Torsten Goods - 1980 - Cover
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Torsten Goods 1980


  • Label: ACT Music
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Zeit für Eselsbrücken! Es gibt sie als Sprüche, mit Hilfe derselben Anfangsbuchstaben, visuell und natürlich auch gewisse Gegenstände, mit denen man dann Sachverhalte assoziiert. Jetzt stellt Torsten Goods die Anfänger auf die Probe, denn wer hat nicht ein Saxophon vorm geistigen Auge, wenn er an Jazz denkt, anstatt der gegebenen Gitarre, welche der gebürtige Düsseldorfer über 50 Minuten nicht loslässt, um seiner Liebe zum Jazz und zu seiner Gitarre vollen Ausdruck zu verleihen.

Dass es Torsten ernst mit dem Jazz ist, lässt sich aus seiner Lebensgeschichte problemlos herauslesen. Hätte er sich nur einzelner Elemente bedient und wäre dem Pop-Business treu ergeben wäre er wohl kaum bis ins Halbfinale (die besten Zehn) der „Thelonious Monk Jazz Guitar Competition“. Wenn er also bei Jazz-Kennern weit vorne liegt, muss an dem Jungen ja etwas dran sein. Ähnlich wie Michael Bublé (der hier unvermeidlich genannt werden muss) erweckt der Deutsche mit teils irischen Wurzeln eine tot geglaubte Musikrichtung wieder zum Leben und in die Wohnzimmer moderner Haushalte. Zwar kann Goods nicht eine so markante Stimme wie Bublé vorweisen, doch mit Intensität, Herzblut und den Fähigkeiten an der Gitarre versucht er diesen Nachteil wettzumachen.

Auch der junge Düsseldorfer zollt mit seinem Album mehreren Musikern Tribut oder arbeitet mit ihnen zusammen. Ein Geheimnis wird daraus auch nicht gemacht, denn wem der Titel „Crazy Little Thing Called Love“ nichts sagt, der hat die letzten drei Dekaden auf dieser Erde verpasst. Man gibt sich wirklich alle Mühe etwas Jazziges zu zaubern und es gelingt auch, nur verliert es an vielen Stellen seinen ursprünglichen Geist und die neue Version lässt die Leichtlebigkeit des Originals vermissen. Torsten macht gerade im Refrain einen guten Job und er demonstriert schon gleich im ersten Stück sein Können an der Gitarre, aber es fehlt der Geist, die Seele am Ganzen. Danach bekommt man die erste Eigenkomposition auf dieser Platte zu hören. „Don’t let It Get To You“ bringt jetzt endlich die erwarteten Bläser ein und kommt einem doch verdächtig bekannt vor. Das liegt aber vielleicht am Piano und den Bläsern, die den Job ein wenig glatt erledigen. Man bekommt doch das mulmige Gefühl, dass diese ein wenig uninspiriert wirken und in den Schatten der Gitarre treten sollen. Verschenktes Potenzial.

Klappern wir erst einmal die restlichen Coverversionen ab. Da wäre zu aller erst „99“, welches den Pop-Charakter nicht ablegen kann, während Billy Joels „It’s Still Rock N’ Roll To Me“ diesen plötzlich bekommt. Auch „Love Dance“ kann den kann sich seiner Wurzeln nicht entziehen und damit wirkt der Jazz aufgesetzt. Man fragt sich, was diese Erinnerungen an alte Meister denn sollen. Schön und gut und löblich ist das ja, aber Goods Songs stehen denen in Nichts nach und versichern eine gewisse Originalität. Sei es das gefühlvolle „So Are You“ oder das kraftvolle „Shout It Out“ und auch das ein wenig kitschig geratene „(I Need You) So Badly“ ist immer noch solide. Schade, dass es nicht mehr Material mit Gesang aus Goods Feder zu hören gibt. Die vier restlichen Tracks sind nämlich allesamt instrumental. Von der Anordnung her gewiss ein wenig einseitig gelegt, doch die Songs wissen alle zu gefallen. Fällt der Titeltrack auch ein wenig zu lang aus, sind schöne Motive zu hören. „Winters Night“ ist noch eine Co-Produktion mit Fred Newman, bevor mit „I Can Hardly See You“ eine reine Newman-Nummer gespielt wird. Beides ganz dichte Stücke, die man wirken lassen aknn, einfach mal die Augen schließt. Zu guter Letzt wäre da noch „Too Much Guitar“ welches einen unglaublichen Charme ausstrahlt, der ganz klar vom Musiker ausgeht.

Gewiss wird dieses Album nicht einmal halb so viel Wirbel machen, wie die Aufnahmen des – hier im Vergleich gesehen – beinahe großspurigen Michael Bublé, aber das soll den Künstler nicht stören. Es ist schön zu wissen, dass auch noch deutsche Rhythmus im Blut haben. Vielleicht sollte sich Goods auf der nächsten Scheibe noch mehr auf eigene Kompositionen stützen, das würde noch eine Schippe an Spaß und Qualität bringen.

Anspieltipps:

  • It’s Still Rock N’ Roll To Me
  • Too Much Guitar
  • Shout Out Loud

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