Vincent - Lucky Thirteen - Cover
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Vincent Lucky Thirteen


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Und wieder einmal ein Knaller des Jahres und wenn so etwas aus Europa kommt, kann es sich eigentlich nur um einen Künstler aus Großbritannien handeln oder aus Neo-England, besser bekannt als Schweden. Das Land der unzähligen Songwriter hat also wieder jemanden hervorgebracht, der anders ist als die Anderen. Der Stil, der ihn eben anders sein lässt, nennt er „Pop and Dub“ und es schillern die Glocken, dass das nach Albarn’schem Zombie-HipHop à la Gorillaz klingt. Unter übliche Popstrukturen will der junge Mann also HipHop- und Reggae-Elemente legen und so seinen ganz eigenen Klang erschaffen. Darauf lieber noch mal einen zweiten Gedanken.

Hört man im heutigen Popgeschäft mal genauer hin, hat sich der wummernde Bass, der sonst für den HipHop typisch ist, längst eingeschlichen. Über den erfolgreichen R&B, den Akon und Beyoncé mit Pop so eng verknüpft haben, hat sich das Club-Gedröhne längst als Einsatzmittel etabliert. Aber HipHop einfach mal HipHop sein lassen und das offensichtliche heraushören. Nahezu jeder Track bedient sich nämlich typischen Reggae-Sounds und auch Vincents Gesang erinnert eher an einen dem Pop verfallenen Marley, als einem neuen Eminem. Unter diesem Gesichtspunkt haben wir aber vielleicht diese besondere Note des Schwedens ausgemacht.

Das „Intro“ macht eigentlich schon überdeutlich, dass hier der Dub (mindestens) im Hintergrund regiert. Die geradezu nostalgischen Bläser für ein beinahe ausgestorbenes Genre (zumindest in Weiten des Mainstreams) werden dann aber zurückgefahren und teilen sich mit Steeldrums und den Beats die Tanzfläche. Gerade in „Farewell“ ist ihre Rolle aber noch sehr groß und dieser farbenfrohe Mix macht wirklich Spaß. Ohne diese Art von Instrumentalisierung wäre wohl ein aalglatter Song ohne Besonderheit entstanden, so gewinnt man „Farewell“ doch Einiges ab. „Miss Blue“ leidet an einem Big-Band-Syndrom, dass die entstandene Stimmung völlig zerstört, indem die erste Minute mehr als fragwürdig Elektronik im Überfluss benutzt wird. Für viele ist diese natürlich ein Renner, aber wirklich Stimmung kommt hier nicht herüber. Seelenloser, aber effektiver Abräumer, genau wie die zweite Single „This Is For You“, der man nichts Besonderes abgewinnen kann. Zu einfach ist das Schema, zu durchschaubar.

Lieber hört man sich gediegene Reggea-Pop-Songs wie das ruhige „In My Head“ oder das überentspannte „How To Rob A Bank“ an. Das lässt sich genießen und weist Originalität auf, anstatt auf Kurzzeiterfolg abzuzielen. Dass es noch ein paar andere Klänge gibt, steigert die positiv zu bewertende Vielfältigkeit des Albums. Eine typische Ballade wie „P.A.R.A.D.I.S.E“, die allerdings nicht hundertprozentig mit Vincents Stimme funktionieren. Viel besser funktioniert die einzige HipHop-Nummer „Tell Me“ in Kooperation mit Markus Berg. Auch nichts wirklich Besonderes, aber es funktioniert und der Mann probiert wenigstens Neues. Solide ist das Ergebnis allemal.

Gerade das Finale „Hallelujah“ zeigt ziemlich offensichtlich, dass Vincent zwar ein Vollblutmusiker ist, aber noch viel zu uneigenständig wirkt. Es klingt einfach noch zu sehr 08/15-mäßig. Einzelne Tracks und die Wiederbelebung des Reggae legen jedoch den Grundstein dafür, dass Vincent noch einige Luft nach oben hat und bis dahin wird dieses mittelmäßige, aber hitpotentielle Album Vincent einen komfortablen Weg ebnen.

Anspieltipps:

  • Farewell
  • In My Head
  • Hallelujah

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