Randy Crawford And Joe Sample - No Regrets - Cover
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Randy Crawford And Joe Sample No Regrets


  • Label: Emarcy/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn man heute von Jazz spricht, ist das Vieles, nur nicht das, was man früher Jazz nannte. Als bestes Beispiel lässt sich das gerade erschienene Christopher-Cross-Album zur Hand nehmen. Cross bedient sich zwar den typischen Elementen des Jazz, anstatt diese Elemente aber mit Blues zu mischen, klebt er Pop und seine Songwriterkünste an seine Kreationen. Solche Ausartungen versteht einer der alten Jazzschule wie Joe Sample nicht. Die raue, mal melancholische, mal verträumte und manchmal sogar verspielte Quintessenz des Blues macht Jazz für Sample erst zu richtigem Jazz. Um das verloren gegangene Genre aus der Vergessenheit ins Diesseits zu befördern, ohne Popverfälschung hineinzubringen, setzte der 69-jährige sich mit seinem Freund, dem Produzenten Tommy LiPuma, zusammen und fertigte eine Liste alter Jazzklassiker zusammen, die er mit einer Jazzstimme der neuen Generation neu einspielen wollte. Als perfekt erwies sich die Sängerin Randy Crawford, die bei dieser Arbeit mit dem Altmeister viel über den alten Jazz lernte, selber zugab, dass sie die Lieder nicht alle kannte. Horizonterweiterung und Zusammenarbeit mit einer kleinen Legende. Nicht schlecht.

Schon der Beginn des Albums mit den Titeln „Everyday I Have The Blues“ und „Today I Sing The Blues“ machen deutlich, welcher Musikrichtung, neben dem Jazz, hier Respekt gezollt wird. Beide Tracks schaffen es ohne viel Tempo zu elektrisieren und richtig gute Musik in den Gehörgang des Hörers zu bringen. Randy Crawfords Stimme fängt einen Teil der Originalstimmung ein und doch ist ihr das moderne anzuhören (der ganzen Produktion). Die Symbiose gelingt, auch wenn es fraglich ist, ob diese CD wirklich neue Kundschaft und Liebhaber kennen lernen wird. Wunderschöne Balladen wie „Angel“, „Me, Myself And I“ oder natürlich „Angel Of The Morning“ sind ohne Frage klasse, nur wird es die junge Generation nicht von Snow Patrol, Coldplay, Keane und Konsorten loseisen können.

Wenn das funkig angehauchte „Respect Yourself“ zum Mitsingen einlädt, „Don’t Put All Your Dreams In One Basket“ eine Jazz-Club-Stimmung sondergleichen hervorruft oder „Lead Me On“ dem Blues wie nur wenige andere Lieder huldigt, sieht man sich im Spiegel mit zwei weinenden Augen. Das eine tränt, weil die Interpretationen wirklich super gelungen sind und es über die gesamte Zeit unterhält und das andere weint, weil dieses Projekt nicht die Aufmerksamkeit bekommen wird, die es verdient. Es bleibt nur die Hoffnung, dass einige aus der jungen Generation dieses Album über Umwege vor die Füße geschmissen bekommen und sie so zu ihrem Glück gezwungen werden.

„No Regrets“ geht nicht mit der Zeit, hält sie aber auch nicht an. Es will schlichtweg zeigen, dass Jazz auch heute noch wunderbar funktioniert. Dieses mehr als einfach nur ambitionierte Stück Musikgeschichte wird zwischen den Rihannas und Oasis’ dieses Jahres verschwinden, als sei es nie da gewesen. Jeder, der diese CD kauft und im Anschluss an den ersten Hördurchgang das Radio einschaltet wird es unbegreiflich finden, wie es so weit gekommen ist, dass uninspiriertes Beatgekloppe à la Scooter die Charts stürmt. Im Extremfall läuft mal wieder Shaggys Interpretation von „Angel“, dass bei weitem nicht mit der Havanna-Version von „Angel Of The Morning“ mithalten kann.

Anspieltipps:

  • Angel
  • Me, Myself And I
  • Lead Me On
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