Kaiser Chiefs - Off With Their Heads - Cover
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Kaiser Chiefs Off With Their Heads


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Allein die Tatsache, dass sich die Kaiser Chiefs nicht erdreistet haben, einen „Ruby“-Nachfolger zu präsentieren, ist des Lobes wert.

Die Kaiser Chiefs haben es ganz nach oben geschafft – und doch spalten sie die Massen. Das liegt vielleicht an ihrem arrogant wirkenden Selbstbewusstsein, aber ganz bestimmt an pervers-eingängigen Hits wie „Ruby“, die kein Mensch nach nur einmal hören aus dem Ohr bekommt. Warum die Kaiser Chiefs von Teilen des Publikums eher skeptisch beäugt werden, die Presse mit bösen Kommentaren nicht spart und sogar Musikerkollegen wie Noel Gallagher kein gutes Haar an der Band lassen, ist deshalb wohl ganz simpel mit Neid und Eifersucht zu begründen. Denn wer hat es schon gerne, wenn ein paar Rotzlöffel aus dem Nichts angeschossen kommen und in den Charts sofort steil gehen? Na klar, dann ist es total uncool, zu ihren Songs im Club zu tanzen und zuzugeben, ihre Platten zu kaufen. Die Bild Zeitung liest ja schließlich auch keiner und McDonalds kennen wir nur vom Hörensagen.

Wir lernen: Alles nur dummes Blabla! Denn die fünf Jungs aus dem nordenglischen Leeds zählen zu den talentiertesten Songschreibern der britischen Insel, die Melodien aus dem Ärmel schütteln, für die ein Noel Gallagher inzwischen wohl töten würde. Ganz klar, die Kaiser Chiefs haben einen Lauf und ihre Plattenfirma kann sich freuen, schon wieder ein neues Album von ihnen veröffentlichen zu können. Denn eigentlich wollte sich das Quintett ein ganzes Jahr Auszeit nehmen. Doch dann kam den Kaiser Chiefs zu Ohren, dass der zurzeit mega-angesagte Produzent Mark Ronson (Amy Winehouse, Lily Allen, Adele, Robbie Williams) sie produzieren wollte. Eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Und da die Band ohnehin vor hatte, mit dem Produzenten-Frischling Eliot James (Does It Offend You Yeah, Kate Nash, Alesha, Ewan Pearson) zu arbeiten, wurden kurzerhand parallele Sessions mit beiden Produzenten abgehalten.

Das Ergebnis liegt nun in Form des dritten Studioalbums „Off With Their Heads“ vor, dem aufgrund der Vorgeschichte durchaus der Makel eines Schnellschusses anhaften könnte, wenn da nicht wieder ein Hand voll Songs mit Hitgarantie entstanden wären. Das entschädigt zwar nicht für die unverschämt kurze Spielzeit von knapp 36 Minuten und kann auch nicht vertuschen, dass diesmal etwas mehr Füllmaterial an Bord ist, aber allein die Tatsache, dass sich die Kaiser Chiefs nicht erdreistet haben, einen „Ruby“-Nachfolger zu präsentieren, ist des Lobes wert.

Überhaupt sucht man die Eingängigkeit früherer Singles wie „I predict a riot“ auf „Off With Their Heads“ vergebens. Die hinzugewonnene Reife der Engländer drückt sich heuer in sperrigen Rock-Gitarren, gepaart mit Beatles-Harmonien („Spanisch metal“) und elektronischen Elementen aus, die den Hörer direkt auf die Tanzfläche führen („You want history“). Dazu kommt eine Prise Wave-Rock („Never miss a beat”, „Can’t say what I mean”), dezent psychedelisch angehauchtes Material („Tomato in the rain”) und eine feine Akustikballade („Remember you’re a girl”). Mit Sway treibt sich zudem ein Rapper als zufälliger Lückenfüller auf dem Album herum („Half the truth“), nicht zu vergessen, dass Kollegin Lily Allen gleich bei zwei Songs den Backgroundgesang beisteuert.

Damit ist wieder mal (fast) alles wie gehabt. Die Kaiser Chiefs verteidigen ihren Titel als die zurzeit talentiertesten Melodienlieferanten in der britischen Popmusik, indem sie auf subtilere Kompositionen setzen und auf Songs verzichten, die den Hörer sofort anfallen. Deshalb braucht „Off With Their Heads“ sicher ein paar Durchläufe mehr als „Yours Truly, Angry Mob“ (02/2007), bis es gefällt. Aber das kann gewiss nicht schaden.

Anspieltipps:

  • Never miss a beat
  • Addicted to drugs
  • Tomato in the rain
  • Can’t say what I mean
  • Always happens like that

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