Snow Patrol - A Hundred Million Suns - Cover
Große Ansicht

Snow Patrol A Hundred Million Suns


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 58 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein selbst gebasteltes Sonnensystem bestehend aus vielen verschiedenen Sonnen - Snow Patrols neues Artwork dient als Albumcover, bildliche Darstellung des Namens und steht repräsentativ für den Sound der den Charakter des neuen Album „A Hundred Million Suns“ definieren würde. Selbst gemachtes mit Herz und einem Hauch von alt bekanntem. Mit dem fünften Album versuchen sich die Schotten und Iren von Snow Patrol, nach ihrem großen Erfolg des letzten Albums „Eyes Open“, in der Spitze des BritPop und Rock zu festigen. Auch „A Hundred Million Suns“ erscheint bei Polydor, hat man doch großen Erfolg mit den letzten beiden Alben gehabt. „Never change a winnig team“ und weil das so ist, hat sich weder die Vermarktung, noch großteils der grundlegende Sound von Snow Patrol verändert. Allerdings ist das Album nach dem großen Durchbruch bekanntlich meist das schwerste. Wie entwickelt man den eigenen Stil weiter? Da fällt schnell die Floskel des „erwachsen werden“. Man darf allerdings anzweifeln ob Snow Patrol noch „erwachsen werden muss“. Unreif ist etwas anderes.

Hoffnungsvoll, vertraut, positiv und melodisch sind die Schlagwörter des guten Openers „If There's a Rocket Tie Me To It“. Man fühlt sich sofort in alten Gefilden zurecht. Snow Patrol machen von Beginn an alles richtig, womit sie „Eyes Open“ beendeten. Etwas gemächlicher lässt es „Crack The Shutters“ angehen. Das Piano führt zum ersten Chorus und entlang an Xylophon und Schlagzeug. Bemerkenswert dass man hier bereits den vermeintlichen Tiefpunkt des Albums erreicht hat. Denn mit „Take Back The City“ folgt mit der ersten Single klangvolle, gezielte Gitarren und offener Sound, wie es besser kaum geht. Besonders hier merkt man die Nähe zu „Eyes Open“. Fast durchgehend wechselt „A Hundred Million Suns“ seine Stimmung in der direkten Folge, so wird mit „Lifeboat“ eine andere Richtung eingeschlagen.

Der monotone und mit Hintergrundeffekten unterstützte Aufbau, wiegt den Hörer in entspannungsartiger Trance. Ungeahnte Qualitäten kommen zum Vorschein - erst recht in „The Golden Floor“. Mit grandiosem Schlagzeug, Backgroundgesang der auf seine Art und Weise mysteriös, als auch episch wirkt und zusätzlichen Rhythmus betörenden Effekten, bekommt der Hörer bereits hier jeden Cent des Anschaffungspreises in akustischen Streicheleinheiten zurückgezahlt. Wenn’s am schönsten ist soll man aufhören? Falsch! „Please Just Take These Photos From My Hands“ legt mit extrem viel Ausdruck und Überzeugungskraft im Refrain nach. Fast fürchtet man in Folge dessen vielleicht schon alles gehört zu haben und nun eher enttäuscht wird.

„Set Down Your Glass“ wechselt erstmal wieder die Richtung. Wie bereits angesprochen scheint man darauf geachtet zu haben. Man versetzt den Hörer mit den ruhigen Songs aber nicht nur in Trance, auch textlich lässt man Herzen höher schlagen und Gedanken träumen („And I'm shaking and I'm still / When your eyes meet mine all the simple skills / Like to tell you all I want, is love”). Weil diese Emotionalität ansteckt, festigt sich das Gefühl wenn Planeten sich zwischen liebenden biegen. Auch wenn „The Planets Bend Between Us“ einen tick schwächer als „Set Down Your Glass“ einzustufen ist, windet es sich doch trotzdem schmeichelnd durch den Raum.

Mit „Enignes“ wird kräftig auf die Distortion-Tube gedrückt, jedoch mehr in sachen Effekten als Gitarren. Sollte man sich nun nach etwas deutlicherer Abwechslung gesehnt haben, hier ist sie. In der Folge erwischt man Snow Patrol dabei, mit „Disaster Button“ eine Mischung aus „Hands Open“ und „Open Your Eyes“ geschrieben zu haben. Funktioniert wunderbar, sogar für ein Solos ist gesorgt. Ein Blick auf die Playlist informiert, begleitet von einem Seufzen der Enttäuschung, über den nur noch einen verbleibenden Song. Die Abspielzeit von 16 Minuten entschädigt dagegen und so weicht der Enttäuschung schnell die Begeisterung, über die folgende Viertel Stunde. Einen passenderen Songtitel hätte man kaum wählen können. Um einen herum tobt ein Orkan aus instrumentaler Schönheit. Mitgerissen von Wind und Wetter ergibt man sich restlos überzeugt seinem Schicksaal.

Man darf sich schlicht und ergreifend freuen eine Platte dieser Qualität zu rezensieren. Da gibt’s nahezu nichts zu meckern, viel zu hören und noch viel mehr zu loben. Deshalb finden Sie auch nahezu nichts Negatives in dieser Kritik. Snow Patrol machen das richtig was sie können und bieten mit „A Hundred Million Suns“ ein starkes Album, welches keinen Fan enttäuschen wird. Dennoch muss erwähnt werden, dass es möglicherweise einen Tick weniger Hit-Potenzial als „Eyes Open“ hat. Dafür ist es Facettenreicher, bietet deutlich mehr Abwechslung und einige gelungene Spielereien. Was sagt man über eine Band, die ein funktionierendes Folgealbum nach einem Durchbruchsalbum schreibt? „Snow Patrol ist erwachsen geworden und hat sich weiterentwickelt“, sie waren jedoch bereits längst erwachsen.

Anspieltipps:

  • Take Back The City
  • The Golden Floor
  • Please Just Take These Photos From My Hands
  • The Lightning Strike

Neue Kritiken im Genre „BritPop“
5/10

Can´t Touch Us Now
  • 2016    
Diskutiere über „Snow Patrol“
comments powered by Disqus