Dampfmaschine - I Love My Body - Cover
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Dampfmaschine I Love My Body


  • Label: Bitzcore/SOULFOOD
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt den schmalen Grat zwischen Genialität und Wahnsinn. Welche Grenze oft vergessen wird, ist jene, nicht minder kleine, zwischen genial einfach und schlichtweg platt. Irgendwo in dieser Region hangeln sich nämlich Siggy Rock, Schnalli, Rave Paulsen, sowie Hase und Johnny Fitten Vegas, gemeinhin (un)bekannt als Dampfmaschine, anderen vielleicht noch als Good Witch Of The South. Fünf deutsche Jungens, die als Sänger mit Siggy eine ungeölte Grölstimme ihr Frontinstrument nennen und auch sonst gerne Schrammeln, anstatt zu feilen. Passend dazu kam Produzent Claus Grabke auf die Idee, das neue Album „I Love My Body“ live einzuspielen, ohne Takes, ohne gar nichts. Es wird einfach drauf losgespielt und so „wird der Fehler zum Pinselstrich“, war sich Grabke sicher.

Das Ergebnis ist so grobkörnig, so fassbar, dass es nach dem ersten Anhören den manchen so simpel, platt, ja, stumpf wirkt, dass man sich wundert, warum diese jungen Männer einen Plattenvertrag bekommen haben. Hört man allerdings noch mal hin und blendet aus, dass der kaputte Gesang, doch ein wenig zu kaputt ist und die ein oder andere Bearbeitung der Platte vielleicht doch gut getan hätte, dann muss man sich eingestehen, dass bei recht vielen Liedern auf diesem Album der Fuß anfängt zu wippen und der Kopf teils ordentlich mitnickt. Was ist denn hier los? Richtig, Dampfmaschine werden ihrem Namen gerecht! Da stürmt ein Punkrockmonster namens „Nicht Mit Mir“ durch das Zimmer und es bleibt nichts Anderes übrig, als die Luftgitarre zu spielen oder wenigstens im Rhythmus mitzugehen. Dann werden auch mal die Goldenen Zitronen widergespiegelt in „Nous Sommes Des Agents Provocateur“. Hier wird gesprochen und gesungen, im Gegensatz zu hohlen oder platten Texten wie zu Anfang („I Love My Body“ und Kurz Und Klein“) wird hier Etwas ausgesagt.

Natürlich darf man nicht zu viel von den Texten erwarten, auch wenn manche da die Wiedergeburt des wahren Punks reinhören wollen. Der gemeine Hörer erfreut sich an dem Talent der Jungs, mitreißende Gitarrenparts auf die Platte zu bannen, die so schnell den Gehörgang nicht verlassen. Dass der Bass und auch die Drums die großen Verlierer sind (beim Sänger waren wir ja schon), liegt an der Produktion. Die Gitarren wiederum profitieren beinahe ausschließlich und somit kann man nur rätseln, ob eine andere Produktion besser gewesen wäre. So kann man zu „Deine Schuld“ und zu „Abgehn“ abgehn, ohne Hemmungen und mit Punk im Blut.

Spätestens nach dem verquerten Ende „Strenges Mädchen“ werden die einen Dampfmaschine in ihr Herz geschlossen haben und die anderen sie verstoßen. Manch einer wird auch nur den ein oder anderen Riff in Erinnerung behalten und nur dafür die CD wieder auspacken, aber immerhin. Wer mal wieder etwas Rohes, Hartes brauch, dem sei diese Platte angeraten (allerdings muss man auch den „schlechten“ Gesang mögen). Wer Punk mit Ambition sucht, der ist mit Turbostaats „Vormann Leis“ besser dran, aber die haben sich ja für manche an den Mainstream verkauft. Man kann es nie allen recht machen, oder?

Anspieltipps:

  • Nicht Mit Mir
  • Deine Schuld
  • Nous Sommes Des Agents Provocateur
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