Bloc Party - Intimacy - Cover
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Bloc Party Intimacy


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Schicht für Schicht und Sample für Sample operieren Bloc Party an aufgebrochenen Songstrukturen, die ständig verschoben oder verworfen werden.

Gott sei Dank! Der unsägliche Vorbote „Flux“ für den dritten Longplayer von Bloc Party, der im November letzten Jahres seine Veröffentlichung fand, hatte soundtechnisch glücklicherweise keine gröberen Auswirkungen auf den Nachfolger zu „Silent alarm“ (02/2005) und „A weekend in the city“ (02/2007). Zwar geht es auf „Intimacy“ noch elektronischer zu als auf den Vorgängern, aber mit wummerndem Bollertechno und Rave-Ästhetik hat die Platte nichts gemeinsam. Viel mehr setzen Kele Okereke (Gesang, Gitarre), Russell Lissack (Gitarre), Gordon Moakes (Bass) und Matt Tong (Schlagzeug) auf zappelige Klangkörper, die versuchen die lauten Drohgebärden des Debüts mit dem Breitwandsound von Album Nummer 2 zu verknüpfen.

Schicht für Schicht und Sample für Sample operieren Bloc Party an aufgebrochenen Songstrukturen, die ständig verschoben oder verworfen werden um einen größtmöglichen Aha-Effekt zu erzeugen oder schlicht und ergreifend Abwechslung in das Geschehen zu bringen. Dass dabei viel schiefen gehen kann und mitunter zu konstanter Reizüberflutung führt, haben die vier Engländer anscheinend vergessen. Klar, es muss nicht immer alles so abgeklärt und formelhaft wirken wie es auf „A weekend in the city“ der Fall war, aber wo dort Keles Experimentierfreudigkeit auf klassische Melodiegestaltung traf (z.B. „Where is home?“), ist „Intimacy“ ein unentschlossener Bastard, der von einer Sekunde auf die andere die Axt in den Schädel des Hörers rammt und sie erst herauszieht wenn sich dieser mit der Idee hinter dem Song abgefunden hat. Passiert das nicht, bleibt als letzter Ausweg nur der Griff zur Skip-Taste, den anfangs sicher viele wählen werden.

Kele & Co. sind eben Spitzbuben, die sich nicht an einer Stilrichtung festklammern wollen und ihren Genremix mit einem Enthusiasmus darbringen, dass sie oft vergessen, dass die teilweise irren Geflechte noch jemand anderes außer sie selbst hören soll. Bestes Beispiel sind gleich die beiden Eröffnungsstücke „Ares“ und „Mercury“, bei denen Bloc Party-Vorstand Okereke seine Maxime „nur dreckige Sounds sind authentisch“ verstärkt durchsetzen darf. Wo ersterer mit den Big Beats der Chemical Brothers auf Tuchfühlung geht und der bereits als Singleauskoppelung bekannte knarzende Merkur mehr durch seine Penetranz hängen bleibt, denn durch herkömmliche Mittel, ist eine ungefähre Vorstellung von dem musikalischen Wahnsinn der Londoner erreicht. Dabei waren das auch schon die größten Brocken, an denen man sich auf „Intimacy“ am ehesten die Zähne ausbeißen wird.

„Halo“, „Trojan horse“ und „One month off” stützen sich verstärkt auf die aufjaulenden und lautstark agierenden Gitarren eines „Silent alarm“ („Helicopter“, „She´s hearing voices“, „Price of gasoline”), während „Biko“ und „Signs“ die stilleren Vorzüge eines „A weekend in the city“ beherzigen, wobei letztgenannter Track selbst nach längerer Auseinandersetzung farblos und langweilig bleibt. Ähnlich verhält es sich mit „Zephyrus“, das trotz Chor und hart einsetzenden Bässen nicht auf den Punkt kommt, während „Better than heaven“ mit aufflackernden Synthiespuren, sowie unbarmherziger Schlusseruption zu den besten Tracks auf „Intimacy“ gehört. Diese Formel wird auch vom Albumender „Ion square“ unter den Nagel gerissen, der jedoch keine plötzliche Klimax evoziert, sondern behutsam im Crescendo seine Fühler ausstreckt und somit einen eindringlichen Schlusspunkt setzt.

Als Produzenten hat sich der Vierer Jacknife Lee (U2, Snow Patrol, Kasabian) und Paul Epworth (Maximo Park, Babyshambles, Kate Nash) geschnappt, mit denen sie auf „Silent alarm“ (Epworth) und „A weekend in the city“ (Lee) gearbeitet hatten, wodurch der Eindruck bestätigt wird mit „Intimacy“ einem Hybrid aus den beiden Vorgängern zu lauschen. Damit ist den Briten sicherlich nicht nur gelungen, die alten Fans zu halten, sondern durch eine Generalüberholung des alten Klangs und der Einbindung neuer Sounds auch bisher Abgeneigten die Vorzüge einer Bloc Party-Komposition näher zu bringen, selbst wenn auf dem neuesten Output nicht mehr alle Tracks die Qualität der beiden vorangegangenen Werke erreichen.

Anspieltipps:

  • Halo
  • Biko
  • Ion Square
  • Better Than Heaven

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