Kerli - Love Is Dead - Cover
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Kerli Love Is Dead


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Vor acht Jahren sang P!nk in ihrem Song „Don’t let me get me“ darüber, was es bedeutet, Popstar zu sein bzw. zu werden: „L.A. (gemeint ist der Star-Produzent Antonio „L.A.” Reid) told me, you’ll be a pop star, all you have to change is everything you are.” Selten wurde treffender ausgedrückt, was wir alle tagtäglich auf MTVIVA zu sehen und auf CD und im Radio zu hören bekommen. Du willst Erfolg? Dann verkaufe deine Seele an die Industrie!

Liest man die Geschichte der 21-jährigen Sängerin Kerli Kõiv und hört dazu ihr Major-Debütalbum „Love Is Dead“, denkt man unweigerlich an obige Textzeile von P!nk. Die im estnischen Elva geboren Kerli nahm bereits im zarten Alter von 14 Jahren am estnischen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest teil, den sie auch gewann. Darauf fasste sie den Entschluss, sich von nun an voll und ganz auf ihre Gesangskarriere zu konzentrieren. Und so kam es, wie es kommen musste: Antonio „L.A.“ Reid, aktueller Chef von Island Def Jam Records und früherer Geschäftsführer von Arista Records (P!nk, Alicia Keys, Aretha Franklin) nahm Kerli unter Vertrag, nachdem sie bei ihm vorgesungen hatte. Er schickte die junge Sängerin zusammen mit dem Produzenten und Songschreiber David Maurice (u.a. Twista, Jamie Scott, Evermore) in Los Angeles und New York City ins Studio, wo „Love Is Dead“ entstand. Zudem wurde der Track „The creationist“ von Guy Chambers (Robbie Williams, James Blunt, Melanie C.) und zwei Songs von Lester Mendez (Shakira, Nelly Furtado, Jason Mraz) produziert. Dabei herausgekommen ist eine ganz schön krude Mischung aus Light-Rock, Pop, HipHop, Electro und einer (auch optisch vorhandenen) Prise Evanescence-Gothic.

Schon im Opener „Love is dead“ wird dem Hörer ein stampfender Beat in Kombination mit theatralischem Sirenengesang und bräsigen Text-Frasen á la „Love don’t live here anymore” um die Ohren gehauen. Damit versucht Kerli ihrem einzigen musikalischen Vorbild Björk nachzueifern, schafft dies aber zu keiner Zeit mit Überzeugung. Dabei sind die Rahmenbedingungen gar nicht schlecht! Die Atmosphäre ist notorisch düster und die Texte drehen sich um Liebe, Tod und Wiedergeburt. Mit fröhlicher Popmusik hat das die meiste Zeit rein gar nichts zu tun, auch wenn ein Stück wie „Walking on air“ auf Anhieb ins Ohr geht und der Guy-Chambers-Song „The creationist“ ebenfalls nichts für Schwerenöter ist. Auch die Idee, Reggae-Klänge einzustreuen („Up up up“), ist keine schlechte, wären da nicht der latent vorhandene, irgendwie aufgesetzt wirkende Gothic-Touch („Bulletproof“, „Butterfly cry“) und der nach Fergie/Nelly Furtado/Gwen Stefanie-Resteverwertung klingende HipHop-Anteil („Beautiful day“, „Creepshow“).

Dennoch: Der wilde Stilmix auf „Love Is Dead“, der am Ende doch immer wieder in den sicheren Mainstream-Hafen einläuft, ist eine ebenso verwirrende wie interessante Angelegenheit, wodurch sich dieses Album von der breiten Masse abhebt. Dass es am Ende nicht zu einer besseren Wertung reicht, ist dem nicht durchgängig überzeugenden Songwriting geschuldet, was allerdings nicht Kerli angelastet werden kann. Dieser Fauxpas geht zulasten der fünf verschiedenen Songschreiber und Produzenten.

Anspieltipps:

  • Butterfly cry
  • Strange boy
  • I want nothing
  • Walking on air

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