Bernhard Eder - Tales From The East Side - Cover
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Bernhard Eder Tales From The East Side


  • Label: Solaris Empire/Broken Silence
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Eder ist sich nicht zu fein, um zu experimentieren.

Es gibt grob gesehen zwei verschiedene Hauptarten von Konzertbesuchen: Man geht gnadenlos zu der Musik des Interpreten ab oder man genießt es einfach nur, indem man bedächtig zuhört, zwischendurch zufrieden schmunzelt, kurz die Augen schließt und sich sanft, einer großen Welle gleich, sanft im Raum wiegt, gemeinsam mit vielen anderen, hoffentlich zufriedenen Hörern. Besucht man einen Auftritt des Österreichers Bernhard Eder, dann ist eben dies garantiert, es sei denn man mag seine Musik nicht, doch dann ist man selbst schuld, falsch abgebogen zu sein und Wacken mal wieder verpasst zu haben. Bernhard Eder bringt bis zum letzten Ende durchproduzierten Pop, was stark nach den Kings Of Convenience klingt, durch eine Spur richtiger Songwriter mit Herzblut wie Damien Rice aber eine eigene Mischung ergibt.

Eder ist sich auch nicht zu fein, um zu experimentieren. Walzerrhythmen einzubauen („Polen #1“ und andeutungsweise in „Polen #2“), das Akkordeon erklingen zu lassen (wieder „Polen #1 und „ The Season Song“) und natürlich dürfen dann die nicht experimentellen, sondern viel mehr obligatorischen Streicher nachhelfen (natürlich auch in – Überraschung – „Polen #1“). So entsteht ein ansprechender Mix, der oft mitten ins Herz trifft – und das von der ersten Minute an! „Buried In Oblivion“ bringt so ziemlich Alles mit, was ein klassisches Lied, welches mit James Blunt und Konsorten in einer Liga spielen soll, haben muss. Eine eingängige Melodie, Einsätze von verschiedenen Instrumenten und ein sanfter, aber eindringlicher Gesang, der es nicht versäumt auch mal mit nicht immer gleichen Intensitätsgraden zu arbeiten. Dennoch überwiegt der sanfte und klare Charakter der Stimme.

„Polen #1“ vereint einfach so ziemlich alle Ideen, Elemente und Stärken des Albums und ist damit ein Muss, dass sich durch den Rhythmus vom Allerlei leicht abhebt. Ansonsten ist der Track höchstens eine Spur zu sanft geraten. Dass es – zumindest instrumental – auch flotter zugehen kann, beweist dann die Single „Now’s The Time“ und auch „Seperate“ ist ein beschwingtes Stück Musik. „The Season Song“ fügt sich eigentlich nahtlos ein, doch der hypnotisierende, stets gleich bleibende Riff der Gitarre sorgt für eine interessante Stimmung. Es ist, als würden die Jahreszeiten wirklich im Zeitraffer vorbeifliegen und immer wieder möchte man die zeit festhalten, einfrieren, doch es geht gnadenlos weiter und kehrt beständig zurück. Herrlich und da hat es Five Divided Four“ mit seiner Überlänge schwer. Es will durch seine Grobkörnigkeit im Gegensatz zu den Restlichen Liedern gefallen, an Damien Rices Stil erinnern und verfängt sich darin und wird zu einer übertriebenen Sigur-Rós-Episode und auch „Left To Lose“ ist einfach nur schön, nicht mehr und nicht weniger. Es fehlt die Kante oder der Clou an der Sache.

Das macht „Polen #2“ besser. Hier bekommt der Hörer nicht das Gefühl, dieses Lied auf dem Langspieler schon mal gehört zu haben und da auf Überlänge bei diesem langsamen, teilweise elektronisch angehauchten Stück verzichtet wurde, trifft der Österreicher den Hörnerv. „Silverstar“ kommt da im ersten Durchgang nicht sofort heran, aber spätestens beim zweiten Hören gefällt der Einsatz der E-Gitarre und das – für den Ausklang eines Albums typische – lange Instrumental-Outro. Nachdem die letzten Lieder eher ernste und auch etwas düstere Klänge von sich gaben, klingt der Abschluss „Waiting For“ wieder hoffnungsvoll und positiv gestimmt (woran ein Glockenspiel und viele lange „Mmmmmmhhhhhhs“ nicht unschuldig ist). So endet ein berührendes Singer/Songwriter-Silberling aus dem Deutschsprachigen Raum und auch wenn es hier keine Mitsinggarantie gibt, wird umso mehr genossen. Bernhard Eder ist ein Name, den man sich zu merken hat. Ohne wenn und aber muss der geneigte Hörer zustimmen, dass der Titel „Waiting For“ 1:1 auf das Warten auf die zukünftige Entwicklung des Talents passt.

Anspieltipps:

  • Buried In Oblivion
  • Polen #1
  • The Season Song

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