The Streets - Everything Is Borrowed - Cover
Große Ansicht

The Streets Everything Is Borrowed


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„I came to this world with nothing / And I leave with nothing but love / Everything else is just borrowed“. Immerhin, die Liebe nimmt Mike Skinner mit. Der Rest des Lebens ist geliehen und wird brav hier gelassen. Ein bisschen Zeit dürfte er trotz seiner langjährigen Drogeneskapaden noch haben, um sein Vermächtnis zu erweitern, bevor er das Zeitliche segnet. Oder, um es mit den Worten Skinners zu sagen: „Going The Way Of The Dodo“. Der mittlerweile ausgestorbene Riesenvogel dient als Metapher im gleichnamigen Lied, in welchem der Brite emotionslos über die Vergänglichkeit der Menschheit sinniert. Dass dieser Vogel nicht nur ausnehmend hässlich, sondern auch flugunfähig war, sagt einiges aus über die Weltsicht des Mike Skinner aus. Aber „Everything Is Borrowed“ gerät deswegen keineswegs zum depressiven Abgesang, vielmehr wird fröhlich in Richtung Abgrund getorkelt.
So gibt’s in „Heaven For The Weather“ ein unterhaltsames Zwiegespräch mit dem Teufel während im Hintergrund das Keyboard euphorisch dudelt und die Chöre jubilieren. Gänzlich unironisch fällt seine lyrische Auseinandersetzung mit dem ökologischen Grundgedanken dieses Werkes aus, Skinner möchte diesmal tatsächlich nicht sich selbst, sondern direkt die ganze Welt retten. Einher mit dieser massiven Erweiterung seiner Themengebiete geht auch die Wiederentdeckung klassischer Instrumente: Klavier, Bläser, Hammondorgel und Mandoline gab’s auf den bisherigen Alben im Zweifel nur aus der Konserve, hier in wirklich. Selbst das Orchester wurde nicht am Computer programmiert, sondern aufwändig aus Prag importiert.
Diese Anpassungen blieben nicht folgenlos, Skinner’s Kompositionen klingen ungewohnt erdig und lassen gar ein solch wundervoll kammermusikalisches Rührstück wie „The Strongest Person I Know“ entstehen. Dafür, dass auch die Tanzflächen von „Everything Is Borrowed“ nicht unberührt bleiben, tragen gewohnt virtuos eingearbeitete Elemente aus Funk und Jazz („On The Flip Of A Coin“, „On The Edge Of A Cliff) Sorge, der Abschluss gelingt formidabel mit dem melancholisch schlurfenden „The Escapist“. Dass im mittleren Teil des Werkes durch etwas eintönig geratene Titel wie „Alleged Legends“ oder „Never Give In“ ein kleines kreatives Loch entsteht, schmälert die Freude über die wiederentdeckte Spielfreude des Briten nur geringfügig. „Everything Is Borrowed“ verdient sich die hohe Rotation im heimischen Abspielgerät allemal und wird erstmal nicht zurückgegeben – auch wenn sich das für Leihgaben ja eigentlich nicht gehört!

Anspieltipps:

  • Everything Is Borrowed
  • I Love You More
  • On The Edge Of A Cliff
  • The Strongest Person I Know

Neue Kritiken im Genre „HipHop/Rap“
Diskutiere über „The Streets“
comments powered by Disqus