Jimi Blue - Sick Like That - Cover
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Jimi Blue Sick Like That


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist wirklich schwer jemanden zu beurteilen, dessen Zielgruppe altersmäßig zwischen 7 und 15 Jahren anzusiedeln ist, während man selbst hoffnungslos gegen die drei vor der Null anzukämpfen versucht. Man muss es einfach akzeptieren, dass ein Jimi Blue aus den Kinderzimmern, deutscher, vorpubertierender und zum größten Teil weiblicher Teenager nach außen dröhnt. Und es wäre auch vermessen ihnen die Freude an ihrem Superstar zu nehmen. Dienlicher scheint hier ein Wort an die verantwortlichen Erziehungsberechtigten, Produzenten und Marketingstrategen des mittleren Ochsenknecht zu richten. Das sind nämlich die eigentlichen Urheber, eines bis auf den allerletzten Euro durchgeplanten, sowie qualitativ kaum noch zu unterbietenden Schund an Sound und Lyrik.

„Sick Like That“ heißt das zweite Album des Teenie-Stylers Jimi Blue Ochsenknecht und trifft es auf den Punkt. Denn was die Schreiberlinge und Soundtüftler dieses Albums hier veranstaltet haben, ist im wahrsten Sinne krank und verleiht vergleichbaren Totalausfällen eines deutschen Pop-Buisness geradezu pädagogisch wertvollen Charakter. Viel zu sagen gibt es zu dieser Platte nicht und ehrlich gesagt wäre jedes Wort darüber eine Verschwendung von Lebenszeit, die Verfasser und Leser hätten sinnvoller nutzen können. Hier werden austauschbarste 08/15-Club-Beats mit Hippen Timberlake-Vibes und Gangster mäßiger 50 Cent Attitüde durch das bedauernswerte Mischpult gejagt. Und der liebe Jimi stottert dazu englische Sätze ins Mikro, die mit miserabel noch äußerst gnädig beschrieben sind.

Der Opener („The King Is Back“) wird zwar als „Comeback of the year“ angepriesen, ist aber musikalisch wie auch qualitativ von den zwölf anderen Songs kaum zu unterscheiden. Jimi stammelt vor sich hin, als hätte er manche dieser teilweise auch sehr bösen (Electric Bitch) ausländischen Wörter zum ersten Mal in den Mund genommen. Und da musikalisch ohnehin alles gleich klingt, an dieser Stelle wenigstens ein paar lyrische Höhepunkte, die stellvertretend für das kellertiefe Niveau dieses Albums stehen: Ob unfreiwillig komisch („Busting the rhymes is what I do without selling my soul for something new, you see the people saying maybe, but that ain’t it is why I’m driving Mercedes” / „Best Damn Life”), absolut sinnbefreit („Rollin’ down the window yeah, I have an air conditioner” / „Key To The City”), nur noch peinlich („Yah yah on the bus, yah yah on the train, riding in the car or flying on the plane“ / „Do The Yah”) oder mit dem Alter seiner sehr jungen Zuhörerschaft im Hinterkopf, drastisch unter der akzeptablen Gürtellinie bewegend („I got technique to bring you on your knees, you are high class mummy, you are poetry” / „Closet”).

Das hier macht wirklich krank. Nicht nur wegen eines sechzehnjährigen, dem von allen Seiten zugetragen wird, wie cool er ist und dem trotz seines künstlerisch beschränkten Horizontes Bravo, Viva und Co zu Füßen liegen. Dieser Abgesang auf musikalische Integrität und moralische Mitverantwortung ist hauptsächlich einer Musikbranche verschuldet, die es ohne jeglichen Funken Anstand auf die Ersparnisse Minderjähriger abgesehen hat. In zehn Jahren wird dem Jimi mit Sicherheit die eine oder andere Schamesröte ins Gesicht schießen, wenn er sich an sein heutiges Auftreten erinnern wird. Aber die wird mit einem kurzen Blick aufs prall gefüllte Bankkonto auch schnell wieder verschwinden. Kinder sind einfach unbezahlbar, oder was meinst Du Uwe?

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