Soundtrack - Camp Rock - Cover
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Soundtrack Camp Rock


  • Label: Disney Records/EMI
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Als Kind hatte man es früher einfacher. Nach der Schule lief „Die Sendung mit der Maus“ und Disney-Filme hatten noch dem Anspruch gerecht zu werden neben der Unterhaltung eine wichtige Message mit auf den Weg zu geben, die nicht immer nur darin bestand den Familiengeist zu stärken und durch den Zusammenhalt große Hürden besser zu überwinden. Heutzutage muss anspruchsvolles Teenager-TV mit der Lupe gesucht werden. Auf der einen Seite bewerfen sich Manga-Figuren mit bunten Karten und bekämpfen sich so gegeneinander (Yu-Gi-Oh) und auf der anderen Seite beherrschen zuckersüße Vorstadtidyllen das Serien-Programm, die nicht selten die Realität des Zusehers zu verkleben scheinen. Es geht aber auch anders: Der riesengroße Erfolg von High School Musical hat es vorgezeigt. Zwar handelt es sich beim Grease der Neuzeit auch nicht gerade um eine hochintelligente Abhandlung zwischenmenschlicher und sozialer Probleme, aber näher an der Wirklichkeit als das Gros der Zeichentrickproduktionen und Kinderserien der letzten Zeit ist das Disney-Franchise allemal.

Daher wurde es auch langsam Zeit, dass ein ebenbürtiger Nachfolger (quasi ein Spinoff ohne Verbindung zum Mutterfilm) aus dem Boden gestampft wird, der mit ähnlichem Stoff, aber anderen Mitteln denselben Effekt erzielt: Nämlich zu unterhalten und zu gleichen Teilen das Bewusstsein der jungen Zuseher zu stärken. Ob „Camp Rock“ mit seiner Prämisse „Sei anders, sei du selbst“ allerdings nicht etwas über das Ziel hinausschießt und lediglich eine Teenie-Liebesgeschichte mit ein paar Versatzstücken aus verschiedenen Disney-Streifen und ähnlich gelagerten Musikfilmen konstruiert hat, soll jeder für sich selbst entscheiden. Die Musik hebt sich allerdings wohltuend vom etwas aufgeblasenen Bombast der High School Musical-Teile ab, was schon die unmissverständliche Betitelung klar macht.

Dass letztendlich doch mehr Pop als Rock dabei herauskommt ist natürlich der Zielgruppe zu verschulden, was jedoch keinerlei Einfluss auf den Hörgenuss hat. Als Einstieg dürfen die deutschen Killerpilze mit „Verrockt“ das härteste Stück geben, der Rest bewegt sich zwischen altbekannten Pop-Schemen, die mal balladesker mal etwas flotter ans Werk gehen. Nichtsdestotrotz ist diese Mischung nach dem ersten Hören interessanter als sie vielleicht klingen mag, den die Songs des „Camp Rock“ sind schließlich dafür konzipiert worden zu gefallen. Als anspruchsvoller Hörer müssen daher erst langsam die einzelnen Schichten abgetragen werden um zu sehen ob am Schluss neben den unglaublich peinlichen Posierfotos im Booklet und auf dem Cover und der aufgesetzten Rock´n´Roll-Attitüde überhaupt noch etwas Hörenswertes überbleibt. Zur großen Überraschung tut es das.

Trotz Singalong-Refrains der Stufe 11 von 10, Lyrics der Marke „Got my six-string on my back“, die den Coolness-Faktor natürlich ungemein lächerlich und plump in die Höhe zu treiben versuchen, einer hässlichen Hip Hop-Nummer („Hasta la vista“) und dem grenzwertigen Synthie-Einsatz in „Too cool“, verlieren die Songs neben den obligatorischen „Musik ist super und ganz toll und sowieso“-Texten nie den adoleszenten Anstrich und eine gewisse Reibungsfläche (die bei Disney-Filmen logischerweise nie aus dem Ruder gerät). „Camp Rock“ ist eben einfach geerdeter und eine Spur nachvollziehbarer, weswegen auch an einer eigentlich total kitschigen Ballade wie „Gotta find you“ Gefallen gefunden werden kann. Auf der nun erschienenen Special Edition ist noch eine DVD beigefügt, die neben einem Making-Of, einige Musikclips und eine Fotogalerie beinhaltet, wodurch die Zeit bis zum Erscheinen des Films wunderbar überbrückt werden kann.

Fazit: Das rockige Ferienlager unterhält. Zwar nicht ganz ohne Abstriche, aber ist es nicht besser wenn Tochter und Sohn einen gefühlsduseligen Song im Kinderzimmer trällern, anstatt geistigen Durchfall wie LaFee oder Liza Li gut zu heißen? Eben!

Anspieltipps:

  • Verrockt
  • This Is Me
  • Play My Music
  • Gotta Find You

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