Prinz Pi - Neopunk - Cover
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Prinz Pi Neopunk


  • Label: Urban/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Diesen ganzen Ghetto-Mist kann ja auch keiner mehr hören!

Wer sich mal nach einer Alternative zu Deutschlands Gangsta-Rap-Gilde umsehen sollte, muss sich den Berliner Underground-Rapper Friedrich Kautz alias Prinz Pi auf den Einkaufszettel schreiben. Der 29-Jährige aus dem Royal-Bunker-Umfeld (seine ersten offiziellen Alben erschienen auf dem Underground Kult-Label) ist seit Ende der 90er Jahre als Rapper unterwegs. Mit „!Donnerwetter!“ (09/2006) erreichte er erstmals die deutschen Verkaufscharts (Platz 56) und mit seinem neuen Werk „Neopunk“ erscheint Prinz Pi erstmals auf einem Majorlabel.

Im Prinzip war dieser Schritt längst überfällig, denn was der ehemalige Porno-Rapper (Prinz Porno) inzwischen sowohl musikalisch mit der Unterstützung des Produzenten Biztram als auch inhaltlich anstellt (nämlich fortschrittlichen Elektro-HipHop/Rap zu produzieren und nicht die üblichen Klischees herunterzubeten), ist aller Ehren wert. Für „Neopunk“ erfindet sich Prinz Pi auch imagetechnisch neu und liefert als anonymer Cyber-Anarchist ein durchweg spannendes Album ab, das sich auch an sozialkritische Themen herantraut („Spür die Wut“) und z.B. mit dem alltäglichen Schwachsinn in der heutige TV-Landschaft abrechnet („Wir bleiben immer Anti“).

Der Sound ist bewusst simpel gehalten – freilich ohne billig zu wirken – was sich gerade auf die Eingängigkeit der Tracks sehr positiv auswirkt. Und was ist falsch daran, wenn ein HipHop-Album partytauglich ist? Nichts! Prinz Pi und Produzent Biztram finden auf „Neopunk“ genau die richtige Balance aus anspruchsvollen Sounds/Lyrics und klassischem Styler-Gehabe, bei dem es auch mal etwas derber zur Sache gehen kann („Schädelficken“, „Schlag die Faust“). Die Gastbeiträge von DJ Craft (K.I.Z.), Casper und Bina fügen sich wie aus einem Guss in den Flow der 17 Tracks ein und am Ende steht die Erkenntnis, dass deutscher HipHop tatsächlich noch spannend und kurzweilig sein kann. Diesen ganzen Ghetto-Mist kann ja auch keiner mehr hören!

Anspieltipps:

  • Nerdhymne
  • Spür die Wut
  • Aschenbecher
  • Schlag die Faust
  • 8 Bit Untergrund
  • Schläferstündchen
  • Wir bleiben immer Anti

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