Bushido - Heavy Metal Payback - Cover
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Bushido Heavy Metal Payback


  • Label: Ersguterjunge/SonyBMG
  • Laufzeit: 105 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

In Sachen Veröffentlichungsquote, Verkaufszahlen, Medienpräsenz und Unverwechselbarkeit der Musik (um freundlich auszudrücken, dass Rhythmen, Beats, Raps und Texte bei Bushido immer nach dem gleichen Prinzip aufgebaut sind), gilt Deutschlands einziger Platin-Rapper mittlerweile als der „Dieter Bohlen des Rapgeschäfts“, was bestimmt nicht als Auszeichnung gemeint ist. Denn selbst eingefleischte Bushido-Fans beklagen inzwischen einen Qualitätsverlust bei den in viel zu kurzen Abständen auf den Markt geworfenen Alben des 30-Jährigen.

Dabei schien Herr Ferchichi zuletzt einsichtig, als er das Album „7“ (08/2007) als sein letztes ankündigte. Gut, wirklich geglaubt hat das keiner, denn der Berliner Rapper ist ein Promotion-Vollprofi, der genau weiß, an welchen Rädchen er für den Erfolg drehen muss. Aber mit angekündigten biographischen Buch- und Filmprojekten war zumindest davon auszugehen, dass ein neues Studioalbum etwas länger als 14 Monate auf sich warten ließe. Aber nichts da! Im Stile eines Fließbandarbeiters legt Bushido mit „Heavy Metal Payback“ sein mittlerweile achtes Soloalbum vor. Und das soll es natürlich wieder amtlich in sich haben.

So heißt es, dass „das Album eine Abrechnung mit allen Feinden sein und endgültig in Rap-Deutschland aufräumen soll. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Es wird alles niederbrennen! Der Titel setzt sich zum einen aus „Heavy Metal“ zusammen, was für die Härte des Albums steht, und zum anderen aus „Payback“, was dafür steht, dass Bushido der King ist und bleibt und er sich holt, was ihm zusteht!“ Puh!

Auf der auf 11.111 Einheiten limitierten Deluxe Edition von „Heavy Metal Payback“ – bestehend aus zwei CDs mit 27 Tracks (!), einer Bonus-DVD sowie einem exklusiven T-Shirt – nimmt sich Bushido für oben genannte Mission über 100 Minuten (!!) Zeit – und das ist eindeutig zuviel des Guten! Denn um so lange zu unterhalten, fehlt es den Songs einfach an Substanz und Originalität. Fast alles klingt wie schon mal gehört und selbst ein verhältnismäßig scharfer Diss gegen sein altes Aggro-Berlin-Label ist unterm Strich nicht sonderlich aufregend („4,3,2,1 “). Im dem Song beklagt sich Bushido u.a. darüber, dass Aggro Berlin inzwischen über ein Majorlabel vertrieben wird (Universal Music) und den Indie-Geist verraten hätte. Absoluter Kokolores! Wahrscheinlich ist Bushido nur angepisst darüber, dass Universal Music seinen Abgang zu SonyBMG mit der Aggro-Berlin-Kooperation blitzschnell ausgeglichen hat.

So reiht sich ein Sturm im Wasserglas an den nächsten, ohne dass Bushido etwas Neues sagt bzw. sich musikalisch weiterentwickelt. Aufmerksamkeit wird einzig und allein dadurch erregt, indem absoluter Bullshit wie „Für immer jung“ dargeboten wird, ein Duett mit Schlagerstar Karel Gott (!!), das auf einem Sample des Alphaville-Klassikers „Forever young“ beruht. In dieselbe Kerbe haut die Kollaboration mit TV-Star Oliver Pocher (!!!), mit dem Bushido in „Kennst du die Stars“ auf alles draufhaut, was sich in Deutschland „Star“ schimpft. Billiger geht’s nimmer! Ist es deshalb überhaupt von Interesse, wer die Beats auf „Heavy Metal Payback“ zusammengebastelt hat und wer neben den Herren Pocher und Gott in der Feature-List steht? Nein!

In der Welt von Bushido ist immer noch alles „So Ghetto“, wir lernen, dass „Hunde, die bellen, beißen nicht“ und dass „Es kommt, wie es kommt“. Geht es noch platter? Wer soll sich mit diesem Käse identifizieren? Unglaublich, aber noch scheinen es die Kids nicht bemerkt zu haben, dass ihr King Bushido schon längst zum Establishment gehört mit Auftritten bei Kerner, Jauch und Co. Dabei nimmt er seine Fans mit am Reißbrett entworfenen und am Fließband veröffentlichten Alben wie Weihnachtsgänse aus – und keiner merkt’s.

Anspieltipps:

  • Ching ching
  • Heavy Metal
  • Es gibt kein wir
  • Mann im Spiegel
  • 4,3,2,1 (vielen Dank Aggro Berlin)

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