Misery Index - Traitors - Cover
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Misery Index Traitors


  • Label: Relapse Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit zwei äußerst schwergewichtigen Langeisen haben uns die vier Amis von Misery Index schon beglückt, doch die dritte Deathgrind-Platte der ehemaligen Dying Fetus-Mitglieder Jason Netherton (Gesang, Bass) und Sparky Voyles (Gitarre) legt noch eine Schippe drauf und präsentiert ein perfektes Machwerk technisch brutalen Todesbleis. Wie es sich für eine Scheibe in diesem Genre-Umfeld gehört, gibt es gerade einmal einen kurzen Epilog (hier etwa 30 Sekunden), bevor die Hölle losbricht und Doublebass-Passagen, sowie Blastbeats, präzise-brillantes Riffing und fieses Gegrowle die Oberhand gewinnen. Die Tracks dauern im Schnitt drei Minuten und nach dem ersten Hördurchgang muss man sich erst einmal wieder vom Schleudertrauma erholen oder ausgekugelte Körperteile zurechtrücken.

Gemeinsam mit Mark Kloeppel an der Gitarre und einem wütenden Adam Jarvis am Schlagzeug, der zum Glück mehr als einmal von der Leine gelassen wird und die Zerstörungskraft seines Drumkits demonstrieren darf, metzeln sich Misery Index durch 36 ½ Minuten aufgestauter Aggression, hervorgerufen durch Missstände in der amerikanischen Gesellschaft, der Kirche und den Staat (wie schön auf dem Cover ersichtlich), die in „Traitors“ mehr als einmal ihr Fett abbekommen und so als Ventil für die knüppelnden Monster dienen, die das Vierergespann punktgenau und ohne sich zu wiederholen auf den Hörer niederfahren lässt.

Jeder Break sitzt, die Performance jedes einzelnen Members greift wie ein Zahnrad ins nächste und die drückende Produktion bricht aus den Boxen, dass sämtliche Anzeigen wegen Ruhestörung vorerst einmal ruhig ignoriert werden können, solange „Traitors“ im Abspielgerät rotiert. Da gibt es nämlich entweder einen ordentlich in die Fresse („Ruling class cancelled“, „Occupation“, „Theocracy“, „Traitors“, „American idolatry“), es groovt ordentlich („Partisans of grief“, „The arbiter“) oder es werden stimmungsvolle und epische Seiten aufgezogen („Thrown into the sun“, „Black sites“). Lediglich der harte Übergang vom peitschenden „American idolatry“ zum tempomäßig gedrosselten „Thrown into the sun“, das allerdings eine geniale Vorhut zum Abschlussknüppel „Black sites“ bildet, hätte mit etwas mehr Feinschliff vermieden werden können und hätte „Traitors“ noch runder und in sich geschlossener wirken lassen.

Aber darauf geschissen! Nach „Retaliate“ (2003) und „Discordia“ (2006) liefern Misery Index eine Breitseite, die den bisherigen Output der Truppe in den Schatten stellt und legen damit eine Messlatte, an der anderes Gemüse in ihrem musikalischen Umfeld erst einmal hochklettern muss.

Anspieltipps:

  • Black Sites
  • The Arbiter
  • Partisans Of Grief
  • Ghosts Of Catalonia
  • Ruling Class Cancelled

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