Jen - Mellow Dramas - Cover
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Jen Mellow Dramas


  • Label: Stereo Del/EDEL
  • Laufzeit: 73 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Spoken Word Poetry. Also einfach den Text sprechen, nicht singen oder anderweitig darstellen. Genau das macht Jennifer Schwed auch bekannt als Jen auf ihrem Debüt „Mellow Dramas“. Damit der Hörer aber nicht einfach nur 73 Minuten lang von der Amerikanerin zugetextet wird, wird der Brocken mit Elektronika unterlegt. Was sich als Experiment angedeutet hat, offenbart sich ziemlich schnell als beinahe schon klassische Lounge-Musik. Besonders Stücke die die Sechsminutenmarke knacken geben einem das Gefühl, durch eine ruhige Ecke einer Lounge zu wandeln und manchmal ist es schon nicht einmal mehr diese, sondern man findet sich in einem meditationsähnlichen Zustand wieder. Besonders beim knapp zehnminütigen (!!!) „Falling Gently“ ist außer absoluter Entspannung nichts mehr zu erwarten.

Der große Schwachpunkt offenbart sich auch von vornherein: Spoken Word Poetry sollte davon leben, dass die Texte den Hörer zum Nachdenken oder wenigstens zum Zuhören bringen und sie nicht einfach nur mitsingen lassen oder – wie in diesem Fall – das gesprochene Wort nur als Element des Hintergrunds zu betrachten. Manche Stücke geben dem Hörer noch die Befriedigung, die sonst Café Del Mar zu geben weiß. „Together“ ist ein interessanter Track (also instrumental gesehen), der auch verschiedenen Ebenen funktioniert und auch das folgende „Effortless“ funktioniert noch ziemlich gut. „Falling Gently“ verfehlt dann aber jeglichen Effekt den Loungemusik haben sollte, wie ja bereits erwähnt.

Interessant ist dieses Album eigentlich nur für jene, die ein wenig in der Elektronikaszene herumschnuppern wollen, denn es lassen sich schon die verschiedenen Handschriften der Künstler erkennen, mit denen Jen zusammenarbeitet. Dass dan ausgerechnet noch die Stücke die besten sind, welche noch mit weiteren Gastmusikern/sängern aufwarten ist ein eher trauriger Höhepunkt („Driving Rain“, „You Are“). Besonders in „Driving Rain“ zeigt sich, dass Gesang einfach besser zu dieser Musik gepasst hätte, wo Jens Gerede einfach untergeht. Auch das orientalisch angehauchte „Ratnapura 16“ hat als stimmlichen Höhepunkt das leise Hintergrund-„Ah“. Sich wirklich auf Jen zu konzentrieren fällt schwer.

Das erfreuliche ist, dass Elektronikafans durchaus ihre Freude mit der Musik haben werden, die durchaus viele Facetten aufgreift, doch dagegen stehen Jens Texte, die vom dritten Weltkrieg, der toten Katze oder auch dem Gelegenheitssex der Nachbarn handeln könnte. Die Worte fliegen an einem vorbei und höchstens ein Booklet könnte die Frau aus Washingotn DC noch retten, aber da hätte sie auch gleich einfach nur Gedichte schreiben können.

Anspieltipps:

  • Together
  • Ratnapura 16
  • Driving Rain

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