The Nightwatchman - The Fabled City - Cover
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The Nightwatchman The Fabled City


  • Label: Epic/SonyBMG
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es läuft nicht immer alles so, wie wir uns es wünschen. Karrieretechnisch hat Tom Morello bestimmt nicht viel zu klagen. Er kann auf eine erfolgreiche Vergangenheit mit den Bands „Rage Against The Machine“ und „Audioslave“ zurückblicken, bei welchen er der ganzen Welt sein Können an der Gitarre zur Schau stellen konnte und auch wenn sein erstes Soloalbum „One Man Revolution“ kommerziell noch nicht so zündete, was wohl Grund dafür ist, dass er jetzt „Tom Moreollo: The Nightwatchman“ ist und nicht mehr einfach nur Letzterer. Die wahren Probleme hat man aber im privaten Leben. Freunde kommen und sie gehen und Morello hatte in letzter Zeit eher das Gefühl, dass ihm mehr genommen als gegeben wurde. Sich auf dieses Thema konzentrierend ist das neue Album „The Fabled City“ weniger eine Politplatte wie „One Man Revolution“ geworden, sondern eher eine Ansammlung von elf Geschichten, die von Morello erzählt werden. Ein kluger Schachzug, da seine tiefe Stimme nun mehr ins Bild zu passen scheint, da es schon mehr Sprechmelodik ist, die der Nightwatchman betreibt, als Gesang.

Schon im Opener „The Fabled City“ passt seine Bassstimme sehr schön in die Gesamtstimmung des Liedes. Der vorantreibende Folkrock lässt streckenweise einen modernen Johnny Cash erahnen, aber soweit ist es dann natürlich doch noch nicht. Die oft geradlinigen Melodien, das deutet sich schon im ersten Lied an, sind gut angelegt und treffen schnell und einprägsam auf den Gehörgang. Hier und da Unterstützung von Klavier und den regelmäßigen Drums wird eine Lagerfeueratmosphäre fürs kleine Konzertformat geschaffen. Ist der erste Track schon sehr gefällig, kommt mit „Whatever It Takes“ der rockigste Song des Albums zu Gehör. Dieser hat eine Ohrwurmmelodie, die es einigen schwer machen wird, sich das Lied nicht noch ein paar Mal anzuhören. Viele Hörer waren auf dem letzten Album irritiert, wie ruhig, wenn auch emotionsgeladen die Musik von Tom Morello als Nightwatchman sei und auch wenn „Whatever It Takes“ einem natürlich nicht die Ohren rauspustet, beweist der Herr, dass er weiterhin auch ein Gesprü für mitreißende, tanzbare Melodien hat.

Ansonsten darf sich auch zu Liedern wie „The King Of Hell“ und natürlich dem starken „The Lights Are On In Spidertown“ mit „Hey-Hey“-Mitgröhlteil bewegt werden. Hier wird die Liebe dieses Musikers zum Folkrock offenbar und es macht auch denjenigen Spaß zuzuhören, die sich bisher nicht so mit seiner neuen Musik anfreunden konnten. Es sei denn man schließt Folkrock kategrisch für sich aus. Wer das tut ist selbst schuld, denn was hier an schmeichelnden, rhythmisch tollen Riffs und Soli geboten wird, macht schlichtweg Spaß. Das Morello weiß, was er an der Gitarre macht, dürfte den meisten ja bekannt sein. Aber natürlich kommt auch der verarbeitende, nachdenkliche Teil nicht zu kurz. „Night Falls“ ist eine Ballade, deren Anfang auch von Coldplay (wenn diese sich auf akustik beschränken würden, wie teils auf „Parachutes“) hätte stammen können. Natürlich gewinnt der Track eine andere Dichte durch Morellos Gesang, ansonsten hat man es hier aber mit einem reinen Gitarrenpopsong zu tun.

Richtige Lagerfeuermusik der ruhigen Art gibt es dann mit „Midnight In The City Of Destruction“. Minimalistisch und wirklich beinahe nur noch gesprochen und mit kratzigem „La-La-La“ im Refrain hört man sich hier eine fünfminütige Geschichte an, die auch wieder eindeutig politische Züge annimmt, sich aber auch mit dem eigenen Schicksal auseinandersetzt. Ein weiteres ruhiges Lied, dass sich irgendwo zwischen den letzten beiden Songs trifft ist die Kollaboration mit Serj Tankian von System Of A Down. Dass dieser auch ganz ruhig kann hat er spätestens mit seinem Outro „Elect The Dead“ auf seinem gleichnamigen Album bewiesen. „Lazarus On Down“ bekommt durch Serjs hohen Hintergrundgesang eine ganz eigene Note und das Morello mit seiner Melodie einem sowieso keine Chance mehr lässt, war zu erwarten.

Der richtige Folk kommt auf diesem Album natürlich auch nicht zu kurz, wird in „Gone Like Rain“ bedächtig angeschnitten und in „The Iron Wheel“ darf er sich dann richtig austoben. Spätestens bei der Country-Hymne „Saint Isabelle“ wird es den Hardrock-Fans Morellos wieder schwer fallen genussvoll zuzuhören. Alle die sich aber gerne diesen Folk anhören, für die ist dieser Sing-Along nur die logische Konsequenz und der Höhepunkt des Folkelements auf diesem Album. Die Bassballade „Rise To Power“ ist ein etwas lang geratener, dafür recht tiefer (nicht nur stimmlich) Ausklang, der klar macht, dass man es hier immer noch mit einem grandiosen Songbastler zu tun hat, der zwar wieder kein Meisterwerk geschaffen hat, sich aber vom Debüt abheben konnte und an Qualität weiter gewinnt. Man freut sich jetzt schon auf seine nächste Arbeit. Bis dahin wird dieser Silberling einem noch viele Abende versüßen.

Anspieltipps:

  • Whatever It Takes
  • The Lights Are On In Spidertown
  • Lazarus On Down

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