Funeral For A Friend - Memory And Humanity - Cover
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Funeral For A Friend Memory And Humanity


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Memory and humanity“ ist das stärkste FFAF-Album seit „Casually dressed and deep in conversation“.

Die Hände zittern. Der Puls schnellt in die Höhe. Der Atem stockt. Endlich gibt es ein neues Album meiner Lieblingswaliser von Funeral For A Friend und es soll sich nach eigenen Angaben verstärkt an dem grandiosen Erstlingswerk „Casually dressed and deep in conversation” (11/2003) orientieren, dessen emotionale Dichte, Verzweiflung und Melancholie der Fünfer bislang in den folgenden Longplayern „Hours” (06/2005) und „Tales don´t tell themselves” (05/2007) nur in geringen Dosen wiederholen bzw. ausbauen konnte. Was natürlich nicht bedeutet, dass die Vorgänger zu „Memory and humanity“ schlecht gewesen wären, aber das gewisse Etwas, die rohe Aggression und Wut, die Sänger Matthew Davies mit seiner zwischen beruhigt und aufgebracht wirkenden Stimme perfekt transportieren konnte, war verschwunden. Ein kompakteres Klangbild ohne raue Kanten bestimmten den Output von Funeral For A Friend, dem anscheinend auch Darran Smith (Gitarre), Kris Coombs-Roberts (Gitarre), Gareth Davies (Bass, wurde Anfang September durch Gavin Burrough ersetzt) und Ryan Richards (Schlagzeug) nichts entgegenzusetzen hatten.

Trotzdem versprühten viele Songs einen einzigartigen Charme, den nur das Fünfergespann produzieren konnte, wodurch sich die Kritik in Grenzen hielt. Davies & Co. wissen das natürlich und kratzen nun mit „Memory and humanity“, das anfangs eigentlich nur eine 5 Track-EP werden sollte, aber aufgrund fruchtbarer Songwriting-Sessions zu einem vollwertigen Album umfunktioniert wurde, nicht nur die kreative Kurve, sondern auch erstmals seit fünf Jahren an dem unerschütterlichen Status von „Casually dressed and deep in conversation“. Zumindest ansatzweise, denn komplett ließ sich der glattgebügelte Rocksound natürlich nicht abstreifen. Nichtsdestotrotz steigen FFAF mit dem Opener „Rules and games“ ziemlich hart und rifflastig ins Geschehen ein und sorgen in „To die like Mouchette“ noch für den zusätzlichen Emo-Faktor, den „Kicking and screaming“ kurzerhand perfektioniert, wodurch schon einmal ein makelloser Einstand in die neue Scheibe geglückt ist. Die große Überraschung hört anschließend auf den Namen „Constant illuminations“, in dem Matthew (man glaubt es kaum!) endlich wieder seine Stimme erhebt und zu einem ordentlichen Befreiungsschrei ansetzt, während eine Hardcore-Breitseite durch die Boxen prescht. Herrlich!

Die folgenden Tracks „Maybe I am?“ und „You can´t see the forest for the wolves“ setzen ebenfalls auf hart rockende Sounds gepaart mit hymnenhaftem Ohrwurmfaktor, bis mit „Building” eine jammervolle Ballade eingebaut wird, die überhaupt nicht ins Konzept „Zurück zu den Anfängen“ passt und dem Album ebenso als Einleitung in die (gemessen an den ersten fast perfekten 20 Minuten) schwächere Hälfte dient, da hier einiges Material auf der Stelle zu treten beginnt oder an bereits vorhandene Songs der Waliser erinnert. Hervorstechend ist aber sicherlich das starke letzte Drittel von „Beneath the burning tree“, die Country-Elemente in „Charlie don´t surf“ oder das mit elektronischem Beiwerk versetzte „Constant resurrections“. Bei letzterem wirken die Synthesizer-Effekte allerdings stark fehl am Platz und die Idee hinter dem Song (langsamer Aufbau, fetziger Abschluss) hat man beim Vorgänger mit „The sweetest wave“ schon besser umgesetzt zu Ohren bekommen. Dennoch bleibt „Memory and humanity“ das stärkste FFAF-Album seit „Casually dressed and deep in conversation“ nicht nur zuletzt wegen der härteren Herangehensweise, sondern auch weil der Fünfer es glücklicherweise noch immer nicht verlernt hat, selbst bei einem schwächeren Song einen denkwürdigen Moment einzubauen, der das Album erneut wie aus einem Guss wirken lässt.

Anspieltipps:

  • Maybe I Am?
  • Constant Illuminations
  • Kicking And Screaming
  • You Can´t See The Forest For The Wolves

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