Masters Of Reality - Pine Cross Dover - Cover
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Masters Of Reality Pine Cross Dover


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Als zu Weihnachten 2004 Chris Goss 10 Tage lang nach einer lebensgefährlichen Magen-Darm-Infektion aufgrund eines Operationsfehlers ins Koma viel, war die Prognose, dass ein neues Masters Of Reality-Album wohl nie mehr erscheinen würde alles andere als abwegig. Glücklicherweise hat er alles überstanden; Chris Goss lebt, produziert nach wie vor hervorragende Alben (zuletzt UNKLE und The Duke Spirit), musiziert in neuen Projekten herum (Goon Moon mit Jordie White aka Twiggy Ramirez und der albumlose kalifornische Live-Spaß The 5:15ers mit Joshua Homme) und ließ sich von Mascot Group Labelchef Ed van Zijl tatsächlich dazu bewegen mal wieder eine neues Album seiner regulären Hauptband aufzunehmen.

Dabei waren Album und einige Konzerttermine bereits für den Sommer 2008 angekündigt und die seit dem zahlreichen Verschiebungen und Absagen ließen vor allem die mit Informationen rar ausgestatteten europäischen Fans zweifeln, ob sie den Tag eines neuerscheinenden Masters Of Reality-Albums tatsächlich erleben werden. So war die unbegründete Absage beim Stoner-Rock-Clash in der Berliner Zitadelle im Frühsommer letzten Jahres etwa, in der Queens Of The Stone Age, Eagles Of Death Metal und eben Masters Of Reality zusammen feiern und spielen wollten, lediglich der Tatsache geschuldet, dass Chris Goss an seinem neuen Werk zu lange herumfeilte, Mascot Records daher beschloss den Release weit ins nächste Jahr zu verschieben und nicht schon befürchtete Gesundheitsprobleme.

„Pine/Cross Dover“ ist kein Doppelalbum, wohl aber ein zweigesichtiges, weil von zwei Stimmungen getrieben. Zusammengehalten wird es von einer beständigen Rhythmuslastigkeit, kombiniert mit einer überraschend neuartigen Improvisationssucht, die in zahlreiche instrumentelle Passagen mündet. Dennoch bleibt der typische MOR-Sound erkennbar: schneidige Gitarren-Riffs, die mechanisch, tendenziell stoner-rockig klingen, dazu erhöhter, melodiöser Gesang wie im Opener „King Richard TLH“. Die Düsternis des letzten regulären Albums „Deep In The Hole“ von 2001 ist weitgehend gewichen („Give Us Barabas von 2004 war eine alte Songkollektion); Chris Goss möchte Positivismen verbreiten und ist der letzte, dem das nicht gestattet sein sollte. „Up In It“ rockt am artverwandtesten zum Sound seines sich schon längst flügge gemacht habenden Zauberlehrlings Homme und erinnert ohne Plagiat zu sein ein wenig an „Monsters in The Parasol“ vom QOTSA-Album „Rated R.“ Goss’ Produzenteneinfluss auf die jungen Kyuss, seine beständige Producer-Assistenz bei jedem QOTSA-Album erscheinen beim Hören dieser Szene-Band wie der sprichwörtliche Deckel auf dem Topf.

Rhythmischer Riff-Rock, von Homme einmal in Abgrenzung zur Journalistenschublade Stoner-Rock, treffend Robot-Rock getauft, mit deeskalierenden, erhöhtem Melodiegesang, man will ja nicht Gefahr laufen in den Metall abzudriften, genau das ist Masters Of Reality schon seit der Genrebegründung in den 80er Jahren und wird es wohl immer bleiben. Hinzugekommen ist auf dem schönen „Pine/Cross Dover“ wie gesagt die Improvisation, besonders auf „Johnny’s Dream“ und dem Closer „Alfalfa“. Goss, Langzeit-Buddy und Covergestalter John Leamy, Mark Christian (Merle Jagger) sowie Brendon McNichol (Ex-QOTSA) schlossen sich hierzu in einem Raum ein drückten record und jammten 18 Minuten frei von der Leber weg, was Goss in Nachproduktion auf 12 verknappte. Schön Chris Goss wieder musizieren zu hören.

Anspieltipps:

  • King Richard TLH
  • Up in It
  • Alfalfa
  • The Whore Of New Orleans
  • Rosie’s Presence

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