Hobotalk - Alone Again Or - Cover
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Hobotalk Alone Again Or


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 34 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwischen Woodstock und Omaha. Während Hobotalk auf Seite A von „Alone, Again Or“ vorzüglich als schlammbespritzte, von Blumenmädchen und langhaarigen, rauchenden Zottelfrisuren gefeierte Rock-Kapelle durchgehen würde, besinnt sich die schottische Band in der Liederansammlung der B-Seite auf ihre gewohnt intimen und sensiblen Folkpfade.

Mit dem in „The Electric Night“ (Seite A) und „The Acoustic Morn (Seite B) unterteilten, zwölf Nummern starken Nachfolger des grandiosen „Homesick For Nowhere“ überraschen Marc Pilley und Anhang mit einer musikalischen Facette, die man so noch nicht von ihnen gehört hat. Man könnte meinen, die Band habe für den ersten Abschnitt der Platte ihre Väter und Mütter vor den Instrumente geparkt, um etwas von ihrer widerstandsbewegten und wilden Jugend auf Tonspur zu verewigen. Vielleicht sind sie auch auf eine alte Box voller 60er und 70er Jahre Vinyl-Schönheiten gestossen und wollten hiermit diesen Zeiten Tribut zollen.

„Mother Creation Cries“ lässt nicht nur aufgrund seines mahnenden Titels auf rockige Hippieanleihen schliessen. Entspannt, unaufgeregt und mit akustischer Friedenstaube in der Melodie leitet der Opener in „The Electric Night“, um sich mit dem nachfolgenden „Love Is Hard To Do“, im eindringlichen Singer-Songwriter-Stile der jungen Dylans, Springsteens, Garfunkels und Simons Gehör zu verschaffen. Die Zeitmaschine ist gelandet. Mit Hammondorgel und kurzen, spitzfindigen E-Gitarren-Riffs („Rise“), einer kurzen wilden Jimi Hendrix Vermächtnisseinlage („Hobo Chang Ha“) und dem Höhepunkt der A-Seite, dem psychedelisch angehauchten „White Rabbits In The Snow“, fühlt man sich in die geschichtsträchtige Rock und Protest Ära des letzten Jahrtausends zurückversetzt.

Der Übergang zum zweiten Abschnitt des Albums wird mit dem anmutigen „All We Know“ eingeleitet. Auf der B-Seite findet man sich schliesslich im gewohnt souveränen Americana-Folk Terrain der vier Schotten wieder. Mit einem Frontmann, der auf dem wohl bisher bittersüß(b)esten Lied der Bandkarriere „Under The Spell Of Love“ mit sanfter Stimme einen wehmütigen Seemannsflair herbei singt und ein „Round And Round“ oder auch „Until The End“, mit dem Hobotalk bei einer imaginären Saddle-Creek Variante von Götz Alsmanns „Zimmer Frei“ ganz sicher ohne Gegenstimme die Einzugsermächtigung in Conors Domizil überreicht bekämen. Trotz aller Sinnlichkeit und melancholischer Tiefe. An seinen Vorgänger kommt diese Platte jedoch nicht heran.

Dennoch: Mit „The Electric Night“ beweisen die Mannen um Pilley, dass sie durchaus auch mal anders können. Ungeahnte Wendungen, widerspenstigere Arrangements und eine musikalische Zeitreise, die man so von ihnen nicht erwartet hätte und an die sich einige alt eingehörten Fans unter Umständen kurz gewöhnen müssen. Auf dem wesentlich Hobotalk’scheren „The Acoustic Morn“ wendet sich die Band dann aber doch noch diesen typischen und eindringlichen Momenten zu, die man kennt und so verehrt. A oder B? Man kann gespannt sein wohin diese Reise noch gehen wird.

Anspieltipps:

  • Love Is Hard To Do
  • All We Know
  • Under The Spell Of Love
  • Round And Round

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