Brett Anderson - Wilderness - Cover
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Brett Anderson Wilderness


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 33 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Doch wieder kein Album mit Bernard Butler. Schade! Aber vielleicht hat Mr. Anderson ja an seiner Solo-Karriere gefeilt und weiß nun mit neuen Stärken zu überzeugen. Diesmal ist das Album auch nicht einfach selbst betitelt, sondern trägt den stürmischen Namen „Wilderness“, war das letzte Album doch eine Spur zu ruhig. Schnell wird dem Hörer aber klar, dass Anderson mit der Wildnis nicht reißende Bache und windige Höhen meint, sondern uns auf einen beschaulichen Waldspaziergang mitnimmt. Wer also auf eine Rückkehr zur Rockwurzel gehofft hat, hoffte vergebens. Auch auf seinem zweiten Werk bleibt Brett Anderson sich treu und spielt Singer7Songwriter-Musik der klassischen Art.

Es ist manchmal schwer zu glauben, dass er kein Ire ist, denn seine Folk angehauchte Musik hat etwas von der Musik von der Insel, erinnert streckenweise an Akkorde des großartigen Damien Rices. Allerdings vermisst man die Rauheit eines irischen Sängers und kriegt von Anderson – typisch englisch – perfekt ausbalancierten Sound, der die Gefühle auf klarster Ebene auf den Hörer übertragen soll. Es sei vorweg gesagt, alle Songs triefen nur so vor Pathos und hangeln nicht selten zwischen wunderschön und Rosamunde Pilcher.

Wie schon beim Solo-Debüt funktioniert die Eröffnung ganz wunderbar. „A Different Place“ fehlt nur eine Spur Pop-Ohrwurm und es könnte ein Song sein, der die Qualität des letzten Blunt-Albums beachtlich gehoben hätte. Gefühlvoll und in wohler Harmonie mit den Streichern passt es diesmal schon besser. Das Problem ist eher wieder die Spannungskurve und die Abwechslung. Beides ist nämlich nur mäßig vorhanden. „The Empress“ funktioniert nämlich nach exakt demselben Schema wie die Eröffnung und geht dadurch schon schwerer ins Ohr, weil man nicht mehr so genau hinhört.

Aus irgendeinem Grund weigert sich Anderson im Stil zu variieren und so ähneln sich die Songs einfach zu sehr. So entscheidet allein das Melodiegefühl des Südengländers über positives oder durchschnittliches Urteil über seine Lieder. Langweilt „Clowns“ schon fast, reißt „Chinese Whispers“ den Hörer mit seiner verträumten Stimmung und dem immer wieder hilfreichen Klavier aus dem Halbschlaf. Auch „Funeral Mantra“ hält das Geheimnisvolle, das der Titel verspricht. Background Vocals und ganz klar irischer Klang beherrschen die Atmosphäre. Dieses Lied hört sich endlich mal anders an. Es ist düster, spielt dabei zwar auch mit Klischees, doch es hebt sich endlich einmal ab. Der Rest der noch nicht genannten Lieder weigert sich wieder strikt etwas gegen das große Ganze zu tun und nur vereinzelte Ideen im Abschlusstrack „P. Marius“ lassen den Hörer zumindest erahnen, was noch möglich gewesen wäre.

So hat Brett Anderson Mittemaßware für die Stange geschaffen. Musik wie sie geschliffener und schöner verpackt kaum sein könnte, doch wer auf das konventionelle setzt, muss auch mit großartigen Melodien auftrumpfen. James Blunt war mit „Back To Bedlam“ schließlich auch nicht der Begründer eines neuen Genres, sondern hat Altbewährtes in geniale Melodien verpackt. Vielleicht wird es beim nächsten Mal besser. Es ist zumindest davon auszugehen, dass es auch weiter allein für den Engländer weitergeht.

Anspieltipps:

  • A Different Place
  • Chinese Whispers
  • Funeral Mantra

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