Tocotronic - Pop Portrait - Cover
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Tocotronic Pop Portrait


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 75 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Hamburger Label Pias Recordings, welches großartige Acts beheimatet, die stilistisch vielfältig für jede Menge große Würfe sorgen, geht in die zweite Runde ihrer Compilation-Reihe „Pop Portrait“. Nachdem Jan Delay vorgelegt hat, geben sich die wiedererstarkten Tocotronic die Ehre und holen ihre Perlen aus dem Plattenschrank, um sie auf einer Compilation zu vereinen. So bestaunt man einige Stile zwischen Songwriter-Techno, schrägem Indierock, hymnischen Pop-Songs, Lofi-Spaß und dem Cover des DJ Pierre House-Tracks „Muzik“ von Tocotronic selber. Für bizarre Eigenheiten sind die vier Herren von Tocotronic natürlich auch zu haben, was sich besonders bei Klaus Beyers “Ballade von Struppi” zeigt. Der Kreuzberger Musiker singt vor allem Songs der Beatles auf deutsch nach und verdingt sich auf dieser Zusammenstellung auf Wunsch von Tocotronic-Bassist Jan Müller mit einem eigenen Track.

Rick McPhail sorgt mit seiner Wahl für die grandiosen Grundlagen aus der Geschichte des Indie-Rocks: Sonic Youth pendeln bei “Schizophrenia” zwischen erdiger Hymne und einzigartigen Noise-Ausbrüchen, die auch der Ex-Pavement-Kopf Stephen Malkmus markant und eindringlich hochhält. Groß auch die Wahl von Dirk von Lowtzow, The Fall und The Magnetic Fields ins Spiel zu bringen. Während der einst von Tocotronic besungene The Fall-Mastermind Mark E. Smith mit “My New House” dank breiter Gitarrenwände und trüber Ausstrahlung bezaubert, tun dies The Magnetic Fields mit Sixties-Pop und einer Gratis-Portion guter Laune.

Wie man bereits nach der Hälfte der Spieldauer feststellen kann, ist Tocotronic mit ihrem “Pop Portrait” eine überaus lebendige, ereignisreiche Compilation gelungen, die trotz diverser Genres geschmackvoll ineinander greift und zum wiederholten Hören ermuntert. Nicht nur die Klassiker von Sonic Youth, The Fall oder Stephen Malkmus kann man sich täglich geben, auch die nur spärlich bekannten Mutter bieten ausgefeilten Indie-Rock und halten zurecht ihren Ruf als Geheimtipp hoch. Die Red House Painters servieren güldene Melancholie und schwelgen mit Suchtfaktor, wobei der bereits erwähnte Klaus Beyer schon äußerst schräg die Einfachheit eines Kinderliedes herausfordert, doch trotz Nonsens-Breitseite aufgrund der ausgleichenden anderen Tracks am Totalausfall vorbei gleitet. Die verschiedenen Akzente sind dann auch das Herzstück von “Pop Portrait”, die im Falle von Tocotronic auch noch perfekt harmonieren und fast ein klassisches Album ersetzen, aber eben auch nur fast! Ein toller, kurzweilige Ausblick auf die Plattenregale der Vier, dem man öfter frönen wird.

Anspieltipps:

  • Schizophrenia - Sonic Youth
  • No More Shoes - Stephen Malkmus & The Jicks
  • Washington DC - The Magnetic Fields
  • Shock Me - Red House Painters
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