Electric Six - Flashy - Cover
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Electric Six Flashy


  • Label: Metropolis Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Letztes Jahr um den gleichen Monat erschien das vierte Electric-Six-Album „I Shall Exterminate Everything Around Me That Restricts Me From Being The Master’. Wie sich die Gefühle doch nach eingehender Untersuchung gleichen. Denn die Kognitionen bleiben auch nach dem fünften Album „Flashy“ (danke für den kürzeren Titel diesmal, Jungs) die selben: Humor überzeugend als dauerhaftes Mittel zur Lebensbewältigung zu etablieren, ist so unendlich schwer, ohne sich selbst dabei nach kurzer Zeit (Debütbonus) überflüssig und lächerlich zu machen und die Art und Weise, wie Electric Six, aus Motor-City, dies seit 2003 konstituieren ist einfach nur beeindruckend.

Der Rezensent fühlt sich nach intensiver Sympathiebegleitung seit ihrem Gründungsjahr nicht mehr in der Lage die Überzeugungsarbeit erneut von vorn zu beginnen. Wer sie nicht kennt, wird sie mit diesem Album sicher auch nicht lieben lernen. Ja, ja, das waren doch die, mit diesen „Gay Bar“ und „Danger! High Voltage“ Hits. Ja, seit dem kennt sie (hierzulande) keiner mehr. Doch, wirklich, das ist Album Nummer fünf. Nein, sie sind nicht so stupide wie die Bloodhound Gang. Richtig, in Deutschland waren sie schon ewig nicht mehr unterwegs, hier kauft keiner ihre Platten, vielleicht ja, weil es in Deutschland ein Perfiditätsproblem zumindest mit Musikbands gibt. Denn das die Ärzte diesen unbestrittenen Status der satirischen Meister und gesellschaftlichen Fingerzeiger innehaben entbehrt eigentlich schon längst jeglichen Kommentars.

Wer, ja wer, aber diese Band kennt und ihre satirischen Dienste zu schätzen weiß, kann noch so einen schlechten Tag gehabt haben, „Gay Bar Part 2“ als Opener wird einem zielsicher Grinsegrübchen in das Gesicht zaubern, selbst wenn man vorher noch nie welche gehabt hat. Mariachiuntermaltes Rockgestompe und diese sybillischen Zeilen: „I used to dress in black every night, I used to dress in black every night, then something happened to me, then something happened to me and now I dress in white.” Der vielleicht gelungenste und gleichzeitig das Kommende am besten zusammenfassendste Einstieg aller fünf Electric-Six-Longplayer. Das Saxophon erhält ein Revival auf „Formula 409“, ohne Abklatsch eines „Fire“-Songs zu sein. Gewichtige Fragen der Lebenssinnsuche („Did I met you, baby, on a transatlantic flight?“) werden erörtert in „Transatlantic Flight“ und „Dirty Ball“ ist so schlechter Schabernack im Funkrockgewand das man kotzen möchte, wenn, ja wenn, doch die Blödsinnsmelodie nicht so zwingend catchy wäre.

Es ist schon seltsam mit dieser Band und Humor im Allgemeinen. Er bleibt letzten Endes undefinierbare Geschmackssache und doch bildet man sich ein, dass es einen Unterschied gibt zwischen stupider Blödelei und souveräner doppelbödiger Cleverness. In Sachen Satirerock verkörpern Dick Valentine und seine ostentativ bekloppte Band diese Differenz für mich, obgleich sie natürlich nerven können, obgleich immer nur lachen auch nicht die Lösung für alles sein kann. Was, ernsthaft was aber, wären wir ohne Humor? Letztes Jahr schloss ich mit Grübeleien über den Sinn dieser ganzen Electric Six’schen Unternehmung: „Zweck? Ach ja, ewig ernsthafter Musikliebhaber, der Zweck ist: durch Humor die in jedem Leben genügend vorhandenen Unannehmlichkeiten zu relativieren, sie wegzurocken, ihnen ein Ventil zu geben. Das schafft seit 2003 kaum jemand so gut wie Dick Valentine und seine Band.“ Dieses Jahr mache ich es mir einfacher und lasse Dick Valentine noch ein paar Worte höchster Relevanz sprechen: „I didn't do nothing last year, except dreaming about doing nothing this year”.

Anspieltipps:

  • Gay Bar Part 2
  • Formula 409
  • We Were Witchy Witchy White Women
  • Dirty Ball
  • Transatlantic Flight

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