Chapeau Claque - Fabelweiss - Cover
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Chapeau Claque Fabelweiss


  • Label: 1st Decade/SPV
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Einige Ideen und Skizzen erschließen sich durch ihre Offenkundigkeit bereits beim ersten Mal.

Ein Chapeau Claque ist ein Klappzylinder wie er gerne von findigen Zauberern in ihren Shows für etwaige magische Kunststücke verwendet wird. Sein Vorteil gegenüber anderen Hüten besteht darin, ihn bei Bedarf einfach zusammenzuklappen und platzsparend in irgendwelchen Ecken zu verstauen. Was hat das aber alles mit den lyrischen und musikalischen Ergüssen der Erfurter Sängerin und Songschreiberin Maria Antonia Schmidt zu tun, die unter eben diesem Pseudonym bislang ihr Debüt „Hand aufs Herz“ (02/2007) veröffentlicht hat? Auf den ersten Blick natürlich rein gar nichts. Diese Annahme ändert sich aber ziemlich schnell, sobald man einen Song aus der Feder der 22jährigen vernommen hat.

Angetrieben von Geschichten, die das Leben schreibt, umgewandelt in Metaphern und Erzählungen über Tiere und ähnliche wuselnde Geschöpfe, liefert die Deutsche einen äußerst eigenwilligen Beitrag zur Musikkultur ab. Gemeinsam mit Timo Klöckner (Gitarre, Akkordeon), Tim Schäfer (Bass), Peer Kleinschmidt (Tasteninstrumente) und Jörg Wähner (Schlagzeug) stampft, rockt, elektrisiert, betört und fasziniert das Kollektiv Chapeau Claque auch auf dem zweiten Werk „Fabelweiss“. Obwohl nach dem Opener „Unsere Liebe – ein Storch“ noch angenommen werden könnte, Fräulein Schmidt hätte zu leichter zugänglicherem Material gegriffen um eine größere Hörerschaft an sich zu binden, der wird im nachfolgenden „Rot“ gleich eines Besseren belehrt.

Zwar beginnt der Song sehr lautstark, rhythmusgetrieben und geradlinig, doch bereits nach einer knappen Minute schlägt das Stück in eine komplett andere Richtung aus und schwebt scheinbar in das von der Lyrik bestimmte, musikalische Nirvana. Plötzlich zerplatzt der Traum wie eine Seifenblase. Das Schlagzeug setzt völlig unerwartet seinen marschähnlichen Takt fort und der Songtitel erhält eine unablässige Repetition, die erst wieder vom konterkarierenden, stilleren Part besänftigt wird. Willkommen im Klangkosmos von Chapeau Claque! Diese radikalen Stilmittel, die nicht nur einmal dazu führen, dass der Hörer vor dem Lautsprecher zusammenzuckt oder aufgrund der Intensität und Wucht erdrückt wird, an der zu großen Teilen auch die hervorragende Abmischung ihr Gelingen beiträgt, machen zweifelsohne Lust die Musik und den Text von „Fabelweiss“ aufzuschlüsseln und in seinen Einzelteilen zu hinterfragen.

Darf sie das denn überhaupt? Wieso richtet sie diesen Song jetzt dermaßen zugrunde? Steckt da etwa mehr dahinter? Der Nachfolger zu „Hand aufs Herz“ ist definitiv kein Album, das sofort beim ersten Mal Anklang beim Hörer findet. Mühsam gestaltet sich der Weg, den man gehen muss um viele der Brotkrumen und Andeutungen zu verstehen die Maria Antonia in der Dreiviertelstunde ihres zweiten Werkes versteckt und anwendet. Einige Ideen und Skizzen erschließen sich durch ihre Offenkundigkeit bereits beim ersten Mal wie z.B. „Karussell“, das den ständigen Wechsel vom rechten in den linken Kanal einer Fahrt mit eben jener Jahrmarktsattraktion gleichsetzen will, andere bedürfen einer längeren Auseinandersetzung. „Elektro-Chanson-Pop-Romantik“ nennt Schmidt ihre eigenwilligen Songgebilde, die mit viel Liebe zum Detail geschmückt sind und in denen mit jedem weiteren Hördurchgang andere Facetten aufgeworfen werden. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: den doppelten Boden und eine anfängliche Undurchsichtigkeit, die die Musik von Chapeau Claque so einzigartig macht.

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