Caracho - Lass Uns Bambi Spielen - Cover
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Caracho Lass Uns Bambi Spielen


  • Label: One Eyed Charlie
  • Laufzeit: 43 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Caracho“ sind stilvoll, anmutig und elegant. Sie betrinken sich ausschließlich mit Cognac-Pralinen und haben eine Vorliebe für Zoologie“ weiß vorliegender Pressezettel zum Debüt des Hamburger Dreiergespanns zu berichten. Abgesehen davon, dass das ein oder zwei Dinge sind, die man jetzt gar nicht so genau wissen wollte, dienen diese Informationen aber hervorragend dazu um die durchgeknallten Herrschaften hinter dem Erstling mit dem gehirnverbrannten Titel „Lass uns Bambi spielen“ näher zu bringen. Somit ist nämlich schon von vorhinein klar: Sven Lauer (Gesang), Ivo Vossen (Gitarre, Bass) und Omo Bewarder (DJ) haben nicht alle Tassen im Schrank und wer die musikalischen Ergüsse der Herrschaften auch nur annähernd ernst nimmt, dem ist nicht zu helfen!

In diesem Sinne starten Caracho ihre debiles Manifest mit „Schwarze Katze“, einem Song, bei dem der Text lediglich eine minimalistisch gehaltene Einstimmung auf die folgenden lyrischen Ergüsse der Band darstellt, untermalt von wild pluckernden Elektro Rock-Samples. Anschließend folgt schon der Höhepunkt namens „In Hamburg sagt man jaja“, wo sich das musikalische Gerüst aus sarkastischem Wortwitz, groovendem Bass, Breakbeats und einer unwiderstehlichen Hookline zusammensetzt. Hiermit treffen die Hamburger nicht nur musikalisch ins Schwarze, sondern erlangen auch auf humoristischer Ebene die volle Punktzahl. Das nachfolgende „Bambi“ kann dem jedoch nichts entgegenhalten und wirft sogleich einen Negativpunkt auf, den andere Spaßcombos besser gelöst haben. Die drei Hamburger schreiben nämlich anscheinend keine Songs um die Menschen lachen zu sehen, sondern um selber darüber schmunzeln zu können. Eine andere Erklärung für die meist sinnleeren Phrasen und nur bedingt witzigen, aneinandergereihten Worthülsen dürfte es schätzungsweise nicht geben.

Erst „Agathe Bauer“ durchbricht die Aneinanderreihung von völlig stupidem Nonsens, der stets von einem The Prodigy (Electronic Rock und Breakbeats) meets Die Neue Deutsche Welle (Synthies und diverse Samples)-Soundgewand untermalt wird, und sorgt mit jedem neuen Durchgang aufgrund der fabelhaften Idee, der Dance-Nummer „I got the power“ von Snap eine indirekte Hommage zu widmen, für unablässiges Grinsen. Das war´s aber auch schon wieder mit dem Aufbautraining für die Lachmuskeln. „Ach, ich weiß auch nicht“ behandelt recht handzahm männliche Entscheidungsschwierigkeiten, „Schwing dein Ding“ ist keinesfalls schweinisch, sondern handelt vom Golfen (Nein, es geht nicht primär oder in anzüglicher Zweideutigkeit ums Einlochen), „Sex, drugs and football“ fühlt sich maximal auf dem Oktoberfest wohl und sowohl „Sucker“ als auch „Blues im Blut“ stellen wieder den Text als Mittel zum Zweck dar, während im Hintergrund ein elektronisches Punkrock-Massaker durch die Boxen gepeitscht wird.

Dummerweise gelingt Caracho damit nicht den Hörer bei der Stange zu halten und langweilt mit vielen Tracks schon nach dem ersten Durchgang, entweder durch nervige Textfetzen oder den exzessiven Gebrauch von wummernden Bässen. Zwar funktioniert diese Gratwanderung zwischen grenzgenial bzw. -debil und himmelschreiend saublöd ansatzweise, doch der Schwerpunkt verlagert sich mit voranschreitender Laufzeit dann doch mehr auf letzteres. „Lass uns Bambi spielen“ ist in seinen Texten einfach nicht bissig genug und versprüht nicht den Charme und die Durchtriebenheit anderer Spaßcombos, was das Debüt der drei Hamburger zu einer abgedrehten Platte mit semiprofessionellem Charakter macht. Ob sich allerdings so eine „beschleunigt rückwärts laufende Vogelstimmen-Kassette“ anhört, wie die Jungs selber meinen, muss dann doch jeder für sich selbst entscheiden.

Anspieltipps:

  • Agathe Bauer
  • In Hamburg sagt man Jaja
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7/10

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