Julia Hülsmann Trio - The End Of A Summer - Cover
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Julia Hülsmann Trio The End Of A Summer


  • Label: ECM Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Manche Alben sind wirklich schwer zu bewerten, weil ihnen nicht unbedingt daran liegt, was Musik heutzutage eigentlich ausmacht: Sie sollen unterhalten. Es ist jetzt nicht so, dass das Julia Hülsmann Trio, bestehend aus eben dieser Julia Hülsmann am Piano, Marc Muellbauer am Double-Bass und Heinrich Köbberling am Schlagzeug, nicht unterhalten will, nur klingt das Album „The End Of A Summer“ nach einer durchorganisierten Jamsession. Es wirkt roh und doch sanft, unfertig und doch findet man nicht wirklich eine Stelle, an der man sich gezwungen sieht, der Meinung zu sein, hier fehle etwas. Die Musik erinnert an eine gewisse Aufbausimulation, die überwiegend mit dieser minimalistischen Art von Jazz unterlegt war.

„The End Of A Summer“ bietet Melodien, die ewig im Kopf haften und doch nie den Weg dorthin finden. Klingt paradox? Ist es auch! Gewollt wird man nicht, niemals die Melodien dieses Albums vor sich hinsummen (außer vielleicht die Melodie von „Kiss From A Rose“, das Lied ist ja aber auch gecovert). Es ist einfach nicht wirklich möglich, die Melodien zu summen, wenn man sie nicht gerade hört. Hört man sie aber, klingt es, als begrüße einen ein alter Bekannter, den man auf den ersten Blick nicht sofort wieder erkennt, sich dann aber umso mehr freut, wenn man sich an die gemeinsame Vergangenheit erinnert. Das alles können diese Instrumentalstücke aussagen, tun sie aber nicht bei jedem. Dieses Album ist daher nur schwer zu bewerten. Manche werden sich sofort zu hause fühlen und ein Lächeln auf den Lippen haben, wenn das beschwingte „Quint“ erklingt oder einen leichten Schauer spüren, wenn das leicht düstere „Last One Out“ ertönt.

Die Anderen werden sich freilich wundern, wo der Clou ist. Woran man sich bei diesen wenigen, vereinzelten Tönen wie in „Senza“ festhalten soll. Ist das nicht einfach nur Hintergrundgeklimper eines zweitklassigen Nachtclubspielers, dem gerade kein besseres Lied eingefallen ist? Allerdings sind diese Leute zu bedauern, denn es gibt Nichts, was man dem Julia Hülsmann Trio vorwerfen könnte, außer dass das Album durch die Reduktion keine Fahrt aufnimmt. Es werden verschiedene Klangbilder abgegeben, die völlig abstrakt und doch ganz klar und klassisch gemalt sind. Liebhaber werden ihre helle Freude haben, auch wenn sie das Album gewiss nicht immer am Stück hören werden. Jeder kann sich aber jederzeit freuen, wenn auf dem MP3-Player per Randommode plötzlich ein Lied dieser deutschen Jazzgruppe ertönt. Irgendwo zwischen modernem Pop und heftigem Rock ist diese Musik genau das richtige, um nicht nur die Musik, sondern auch mal alles drum herum genießen zu können und abzuschalten ohne auszuschalten. Es ist schwer so eine Aussage zu beurteilen, genau wie dieses Album.

Anspieltipps:

  • Konbawa
  • Last One Out
  • Gelb

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