RC2 - Future Awaits - Cover
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RC2 Future Awaits


  • Label: Progrock Records/SPV
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

RC 2 ist die Abkürzung für „Radio Clip 2“. Der erste Versuch endete 1994 nach sechs Jahren und vier Alben in Venezuela mit der Auflösung. Für den Neuanfang im Jahr 1999 siedelten die Bandmitglieder um Sänger Felix Duque nach Spanien über und brachten 2003 mit dem selbstbetitelten „RC2“ ihr erstes Album raus. Sie bewegten und bewegen sich dabei im Minenfeld zwischen Retro- und Neo-Prog a la Marillion, Yes, Genesis und Rush. In dieser im Grunde vollkommen erschlossenen Sparte ist es quasi ein Ding der Unmöglichkeit noch neue Akzente zu setzen. Die Gefahr zwischen Keyboardkleister und enervierendem Gedüdel unterzugehen überwiegt bei weitem die Möglichkeit dem Genre irgendetwas Neues abzugewinnen. Zur Ehrenrettung der Repräsentanten sei jedoch eingeräumt, dass die Hörer dieser eigenwilligen Prog-Rock-Richtung ohnehin ein spezielles, abgeschottetes Völkchen innerhalb der Prog-Gemeinde darstellen. Kurz gesagt: entweder man mag es oder eben nicht. Wer sich zu ersten Kategorie zählt, sollte „Future awaits“ einen Teil seiner wertvollen Zeit widmen, denn obgleich Innovationen trotz Flamenco-Einlagen und modernen Prog-Rock-Anleihen Fehlanzeige sind, lässt sich das Album sehr angenehm hören und trumpft mit gleichermaßen spaßigem wie schönen Melodien auf. Dass es RC 2 nicht an Einfallsreichtum mangelt, zeigt schon ein Blick auf die Spielzeit der einzelnen Lieder.

Mit Ausnahme von „El Diablo Suelto“ unterschreitet kein Song die 6-Minuten-Marke. Wenn die Zeit jenseits dieser Grenze wie im Fluge vergeht, war das schon immer ein Indikator für gute Musik. Der zehnminütige Einstiegstrack „Time pieces“ gestaltet sich sehr abwechslungsreich und zeichnet sich durch klaren, eindrucksvollen Gesang aus. Strukturell wirkt der Song kohärent, obwohl er ständig zwischen harmonischer Berieselung und sich im Rahmen haltendem Gefrickel wechselt. Elegische Gitarrensoli tragen ihr Übriges zu diesem neoprogessiven Volltreffer bei. Eine gehörige Spur mystischer wird es mit dem anschließenden „Future awaits“. Nach anfänglicher Befürchtung, der Song würde so vor sich hinplätschern, wacht er nach etwa 90 Sekunden auf und zerstreut alle Sorgen. Obwohl er nicht so geschlossen wie „Time pieces“ daherkommt, weiß er dennoch zu gefallen. Was sich die Wahlspanier jedoch bei „11“ gedacht haben, ist unerklärlich. Was sich bisher nach einem angenehm konsumierbaren Neo-Prog-Album anhörte, artet auf einmal in wirres Geklimper aus, wie man es heutzutage nicht mehr hören möchte.

Erst gegen Ende besinnen sich RC 2 und knüpfen an vorausgehende Stärken an, welche ihren nahtlosen Übergang in die akzeptable Halbballade „Autumn“ finden. „El Diablo Suelto“ ist - der Name lässt es vermuten - der spanischste Track auf dem Album. An den südländischen Rhythmen kann man Gefallen finden, muss man aber nicht. Die Frohmut dieses Songs wird mit dem folgenden „Coming down again“ kontrastiert. Hier dominieren düstere New-Artrock-Klänge, was trotz dessen, dass der Song im Albumkontext wie ein Fremdkörper wirkt, nicht prinzipiell schlecht wäre, wenn er sich nicht höhepunktlos dahinschleppen würde. Das Abschluss-Double „Voice of the storm“ schafft glücklicherweise die Verbindung zum bärenstarken Anfang, wobei insbesondere der zehnminütige zweite Teil versöhnlich stimmt. Fazit: „Future awaits“ ist eine sinnvolle Ergänzung jeder Neo-Prog-Sammlung. Einstiegern sei aber eines der anderen 520.000 ähnlich guten Alben ans Herz gelegt.

Anspieltipps:

  • Time pieces
  • Factory of dreams
  • Voice of the storm - part 2

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