Waltari - The 2nd Decade: In The Cradle - Cover
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Waltari The 2nd Decade: In The Cradle


  • Label: Drakkar/SonyBMG
  • Laufzeit: 57 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist mal wieder Zeit für ein Best Of! Die Ära der Band Waltari neigt sich wohl dem Ende zu, dass es zu diesem Fakt kommt. Oder soll das nur einen neuen Schub geben? Frontmann Kärtsy Hatakka (Gesang, Bass, Keyboards) hat sich ja auch so ganz ordentlich gemacht als Komponist der Max Payne Spiele. Die Finnen haben national im letzten Jahrzehnt für viel Aufsehen gesorgt, waren hoch angesehen und protzten mit ihren damals durchaus überraschenden Ideen. Sie waren so was wie Nordic Placebo. Komischer Vergleich, aber so hätte Placebo durchaus klingen können, wenn sie aus Skandinavien wären. Die Riffs sind unverkennbarer Wikingerhardrock und dazu gesellen sich Elektronik und Effekte der (damals) anderen Art.

Greift man jetzt unwissend zur neuen Veröffentlichung „The 2nd Decade…“ bekommt man einen ganz anderen Eindruck von dieser Band. Recht konventioneller Rock, der hier und da richtig gute Melodien abliefert. Es weist nichts auf eine Band hin, die Death-Metal-Opern schreiben könnte oder dergleichen. Man „bangt seinen Head“ bequem zu den Strophen von eingängigen Stücken wie „One Day“ und im Refrain kann inne gehalten werden und nach Lust und Laune mitgesungen werden. Und sobald der Placebo-Effekt weggespült ist, kommen Nu-Metal-Elemente zum Vorschein. Wohl bekomm’s!

Lust auf mehr macht das Album aber tatsächlich erst, nachdem die Elektroeinlagen vorherrschender werden, denn nun erinnert Waltari an Songs aus dem Matrix-Soundtrack. Diese Symbiose aus Hardrock und Clubatmosphäre. Nur in den Refrains (z.B. „Helsinki“) herrscht immer wieder ein wenig sehr pathetische Stimmung vor. Ansonsten sind Songs dieser Marke aber Spitze. Diese Art der Komposition gefällt nun bestimmt nicht jedem und wäre dieses Best Of noch im selben Jahr wie Matrix Revolutions erschienen, wäre mehr Erfolg versprochen. In manchen Liedern wird der Elektroeffekt aber auch übertrieben oder es scheint im heutigen Kontext zumindest so und da liegt die Schwäche des Albums. Es erscheint nicht mehr zeitgemäß. Viele Tracks wirken durch den Retrohauch zwar interessant, der Rest wirkt aber schlichtweg überholt. Die Musik erscheint wie ein Experiment der Vergangenheit, ein Wegbereiter, aber noch kein ausgefeiltes Prinzip.

Wenn das Album jetzt nicht gerade zu sehr in die 80er abdriftet oder es mit dem Pathos wieder übertreibt, beweisen ein paar Lieder das Potenzial und die Ideen der finnischen (Ex-)Kultband. Ein paar Lieder sind insgesamt natürlich zu wenig und dann kommt noch dazu, dass der Gesang diesem Experimentgeist noch Futter gibt. Wer aber mal skandinavische Wurzeln des Nu-Metal hören will, der sollte sich von dem Urteil, dass hier kein geniales Best Of vorliegt nicht abschrecken lassen. Auch für den Hörer kann das ganze ja durchaus ein durchwachsendes, doch interessantes Hörexperiment sein.

Anspieltipps:

  • One Day
  • Helsinki
  • Death Party

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