The Haunted - Versus - Cover
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The Haunted Versus


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Titel bieten zu wenig Melodie und zu glatte Strukturen.

Man merkt The Haunted die letzten zwei Jahre deutlich an. Die waren die Schweden nämlich fast komplett auf Tour unterwegs. Und wenn man mit Größen wie Mastodon, Testament, Killswitch Engage, Danzig, Entombed, oder Dimmu Borgir spielt, packt man automatisch eher die flotteren Nummern aus und lässt die stilleren im Koffer. Diese Zeit scheint die Band geprägt zu haben, denn auf dem neuesten Werk ist ein deutlicher Anstieg harter Nummern spürbar und auch wenn Sänger Peter Doving in unserem Interview zu besten gab, dass durchaus viele cleane Gitarren zu finden seien, so konnte auch er nicht leugnen, dass The Haunted Anno 2008 härter denn je klingen. The Haunted unterscheiden sich grundlegend von anderen Thrash-Metal-Bands und zwar unter folgendem Aspekt. Versuchen viele der aktuellen Bands dieses Genres ein Stück vom Metallica-Kuchen abzuhaben bzw. einige Zutaten für den eigenen zu verwenden so haben die Schweden sich von Beginn an immer versucht in eine eigene Richtung zu entwickeln. Und gerade als Mitte der 90er der Metal, vor allem der Thrash Metal, Tod gesagt war, traten die fünf Mannen mit frischen Ideen erfolgreich gegen diesen Trend an. Stimmlich dominierten damals wie heute Shout-Vocals, allerdings versteht es Peter auch ungemein gut, clean und trotzdem mit dem nötigen Druck zu singen. Leider setzt er dieses Talent auf „Versus“ etwas spärlicher als beim Vorgänger ein.

Von Anfang bis Ende heißt es diesmal Tempo. Mit „Moronic Colossus“ fliegt sogleich ein ebenso unbequemer wie Hardcore-mäßig anmutender Titel daher und wirbelt zu Beginn mächtig Staub auf. Das anschließende „Pieces“ bietet da schon viel mehr Thrash, wenngleich die Hardcore-Komponente, wie im Übrigen auf dem ganzen Album, deutlich zu spüren bleibt. Die vierte Nummer „Trenches“ lässt dann zum ersten Mal richtig Freude im Thrash-Metal-Himmel aufkommen, bietet sie doch als Mid-Tempo-Nummer mit einfallsreichen Riffs alles was das Herz begehrt. „Ceremony“ beginnt gleich mit einem Verspieler bevor das wirkliche Lied natürlich Fehlerfrei los geht. Für alle die es noch nicht wussten: The Haunted zählen zu der leider aussterbenden Spezies der live einspielenden Bands.

Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt klar auf der Hand, denn live bekommt man genau das dargeboten, was man von der CD kennt und muss sich nicht wundern, wenn plötzlich die anderen 25 Stimmen, die man auf dem Album hörte, fehlen. Im Anschluss folgt mit „Skuld“ eine kleine Verschnaufpause. Die Nummer wurde minimalistisch gehalten, lediglich cleane Gitarren, dezente Schlagzeugeinsätze im Hintergrund und ein clean singender Peter Doving. Eine weitere Perle naht mit dem progressiven Song „Rivers run“. Die Nummer ist etwas langsamer, lässt der Band dadurch aber auch viel Spielraum zum Variieren der Struktur. Schade, dass diese Art Lied viel zu selten auftaucht. Auch das folgende „Iron Mask“ bedient sich ein wenig aus der Progressiv-Schublade, was die Truppe aber wirklich gut hinbekommt.

Live machen die neuen Titel sicherlich viel Spaß. Für Zuhause wünscht man sich allerdings etwas einfallsreichere Songs mit höherem Langzeitfaktor. Denn oft bieten die Titel zu wenig Melodie und zu glatte Strukturen, um länger im Gedächtnis zu verweilen. Lediglich 18 Tage brauchten die Schweden für die Aufnahmen zu „Versus“. In Zukunft könnten sie sich gern ein wenig mehr Zeit lassen und die Ideen besser reifen lassen.

Anspieltipps:

  • Iron Mask
  • Trenches
  • River’s Run

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