The Vines - Melodia - Cover
Große Ansicht

The Vines Melodia


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 33 Minuten
Artikel teilen:
3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit ihrem Debüt „Highly Envolved“ mutierten The Vines im Jahre 2002 quasi über Nacht zu den vermeintlichen Musik-Errettern unseres noch jungen Jahrtausends. Ob bei David Lettermann, der spektakulärer Auftritt bei den MTV Awards oder ausverkaufte Tourneen. Die Australier um Frontmann Craig Nicholls waren in der obersten Rockliga angekommen. Doch so schnell der Ruhm kam, so rasant ging es in der Folgezeit im wahrsten Sinn auch wieder Down Under. Mit ihrem vierten Studiowerk „Melodia“ soll jetzt alles anders und der erneute Angriff auf den rockenden Olymp gestartet werden.

Leider vergebens. Denn diese Platte leitet wohl den endgültige Niedergang einer Band ein, die anscheinend auch nicht mehr in der Lage ist zulegen zu können. Zwar hat Sänger Nicholls seine Krankheit (bei ihm wurde 2004 eine Art des Autismus diagnostiziert) mittlerweile einigermassen im Griff und die Band steht nach langer Live-Abstinenz auch wieder auf der Bühne. Aber die Kräfte- und Nervenzehrende Berg und Talfahrt im Laufe ihrer Karriere scheint den Aussis immer noch sehr nahe zu gehen. Wie sonst kann man die beinahe unterirdischen Darbietungen auf „Melodia“ sonst noch erklären?

Mit „Get Out“ (erinnert nicht nur wegen des Titels verdächtig an „Get Free“) ermöglichen sie zwar dem sympathischen, aber mittlerweile auch in die Tage gekommenen Garage-Rock ein kurzes Revival. Dennoch schwant einem bereits hier nichts wirklich Gutes. Das klingt schon sehr altbacken und die Befürchtung bestätigt sich mit jeder weiteren Sekunde dieser unmelodischen und dazu noch äußerst schlampig wirkenden Produktion. Es folgen langweilende Balladen ohne Herzblut. Wie das fade vor sich hin plätschernde „A.S III“, das nie zu enden scheinende, auf sechs Minuten gedehnte und einfach quälende „True As The Night“ oder das aufgrund seiner Seichtheit beinahe schon aggressive Stimmung beim Hören herbeischnulzende „A Girl I Knew“.

Lediglich das solide und annehmbare „Hey“ kann hier zumindest ansatzweise überzeugen. Aber wenn The Vines auf „He’s A Rocker“ ihr eigenes auf der Stelle treten ohrensichtlich zelebrieren und scheinbar ohne jegliche Ambitionen einfach nur lustlos drei Akkorde aus ihren Instrumenten leiern, kann man ahnen warum ein „Braindead“ so heisst wie es heisst. „Merryground“ scheitert am Versuch aus zwei total unpassenden laut-leise Passagen einen abwechslungsreichen Song zu basteln und „Scream“ ist schlicht für die Tonne und legt die Vermutung nahe, dass es sich hierbei nur um eine Fehlpressung allererster unbearbeiteter Demos handeln kann.

Bereits ihre letzten beiden Alben deuteten eine Stagnation an. Sechs Jahre nach ihrem Erstling, der weltweit über 1,5 Millionen mal über die Ladentische wanderte, folgt dem immerhin noch verzeihbaren Stillstand ein Sturzflug in unkreative Tiefen. „Melodia“ ist alles andere melodisch. Grottige Texte, eine miserable Produktion und musikalische Ideenlosigkeit wo man auch hinhört. Man wird Ohrenzeuge des Abgesangs einer Band, die man mit einer solchen Leistung aber auch nicht sehr vermissen wird.

Anspieltipps:

  • Get Out
  • Hey

Neue Kritiken im Genre „Rock“
9.5/10

Our Love To Admire (10th Anniversary Edition)
  • 2017    
6.5/10

Mental Jewelry (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „The Vines“
comments powered by Disqus