OHGR - Devils In My Details - Cover
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OHGR Devils In My Details


  • Label: Synthetic/SPV
  • Laufzeit: 42 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Elektro-Rock ist nicht gleich Progressiv-Rock. Irgendjemand sollte Kevin Ogilvie (auch bekannt als Nivek Ogre) diesen Fakt mal berichten, denn was er mit seinem Nebenprojekt OHGR aus dem Boden gestampft hat, trotzt vielen Konventionen und vielen Gehörgängen. Was Kevin sich beim dritten Album gedacht oder auch nicht gedacht hat, liegt nun am Hörer zu erforschen.

Die Fragzeichen über dem Kopf kommen schnell und bleiben dort. Mechanisch regungslos wie der Beat des Openers „Shhh“ verharren sie dort, trauen sich kaum zu bewegen und bleiben starr wie der Song, der sich verzerrt und zäh nur selten einer Melodie oder Klängen hingibt und sich als große Rausch-Collage offenbart. Gegen Ende regen sich Hoffnungen, der Titel möge sich noch entfalten, doch letzten Endes hört man hier minutenlanges Gestampfe. Bei „Eyecandy“ lassen sich ähnlich wenige Muster heraus erkennen und diesmal handelt es sich nur noch um wabernden Brei, der nicht einmal mehr simplen, hohlen Viervierteltakt zu Tage fördert. Zwar lässt sich etwas wie eine Entwicklung gegen Ende des „Liedes“ erkennen, aber bei einer Länge von sechs Minuten ist eine interessante schlichtweg zu wenig.

Danach fängt sich das Album ein wenig und es kommt zwar keine Struktur, aber dafür Melodien zu Stande. Immer noch vertrackt, bis zum Umkippen, doch dafür setzt OHGR dem Ganzen anschließend die Krone auf. „Feelin’ Chicken“ ist ein ungewöhnlicher Popsong, der an Einfachheit nicht zu überbieten ist. Ungewöhnliche Klänge allein heben nicht das Niveau eines Stückes, das will der Musikoger aber nicht einsehen und greift noch bei „Three“, „Whitevan“ und „Timebomb“ auf einfachste Popstrukturen zurück. Die Lieder retten sich zwar vor dem Prädikat katastrophal, nicht aber vor einer Durchschnittsbewertung, die niemanden fesseln dürfte.

Es geht auch heftig, wenn auch nicht zwingend gut, wie das viel versprechende, doch viel zu kurze „D. Angel“ und das unmelodische, aber rhythmisch ansprechende „Psychoreal“ beweisen. Warum es nicht besser geht, fragt man sich bei den vorangeganenen Tracks schon gar nicht mehr und wenn dann zu Ende des Albums wieder sinnlos Platz auf einer CD mit Gewaber verschwendet wird („Smogharp“) bekommt man beinahe einen Herzinfarkt, wenn mit „Witness“ der erste wirklich gute Song auf dem Album erscheint. Nicht wirklich komplex (da hapert es weiterhin), aber düster, elektronisch und sich dem Ohr anschmiegend, ohne sich zu verkaufen. Warum nicht das ganze Album über so? Das wäre dann kein Meisterwerk, aber zumindest ein Album, welches man nicht ungerne im Schrank stehen hat (und manchmal auch ohne Gewissensbisse, dass man seine Zeit verschwendet hat anhören kann).

Anspieltipps:

  • Witness
  • D.Angel
  • Timebomb

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