T.I. - Paper Trail - Cover
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T.I. Paper Trail


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 73 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

T.I.’s „Trap Muzik“ hat sich ganzheitlich etabliert.

Der amerikanische Süden ist aktuell nicht zu bremsen, wenn es um HipHop geht. Schön, dass es dabei hin und wieder auch um Entwicklung geht. Eine positive Entwicklung durchlebte dort T.I. zumindest musikalisch und geschäftlich. So präsentiert er nicht nur mit „Paper Trail“ sein mittlerweile fünftes Platin-Album. Der einstige Drogendealer hat sich mit der Schauspielerei, einer Immobilienfirma und einem Autohaus auch lukrative Nebengeschäfte aufgebaut. Nur mit dem Gesetz nimmt es der 28-Jährige aus Atlanta immer noch nicht so genau. So stehen dem aktuell wegen mehrfachen, illegalen Waffenbesitzes unter Hausarrest stehenden Rapper 2009 noch 1.000 Sozialstunden, sowie anschließend eine einjährige Haftstrafe bevor.

Umso mehr kommt ihm da der Erfolg seines mittlerweile sechsten Studioalbums „Paper Trail“ zu Gute. Recht kalkuliert wirkt der Longplayer bei einem Blick auf die Playlist. Dort finden sich illustre Gäste wie Rihanna, Usher, Ludacris, John Legend und Justin Timberlake. Es soll also nichts dem Zufall überlassen werden. Auch hier gibt sich T.I. ganz als Geschäftsmann. Bezeichnend, dass es bereits sechs Singleauskopplungen in den USA gab und mit „Dead And Gone (feat. Justin Timberlake)“ eine siebte bereits in den Startlöchern steht. Während sich bei der Single „Live Your Life“ der ein oder andere Europäer mit einem leichten Schaudern an den O-Zone-Hit „Dragostea Din Tei“ erinnern dürfte, war der Amerikaner doch positiv überrascht anhand dieser neuen Euro-Dance-Einflüsse. Der Song machte schließlich von Platz 80 auf 1 den größten Sprung der amerikanischen Chart-Geschichte.

T.I.’s „Trap Muzik“ hat sich derweil ganzheitlich etabliert. Mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit werden hierzu aktuelle Trends und etablierte Stile adaptiert und neu interpretiert. So erinnert das Drumset auf „Swagga Like Us“ an Kanye Wests’ Hit „Jesus Walks“. Kein Wunder also, dass sich dieser auch für die Produktion verantwortlich zeigt und neben Jay-Z und Lil Wayne als Gast vertreten ist. Der Song feierte durch zahlreiche Remixe einen enormen Internethype, gehört zu den beliebtesten Instrumentals 2008 und ist für zwei Grammys nominiert.

Das sind nur ein paar der Gründe dafür warum das Album funktioniert, warum es seinen Fluss findet. Dabei liegt der Schlüssel ein wenig tiefer. Es ist diese Harmonie, die zwischen fast jedem der Songs herrscht. T.I. verbiegt weder sich selbst, noch die Gäste die er zu sich holt. Er nutzt seine Stärken, seine markante Stimme und den unnachahmlichen Flow und hält sich fern von den aktuellen auto-tune-Spielereien. Er lässt HipHop einfach mal HipHop sein und genau das macht dieses Album dann auch so sympathisch. Neben den durchgängigen Basslines fließen immer noch durchdringende Drums und Synthie-Sounds und trotzdem hat man das Gefühl, dass HipHop hier zeitweise einen neuen Level erreicht.

Neu ist auch die Offenheit mit der er seine innersten Gedanken und Probleme verarbeitet, ob private Rückschläge, seine Vergangenheit oder seine Konflikte mit dem Gesetz. Es erscheint einem so als sei T.I. von nichts und niemanden unterzukriegen. Dieser lässt verlauten „I’m ready for whatever!“

Ob und wie er seine Probleme in Zukunft in den Griff bekommt, darüber hat T.I. bald viel Zeit nachzudenken. Es bleibt aber zu hoffen, dass er nebenbei auch an die Musik denkt. Denn „Paper Trail“ bestätigt mehr denn je die eigenen Ambitionen der „King of the South“ zu sein.

Anspieltipps:

  • Ready For Whatever
  • On Top Of The World
  • No Matter What
  • Dead And Gone

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