Godsplague - H8 - Cover
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Godsplague H8


  • Label: Drakkar/SonyBMG
  • Laufzeit: 38 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Manche werden Godsplague nur als ganz gewöhnliche härtere Rockband aus Skandinavien abtun. Das ist ein Fehler. Eher verhalten geht man an eine CD an, die (mal wieder) das ganz große Ding aus den europäischen Nordstaaten sein soll (diesmal wieder Finnland), allerdings lassen Sänger Nico Hartonen, der Ex-Waltari/Leningrad Cowboys/Lullacry/The Black League-Gitarrist Euge Valovirta, Arska Hietala am Bass und der Schlagzeuger Atte Sarkima dem Hörer keine fünf Sekunden, um nicht gleich hellhörig zu werden. So muss das Album einer unbekannten Band beginnen. Die Kraft und Härte von „Zero Mission“ trifft nicht nur die Gehörnerven, sondern auch den Rest des Körpers und wer auf einem Konzert dieser Band still halten kann, ist einfach kein Heavy-Metal-Jünger! Boom, das knallt vielleicht! So siedelt sich die Eröffnung irgendwo zwischen Slipknot und Metallica an und trifft so den Nerv dieses Musikjahres, den genau diese beiden Bands haben ja erst vor kurzem jeweils sehr ansprechende Alben auf den Markt gebracht.

Nach der unerbittlichen Walze „Zero Mission“ kann es doch gar nicht mehr schöner werden, oder? Weit gefehlt, denn wofür wurde das Wort Variation denn erfunden? „Useless“ knüpft noch stärker an Slipknot an, indem das Tempo erhöht wird, so dass das Lied außer Heavy keine andere Deutung zulässt. Auch der melodische Gesang im Refrain nimmt nur so viel Härte und Kanten weg, dass dieser unwiderstehliche Charakter, der die Massen bewegen wird, nicht abbricht. Wer sich übrigens an den Anlehnungen schwer tut: Natürlich passen einige Bands, gerade im Verlauf des Albums noch besser zum Vergleich, doch so wird das Potential, ganz oben mitzuspielen, verdeutlicht. Auch der „Gesang“ von Nico Hartonen schafft eine Palette vom typischen Nordmetalsänger bis zu Metallica-Stimme James Hetfield und davon profitieren sowieso schon toll durchstrukturierte Songs wie „Into Oblivion“. Viele Bands hätten diese Lied verweichlichen lassen, aber so weit lassen es die vier Finnen nicht kommen und nutzen die Melodik, um flexibel zu wirken. So hört sich dann nämlich auch „I Will Break You“ an, dass durch die Melodik beinahe ins Hard-Rock-Café passen würde, wenn die echte Härte des tief gestimmten Bass nicht wäre.

„The Depth“ präsentiert sich dann auch in neuem Gewand mit Intro, ruhigen Strophen und nur dem Refrain als heftigem Gegenstück. Hier rutscht Godsplague ein wenig in den Mainstream ab, während der Bridge. Es überwiegt aber das Positive, bei Weitem! Dann kommt der einzige negative Punkt dieses Albums zum Vorschein: „Hope“. Ein ruhiges, völlig aus dem Rahmen fallendes Instrumentalstück, dessen einzige Daseinsberechtigung eine Pause zwischen der ersten und der zweiten Albumhälfte ist. Dramaturgisch nachvollziehbar, aber auch ruhige Instrumentalstücke lassen sich eindrucksvoller gestalten. Die Idee ist da, aber als konsequentes Bindeglied lässt sich „Hope“ nicht erkennen.

Umso mehr weckt das prägnante, nölende „All You Are“ aus dieser Zweiminutenlethargie und prügelt den Heavy Metal nur so in den Hörer rein. Manchen wird das Lied vielleicht zu hektisch sein, aber die Präsenz des Songs ist zu erdrückend, um es nicht doch zu mögen. „Timebomb“! Ha, endlich kann der Kritiker auch über einen richtigen Track lästern, denkt er zumindest. Die ersten Sekunden hauen einen nicht vom Hocker und kündigten einen behäbigen Midtempo-Song an, bis nach 22 Sekunden ein treibender Riff das Lied unaufhaltsam vorantreibt und eine geniale Variation des eher mäßigen Beginns im Refrain sein Revival erlebt. Das Lied zum Ausrasten, dass gnadenlos das Ende einleitet ist „Don’t Come Back“, welches sich am Ende in einem ewig langen Instrumentalteil verliert, ohne zu langweilen. Das ist gut und auch das massenkompatible „Under The Fire“, welches einen reinen Mitsingrefrain mit fast schon weicher Gitarre (auf jeden Fall für Godsplagueverhältnisse) und Arena-Gesang steht dem Rest des Albums dank vielen harten Riffs und dem Gespür für Heavy Metal in Nichts nach.

Jetzt wächst natürlich die Spannung auf den Titeltrack „H8“. Ganz zum Schluss das große Finale also und da stellt sich die Frage, ob das grandiose Niveau auch hier noch gehalten werden kann. Der Hörer hat genau 15 Sekunden, um zu erkennen, dass er schnellstmöglich Platz um sich schafft, damit er ohne Rücksicht auf Verluste den Kopf schütteln und die Glieder unkontrolliert durch die Gegend schleudern kann. „H8“ ist noch mal ein Rockkracher, der auf diesem Terrain seines Gleichen sucht. Godsplague müssen sich nicht verstecken. Im Gegenteil sind sie das wohl positivste Heavy-Metal-Ereignis des Jahres neben Metallicas „Death Magnetic“. Nur „Hope“ und letzte Kleinigkeiten an manchen Songs verhindern bei diesem fantastischen Metal-Erlebnis die Höchstwertung.

Anspieltipps:

  • I Will Break You
  • H8
  • Under The Fire

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