Annett Louisan - Teilzeithippie - Cover
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Annett Louisan Teilzeithippie


  • Label: 105 Music/SonyBMG
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Teilzeithippie“ ist das bisher reifste und kompositorisch ausgewogenste Album von Annett Louisan.

Falls es jemand noch nicht bemerkt haben sollte: Annett Louisan (31) hat in nicht mal fünf Jahren von ihren drei Studioalben mehr als eine Million Einheiten abgesetzt. Und das in Zeiten, wo Alben oft nur noch als Alibi-Produkt mit ein bis zwei Hitsingles sowie einem halben Dutzend Songs als Füllmaterial in die Läden kommen. Annett Louisan und ihr Songwriter- und Produzenten-Team Frank Ramond und Hardy Kayser verfolgen dagegen eine andere Philosophie.

Ihre Songs durchzieht noch so etwas wie ein inhaltlicher Roter Faden, der Geschichten, Erlebnisse, Liebe, Triebe und Emotionen mit der Musik verzahnt, die im Jahr 2004 mit chansonartigen Liedern begann („Bohème“) und mittlerweile als erwachsene Form von Popmusik durchgeht. Zwar gab es bereits recht früh in der Karriere von Annett Louisan Singlehits („Das Spiel“), aber hört man sich heute die Auskopplung „Drück die 1“ aus ihrem vierten Album „Teilzeithippie“ an, lässt sich eindeutig eine Entwicklung in Sachen Sound und Instrumentierung erkennen. In dem treibenden Stück spielen zarte Streicher zu Banjo, Dobro und akustischer Gitarre, was ausnahmslos gut klingt, aber auch einen ziemlichen Rip Off von Amy MacDonalds aktuellem Hit „This is the life” darstellt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Nach wie vor geblieben ist dagegen Louisans kindlich-naive Stimme, die nun aber nicht mehr so intensiv in den Vordergrund gestellt wird, sondern besser in das musikalische Gesamtbild eingebettet wird. Dadurch gewinnt das gesamte Werk an Abwechslung und Qualität, beginnend beim wundervollen Opener „Das schlechte Gewissen“, der die Story von „Das Spiel“ weiterspinnt, über die nicht minder ergreifenden Gänsehautballaden „Gekommen um zu sagen“, „Wir nicht“ und „Auf dich hab ich gewartet“, bis hin zum relaxten, von Martin Galopp komponierten Titellied „Teilzeithippie“. Dazwischen gibt es den pointierten Shuffle „Die Siezgelegenheit“, den Americana-Chanson (!) „Die nächste Liebe meines Lebens“ sowie eine sexy Konsumzwang-Parodie mit feurigen Bläsern („Ich brauch Stoff“).

„Teilzeithippie“ ist das bisher reifste und kompositorisch ausgewogenste Album von Annett Louisan. Man spürt den klaren Willen zur Weiterentwicklung – was sich auch äußerlich zeigt – und freut sich über die gewohnt tollen Texte von Frank Ramond und Annett Louisan, die jetzt einen musikalischen Hafen gefunden haben, an dem es nichts zu kritisieren gibt.

Anspieltipps:

  • Wir nicht
  • Drück die 1
  • Ich brauch Stoff
  • Ich bin dagegen
  • Das schlechte Gewissen
  • Gekommen um zu sagen

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