Ray LaMontagne - Gossip In The Grain - Cover
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Ray LaMontagne Gossip In The Grain


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Der ganz große Bogen, der das Album zusammenhält, ist nicht ganz so perfekt gelungen.

Empfahl es sich beim Vorgänger „Till The Sun Turns Black“ noch „ganz dicht an die Boxen heranzurücken“, bläst Ray Lamontagnes dritter Output „Gossip In The Grain“ den Hörer mit druckvollem Bläser-Intro erstmal ganz weit weg von eben jenen. Nichts zu spüren von einem fast flüsternden Einstieg, wie er ihn noch beim Vorgänger zelebrierte. Eher schon dürfte sich der Hörer an den Eröffnungstrack des Eels-Meisterwerks „Daisies of the Galaxy“ garniert mit einer ordentlichen Brise Blues erinnert fühlen.

Doch so soll es nicht lange bleiben: „Let It Be Me“ ist dann minimalistischere, jedoch keineswegs leichtere Kost. Der begnadete Songwriter Ray Lamontagne schafft es wieder den Hörer sofort einzufangen und durch unzählige Details und Soundspielereien den auf den ersten „Blick“ simplen Arrangements ungemeine Tiefe zu verleihen. Bei „Let It Be Me“ ist das der kaum wahrnehmbare Streicherteppich, hier empfielt es sich schon fast sich in die Boxen zu setzen. Kubanische Rythmen überraschen im folgenden „Sarah“, das komplett ohne Schlagzeugeinsatz auskommt. Die Streichereinsätze und der seufzend-flüsternde Gesang Lamontagnes geben dem Song zwar auch dieses Mal eine melancholisch-mollig-wärmende Atmosphäre, doch die karibisch-entspannte Akustikgitarre behält dieses Mal die Oberhand.

In welche Richtung „I Still Care For You“ geht ist anhand des Titels relativ einfach zu erraten. Zum flüsternden Gesang Lamontagnes passt die Rolle des vor Selbstmitleid und Liebeskummer zergehenden ungewollten Singles aber einfach perfekt. Der ziellose Gitarreneinsatz, die sphärischen Streicher und das fröhlich-desinteressiert vor sich hin bollernde Schlagzeug lassen Ray Lamontagne noch verlassener wirken, als ohnehin schon wenn er beteuert „The hours grow heavy // and hollow, and cruel as a grave // open me you'll find only bones burned to glass // I still care for you“. Das wunderschöne „Winter Bird“ ist eine verloren gegangene Erzählung und nur sekundär als Lied zu verstehen. Zu zeitlos und schön sind die Lyrics.

„Meg White“ zieht dann das Tempo an, vor allem die Drums spielen wieder eine gewichtigere Rolle und treiben den Song vor sich her. Doch insgeheim haben auch hier jederzeit der hauchende Gesang Lamontagnes und die Streicher das Zepter fest in der Hand, denn sie legen ihren samtenen Mantel auch über diesen Song. Folkig torkelnd gibt „Hey Me, Hey Mama“ dem Album eine ungeahnte Lockerheit und sorgt für Abwechslung. Oder anders ausgedrückt, dieser Little Willies-Verschnitt stört den Albumfluss so geschickt, dass es kaum auffällt.

Auch im folgenden Song bleibt das Tempo hoch. Hätte die gediegene Coolness von J.J. Cale mit den treibenden Rythmen von Creedence Clearwater Revival geschlafen, „Henry Nearly Killed Me (It's A Shame) “ wäre das Kind geworden. Dass Ray Lamontagne auch so cool sein kann, hätte er wohl selbst nicht geahnt. Denn sichtlich erschrocken von sich selbst kehrt er mit „A Falling Through“ wieder in das bekannte Fahrtwasser zurück. Auch mit dem Titelsong geht er kein Risiko mehr ein. Was bei Lamontagne schlicht heißt, auch „A Gossip In The Grain“ ist ein wunderschöner Song, wie ihn momentan im Singer / Songwriter Metier wohl kaum ein zweiter hätte schreiben können.

Abschließend bleibt allen Skeptikern, die bezweifelten Ray Lamontagne könne das Niveau von „Till The Sun Turns Black“ wieder erreichen oder gar toppen, zu sagen: „Recht habt ihr gehabt! “ Nicht ein schlechter Song, für sich genommen erreicht jeder Song auf „Gossip In The Grain“ das Niveau der Songs auf „Till The Sun Turns Black“, doch der ganz große Bogen, der das Album zusammenhält, ist nicht ganz so perfekt gelungen. Die geniale unnachahmliche Atmosphäre des Vorgängers kann nicht einmal Ray Lamontagne rezitieren. Doch sei's drum für ein Album wie „Gossip In The Grain“ würden selbst gestandene Kollegen morden.

Anspieltipps:

  • You Are The Best Thing
  • I Still Care For You
  • Winter Birds
  • Meg White
  • Henry Nearly Killed Me (It’s A Shame)

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