Sven Van Thom - Phantomschmerz - Cover
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Sven Van Thom Phantomschmerz


  • Label: Starwatch/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Phantomschmerz ist ein Schmerz, der nach dem Verlust eines Körperteils auftritt. Obwohl der Patient den betroffenen Körperteil nicht mehr besitzt, verspürt er dort dennoch Schmerzen. Das Gehirn interpretiert die Signale der Nerven als Schmerzen im amputierten Körperteil. In diesem Sinne wandelt der Hörer von Sven Van Thoms „phantomschmerzigen“ Debüt wohl häufiger als erwünscht auf den ohrlosen Pfaden eines Vincent Van Gogh.

Van Thom wurde durch den Song zum Trailer eines Pro7 Blockbuster namens „Wie Ein Einziger Tag” bekannt im Mainstreamland. Der Erstling des Berliners handelt von Liebe, der Liebe und der Liebe und schafft es leider nur sehr selten die Qualität eines musikalischen B-Movies zu überbieten. Vielleicht liegt dies auch an der unerwarteten Popularität, die über Nacht auf den jungen Berliner hereinbrach. Das Video zur ersten Singleauskopplung „Trauriges Mädchen” wurde auf Youtube in nur wenigen Tagen über 100.000 mal angeklickt und die Plattenfirma, die gerade erst in den Vorbereitung zur Single-VÖ steckte, war wohl selbst über den enormen Ansturm überrascht. Kann man sich mit seinem traurigen Mädchen zumindest noch ansatzweise arrangieren - die süße Stimme von Svens Duettpartnerin Synje Norland schmeichelt sich zugegeben äußert zuckersüß ins Ohr - tummeln sich auf „Phantomschmerzen” hauptsächlich Songs, deren meist ironisch angedachten Texte aufgrund der mangelnden Schreibkompetenz ihres Verfassers meist ins lächerliche und kitschige abdriften.

„Hier mein Beweis, Tränen auf Steinen, ich bin so glücklich ich könnte weinen” holpert es auf „Ich Könnte Weinen” und lediglich der nette Singer-Songwriter Flair mit Akustikklampfe und Streichern rettet diese Nummer noch gerade so vorm Untergang. Wie auch die beiden von Mundharmonika dominierten, mit ihren flotten Harmonien und reduzierten Lyrikpassagen auch noch hörbaren „Sing Ein Lied” und „Sie Hat Einen Namen”. Der Rest bewegt sich zwischen schlageresker Silbereisenkompatibilität („Terroristen Aus Liebe“), akustischer Belanglosigkeit („Unsere Erste Scheidung, „Schlecht Im Lügen“) und Lieder für die man sich beinahe fremd schämen muss. So ist die Intention eines „Lady Snowflake” gegen gesellschaftliche Engstirnigkeit und soziale Abgrenzung durchaus lobenswert. Wenn dabei aber Textpassagen wie „Halb Apache, halb Albino, deine Augen rot wie Wein, sitzt du ganz allein im Kino, nur hier kannst du sicher sein” aus den Lautsprechern sprudeln, verliert auch jedes gut gemeinte Vorhaben seinen Wert. Und wenn Sven Van Thom zum Schluss auf aller lustigste Art und Weise versucht einen Seitenhieb gegen den „bösen“ Gangsterap zu landen, indem er Deichkind, Wir sind Helden und Fanta4 in einer großen brennenden musikalischen Mülltonne vermengt und seinen locker lässigen Sprechgesang mit einbringt, wirkt das einfach nur aufgesetzt, lächerlich und Fehl am Platz!

Die „Phantomschmerzen” werden hier ihrem Namen nicht gerecht. Denn das Gros an negativen Eindrücken dieser Platte ist wahrlich nicht Fehlinterpretationen des Gehirns zuzuschreiben. Sven Van Thom schießt mit seinem Debüt weit am Ziel vorbei. Was durchaus eine unterhaltsame und interessante Scheibe hätte werden können (denn die musikalischen Ansätze sind teilweise vorhanden) verwandelt sich leider bis auf einige Ausnahmen zu einem Weiterskip-Album aller erster Kategorie.

Anspieltipps:

  • Trauriges Mädchen
  • Sing Ein Lied
  • Sie Hat Einen Namen
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