The Tim - Einszweiundsechzig - Cover
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The Tim Einszweiundsechzig


  • Label: Rodeostar/SPV
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn ein Musiker sein Debüt nach seiner Körpergröße von knappen 162 Zentimetern benennt, dann spricht das schon eine Menge Selbstbewusstsein und auch eine gute Schippe Galgenhumor aus. Ein gutes Rezept in diesen Tagen, an welchen man sich nur selten mit todernster oder triefender deutscher Musik durchsetzen kann. The Tim, wenigen Auserlesenen auch als Tim Sebastian Haufe bekannt, ist das Paradebeispiel des gut gelaunten Mittzwanzigers, der sich entschließt Musik zu machen (außer, dass er fünfzehn Zentimeter kleiner als der Durchschnitt ist). Eher zufällig kommt Tim zu Rodeostar, dass heißt, seine Aufnahmen kommen über Umwege dorthin, Tim dann auf Bestellung und man ist sofort angetan von dem kleinen Entertainer. Kein Wunder, bemüht sich der junge Mann aus Hamburg doch möglichst originell in seinen Texten zu wirken (es wird manchmal in die Sphären der „Helden“ vorgedrungen) und aktuelle Themen (Spritpreise und Angelina Jolie) in seine Musik einzuflechten.

Was auch für den jungen Songwriter spricht ist die Lust am heftigen Gitarrenrock-Pop. Nur wenige Songs wie das einfallsreiche „Singen Wie John Lennon“, das von Verwechslungen zwischen dem Ex-Beatle und Bob Dylan handelt und der (Hass-)Liebe natürlich, bedient sich durchgängig einer ruhigen Ader. Normalerweise zapft sich The Tim aber griffige Riffs und Ohrwurmmelodien zu seinen abstrakten Texten und „Dein Freund Sieht Aus Wie Ein Mädchen“ ist fast von sich aus schon eine Dancenummer, die inzwischen auch schon zu einer solchen gecovert wurde. Das Spritlied „Überallhin“ beginnt auch mit Clubcharakter, besinnt sich dann aber auf die rockige Ader für Tims sanfte Stimme und nebenbei halt auf das Benzin und die Beschreibung von Autofahrten… wahrscheinlich als Beifahrer. Und auch wenn die meisten Texte großteils nicht wirklich anzusprechen vermögen, sind es die einfachen, aber guten Melodien, die Freude ausstrahlen. Das beste Beispiel dafür ist „Ich Möchte, Dass Amerika Mein Zimmer Angreift“. Wer es einmal gehört hat, wird es garantiert noch ein paar Mal in diesem leben hören und auch die Rockballade „Angelina Jolie“ hat bis auf eine künstlerisch fragwürdige Passage viel Potenzial ein Lieblingslied auf Zeit zu werden.

Durch die meist knappe Spieldauer der einzelnen Tracks tritt die Kürze nicht als störendes Element auf, da die Songs dafür zu schnell vorbeihuschen. Gut, dass dem Musiker bewusst ist, dass er hier keine Melodien für die Fünf-Minuten-Marke geschrieben hat. Dafür genießt man die kleinen Ideen in „Tief Auf Dem Grund“ und bewegt sich zu den leichtfüßigen Melodien und hat Spaß. Natürlich hat dieser Erstling auch Schattenseiten und Schwächen. Da wären das irritierende und Nichts sagende „Deine Hände“ und das eintönige „Es Klopft An Mein Herz“ und auch der Refrain von „Primaballerina“ ist flach geraten. Außerdem, so schön das Cover von Herwig Mittereggers Lied von 1987 auch ist, werden hier die Level deutlich auf denen lyrisch gespielt wird. Der Track weist eine Brillanz auf, der der Rest des Albums hinterherhinkt. Das solide „Unter Einer Decke“ wirkt plötzlich fad und schwach als Ausklang nach dieser Exkursion in die Vergangenheit.

Trotzdem ist „Einszweiundsechzig ein Album geworden, dass man sich gerne am Stück anhört und sich nur selten gezwungen sieht ein Lied unbedingt zu überspringen (sie sind ja nicht so lang) und es sind durchaus Stücke dabei, die zum Wiederhören einladen. Man weiß nicht genau wie lange Tim Haufe an den Texten gesessen hat, aber er ist einer der weniger Musiker bei dem man sich gar keine Entwicklung wünscht, sondern dankbar für seinen unkomplizierten Indie-Pop ist. Nur an besagten Texten sollte er noch feilen und sich nicht von Gitarren dazu verleiten lassen, zu einfache Riffs zu verwenden. Kopfnicken ist die eine Sache, aber wenn man dabei noch schmunzelt ist das gleich ein Vielfaches wert. Auf Wiederhören!

Anspieltipps:

  • Ich Möchte, Dass Amerika Mein Zimmer Angreift
  • Tief Auf Dem Grund
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