jewelry (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „Queen“
comments powered by Disqus