Dir En Grey - Uroboros - Cover
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Dir En Grey Uroboros


  • Label: Gan Shin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Dir en Grey mussten sich in den letzten Jahren immer wieder viel Kritik aus dem eigenen Fan-Lager gefallen lassen. Zunächst wurde ihr Abgang von der Musikrichtung „Visual Kei“ hin zu einer härteren Gangart als Anbiederung an den im Westen stark verbreiteten Metalcore angesehen. Zweifelsohne war die 2006 veröffentlichte Single „Screams of Maggots“ reiner Metal, das folgende Album jedoch bot eine sehr ausgewogene Mischung zwischen ihren ruhigen Wurzeln und der neu gewonnenen Härte. Als diese Ausgewogenheit kaum Kritik zuließ, wurde der nächste Aufhänger gefunden. Denn der Großteil der neuen Songs auf „The Marrow of a bone“ war in englischer Sprache. Grund genug, darin wieder einmal die Anbiederung an den Westen erkennen zu wollen. Dabei wollen die Japaner doch nur nicht stagnieren und versuchen sich von Album zu Album weiterzuentwickeln, was ihnen bisher immer auch in eine positive Richtung gelang. Diesmal lässt sich, wie man schon unschwer an den Songtiteln von „Uroboros“ erkennen kann, auch dieser Punkt nicht als Kritik aufgreifen. Aber man kann sich fast schon sicher sein, dass die japanischen Fans der fünfköpfigen Truppe auch diesmal wieder irgendeinen Aufhänger für eine erneute Diskussion finden. Da uns Europäern solche Probleme bezüglich der Truppe fern liegen, können wir uns ganz auf die Musik der neuen Scheibe fokussieren.

Und die ist auch diesmal wieder grandios gelungen! Der Spannungsbogen wird mit dem Opener „Sa Bin“ bis auf das äußerste aufgebaut. Das sich anschließende „Vinushka“ ist ein beinahe zehn Minuten langes Stück, das einem sowohl ruhigere Passagen, als auch verstörenden Metalcore und Death Metal anbietet. Es ist äußerst schwer, den Zuhörer zehn Minuten lang innerhalb eines Stückes bei Laune zu halten. Doch Dir En Grey haben es mit diesem Lied geschafft! Die Progressive Note des Liedes sorgt außerdem dafür, dass man auch nach dem zwanzigsten Durchlauf nicht einen Anflug von Müdigkeit verspürt. „Red Soil“ und „Doukoku to Sarinu“ bedienen sich dann schon deutlicher am Metalcore, allerdings nicht ohne ruhigere Parts und krankhafte Krächtslaute von Sänger Kyo mit einzubeziehen und somit eine eigene Dir En Grey-typische Note zu erzeugen. Aber keine Angst, die Japaner beherrschen auch immer noch langsame Nummern, wie sie in den folgenden Liedern „Toguro“ und „Glass Skin“ beweisen, natürlich nicht ohne diesen Stücken auch eine progressive Note zu verpassen. „Stuck man“ gibt im Anschluss wieder Gas und lässt damit Raum für Shoutvocals und Growls. Generell ist die Bandbreite von Kyo mehr als beeindruckend. Die hervorragende cleane Stimme ist nicht minder überzeugend, wie seine Shoutvocals. Die einzige Nummer, die ruhig hätte etwas kürzer ausfallen können, ist die gut sieben Minuten lange Ballade „Ware, Yami, Tote…“. Aber selbst der Song fällt nicht sonderlich schwächer aus, als der Rest des Albums. Mit „Inconvenient ideal“ findet das Album dann einen für meinen Geschmack etwas zu gemütlichen Abschluss.

Und wieder einmal stellt sich die Frage, wieso eigentlich Dir En Grey mit dieser zerrissenen, teilweise verstörenden und gleichzeitig auch wieder entspannenden Musik so erfolgreich sind. Nun, dass muss jeder für sich selbst herausfinden. Fesselnd ist die Musik der Japaner auf jeden Fall immer wieder mehr als genug. Und wer es schafft, so viele Stile in so beeindruckender Manier miteinander zu verknüpfen, der hat nicht weniger als Erfolg verdient. Bleibt nur noch eine Frage offen: Wann kommt die Band endlich wieder nach Deutschland?

Anspieltipps:

  • Vinushka
  • Doukoku to Sarinu
  • Gaika, Chinmoku ga Nemuru
  • Next Closed Door

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