Las Mananitas - Neo Pop Orient - Cover
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Las Mananitas Neo Pop Orient


  • Label: Noiseork Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn man nach seinem ersten Album-Lobeshymnen von allen Seiten bekommt, tut das nicht immer gut, denkt man da an ein paar (damals) Minderjährige aus den deutschen Landen. Aber manche haben wirklich Interessantes zu Tage gefördert und sollen ruhig mehr davon ans Licht bringen. Nicht viele Bands können wohl von sich behaupten eine „Surf-Beat-Country-Band“ zu sein, so wie es Las Mananitas konnten. Doch die Lorbeeren wurden auf Eis gelegt, das System umgekrempelt und so wollen Friedrich Pohl (Gesang, Gitarre), Toli Tympanon (Schlagzeug), Lutz Pistol (Akkordeon, Geige, Gitarren, Mandoline, Mundharmonika, Orgel, Waschbrett), Jens Karbe (Gitarren, Trompete, Waschbrett) und Michael Friedrich (Kontrabass) wieder überraschen. Da findet sich in gegebenen Klammern allerhand ungewöhnliches Material zum Musik erschaffen, aber so sehr fällt das gar nicht auf.

Vom ersten Song an lässt sich erkennen, dass die Countrywurzeln nachlassen und dafür alle möglichen Einflüsse Eintritt ins „Freaktheater“ erhalten. „Disco 3000“ könnte tatsächlich ein Disco-Song sein. Ein durchgehender Beat, eine durchgehende Melodie und auch der Gesang bleibt auf einer Linie. Es gibt ein, zwei Stellen, an denen man sich erhofft, dass die große Auflösung kommt, doch es passiert leider nicht. Der Track bleibt letzten Endes zu sehr an der eigenen Wurzel und wirkt damit nicht nur eingängig, sondern auch eintönig. Verschenktes Potential, dass aus diesem guten Song noch mehr hätte machen können. Da ist „Rolling Stone“ schon cleverer angelegt. Dieses Lied probiert gar nicht erst sich selbst groß anzureichern, sondern lebt vom Refrain, welcher textarm ist, aber automatisch eine Rhythmuspille ins Blut des Hörers wirft. Wer an diesem Song keinen Spaß hat, selbst wenn er mit dem gleichen Problem wie der Großteil der Las-Mananaitas-Tracks behaftet ist, der hat melodisch veranlagte Probleme.

Die Lieder haben alle gute Ansätze, auch wenn der Text nicht jedem zusagt, aber sie sind alle „sehr eingängig“ und vor allem sind viele Elemente vorausschaubar. Wenn Freaktheater fertig ist, sich über die gesamte Länge gleich anzuhören, setzen Mariachi-Trompeten ein und keinen wundert es auch nur ein bisschen. Das gleiche Rezept gilt für Jazzbar, nur dass es da dann, na klar, Jazz-Sessions gibt. Dazwischen liegt der „Neo Pop Orient“, der seinem Namen in epischer Größe gerecht wird und über sieben Minuten andauert. Dieses Lied wirkt nur auf Leute, die das Album wirklich wirken lassen wollen, oder diesen Song zur Entspannung im Hintergrund laufen lassen. Ein wenig erinnert es mich vom Aufbau an Wilcos „Kidsmoke (Spiders)“, aber da gab es zwischen drin einen klasse Instrumentalteil, während der vorgelegte Song eher plätschert. „SSP“ ist der erste stilistische Tiefpunkt des Albums, denn man bekommt das Gefühl eine Abart von „Rolling Stone“ zu hören.

Dann kommt ein rhythmisch sehr angenehmer Song mit „Haifischhamster“, nur dass der Text ein wenig flach und doch Wortakrobatisch wirken möchte. Schade, denn instrumental bietet dieser Song wieder mehr. „Kriminell“ hört sich vom ersten Ton an, als wäre der Pink Panther wieder unterwegs und der Band getreu bleibt das bis zum Ende des Songs so. „Moleskine macht dann wirklich Spaß, denn es ist schön kurz und da stört das immer gleiche Muster kein Bisschen. Kriminell wird dann nahtlos von „Taxi Nach Calais“ fortgesetzt, auch wenn hier die verschiedenen Volkslied-Elemente, wie Refrain mit Mitgrölgarantie, für mehr Stimmung sorgen, allerdings kratzt die Qualität weiter verzweifelt an einer guten Bewertung. Mehr will nicht gehen, bei Liedern, die nach 30 Sekunden sitzen und keine Überraschung mehr bieten. Die Reprise hätte man sich sparen können, denn jetzt kann man das hübsche Trompetensolo aus dem Freaktheater auch ohne den nicht unbedingt überragenden Rest anhören. Das ist nicht gerade Werbung in eigener Sache. „Geschenk“ soll noch mal eine ähnliche Atmosphäre wie „Rolling Stone“ schaffen und kommt auch nah dran, nur schaffen sie es nicht noch mal so ein Mitrock-Gefühl zu schaffen. Allerdings bietet dieses Lied doch tatsächlich einen kleinen Bruch, der wie schon „Disco 3000“ auf die Offenbarung hoffen lässt, um den Hörer dann wieder zu enttäuschen.

Das ist wirklich mehr als schade. Wieder keimt die Hoffnung auf, man hofft und bittet und bettelt, aber in gewissen Belangen bleiben sich Las Mananitas treu. Der ruhige Ausklang „Schiff“ ist atmosphärisch wieder dichter, aber wer bei einem Rausschmeißerlied tatsächlich auf die Öffnung wartet, der wird nur wieder enttäuscht. Nehmen wie es ist, manche werden sicher ihren Spaß an dem sehr eigenen Stil der Band haben, aber es fehlt noch die letzte Konsequenz bei der Konstruktion der Stücke. Von manchen Seiten werden sie bestimmt wieder gefeiert, denn wir brauchen ja Bands, die die Flagge hochhalten. Ein Spektakel des Monats ist es aber bestimmt nicht.

Anspieltipps:

  • Disco 3000
  • Taxi Nach Calais
  • Schiff
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