Lambchop - Oh (Ohio) - Cover
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Lambchop Oh (Ohio)


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Wind peitscht den Regen gegen die Fensterscheiben. Die Stunden, die die Sonne täglich für gute Stimmung sorgt, lassen sich an einer Hand abzählen. Und wer Energie sparen aber nicht frieren möchte, muss es sich mit einem Tee und einer Wolldecke auf dem Sofa gemütlich machen. Nichts Neues: Es ist Herbst. Und wie selbstverständlich passt sich auch die Musikauswahl für den gemütlichen Sofa-Abend der düsteren Stimmung an. Idealer Begleiter für düstere Herbstabende sind schon seit 14 Jahren die Musiker von Lambchop aus Nashville.

In diesem Jahr drängt sich Lambchop förmlich auf, denn viele Musikliebhaber werden die CD ihr eigen nennen, ob sie nun wollen oder nicht. Kurt Wagner und seine Band verschenken die CD förmlich, liegt sie doch der aktuellen Ausgabe des deutschen Rolling Stone bei. Nun gut, vielleicht ist die Holzhammer-Methode nötig, damit auch der letzte Musikfan merkt, was für begnadete Musiker sich hinter Lambchop verbergen. Die Alben von Lambchop sollten Pflichtlektüre von Schulbands werden, denn eindrucksvoll beweist das mal mehr, mal weniger große Orchester um Kurt Wagner, dass auch viele Instrumente nicht in lauten Krach münden müssen. Fast übervorsichtig spielen, nein streicheln, die diesmal elf Musiker ihre Instrumente, um sich bloß nicht in den Vordergrund zu spielen. Nur bei „Popeye“ werden sie zum Ende hin einmal losgelassen, als hätten sie von Kurt Wagner die Anweisung bekommen: „Nun haut mal einen raus! – doch so richtig trauen sie sich auch hier nicht.

Dem eingefleischten Fan kommt übrigens nicht nur „Popeye“ verdächtig bekannt vor. Auf seiner Solo-Tour im vergangenen Jahr teste Kurt Wagner diese Songs nicht nur aus, sondern überließ sie den Konzertbesuchern auf der spartanischen Solo-CD „Kurt“. Die stolzen Besitzer diese Rohfassungen dürfen sich glücklich schätzen, die vielen Songperlen noch in weniger stark produzierten Versionen zu besitzen.

In die Produktion hat Lambchop diesmal nämlich richtige Energie gesteckt, naja oder auch nicht, denn als die Songs fertig waren, haben Lambchop sie zwei Produzenten in die Hand gegeben. Sechs Versionen von Roger Moutenot und fünf von Mark Nevers haben den Weg auf „Oh (Ohio)“ gefunden. Unterstützung bekommt Kurt Wagner beim Gesang zeitweise („Ohio“, „Slipped Dissolved And Loosed”) sogar von einer dezenten Co-Sängerin, die mit ihrer sauberen und reinen Stimme wunderbar der Brüchigkeit von Wagners Stimme entgegen steht. Seine Stimme ist überhaupt ein Faszinosum. Zum Sänger eigentlich völlig ungeeignet, ist es genau dieser fragile Gesang, der – ohne dabei weinerlich oder leidend zu klingen – die besondere Note ausmacht.

Ansonsten ist es die ganz exquisite Besonderheit – das gewisse Etwas – das diesem Album zur Höchstbewertung fehlt. Die Songs sind durchweg hervorragend, doch die eindringliche Gänsehaut wie sie sich etwa beim Meisterwerk „Is A Woman“ (2002) bei Songs wie „Caterpillar“ oder „My Blue Wave“ einstellte, will sich diesmal nicht durchsetzen. Unter einer wohlig warmen Wolldecke lässt sich die Gänsehaut beim Genuss dieses Albums noch so eben wegkuscheln.

Anspieltipps:

  • Slipped Dissolved And Loosed
  • A Hold Of You
  • Popeye

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